Überblick über den Geschäftsverlauf im Konzern
ThyssenKrupp – Geschäftsentwicklung rezessionsbedingt rückläufig
Das gesamtwirtschaftliche Umfeld hat sich im Berichtszeitraum weiter verschlechtert. Die globale Rezession spürt unser Unternehmen in allen Bereichen. Bei Stahl und Edelstahl sowie bei internationalen Werkstoffdienstleistungen war der weltweite Nachfrageeinbruch – verbunden mit zum Teil erheblichen Preisrückgängen – besonders dramatisch. Auch die Industriegüter-Aktivitäten gerieten zunehmend in den Sog des weltweiten Abschwungs. Dabei blieb unser Geschäft im Anlagenbau und mit Aufzügen und Fahrtreppen noch relativ robust. Vor diesem Hintergrund gaben Umsatz und Ergebnis in den ersten 9 Monaten 2008/2009 spürbar nach. Der Umsatz von ThyssenKrupp fiel um 23 %.
Nach einem Gewinn im Vorjahr verschlechterte sich das Konzernergebnis vor Steuern auf -987 Mio €. Dieses negative Ergebnis war in erheblichem Umfang durch den Preisverfall bei Werkstoffen geprägt, der zu Wertberichtigungen im Vorratsvermögen in Höhe von 204 Mio € und zu Mindererlösen führte. In erheblichem Umfang belasteten darüber hinaus die Sondereffekte Restrukturierungsaufwand, Impairment-Abschreibungen und Projektkosten in Höhe von insgesamt 540 Mio € das Ergebnis. Zur Bewältigung der Krise haben wir im laufenden Geschäftsjahr ein umfangreiches Maßnahmenpaket zur Kostensenkung eingeleitet und setzen erhebliche Mittel im Rahmen der Net-Working-Capital-Initiative frei. Zusätzlich werden wir den Konzern neu ordnen und damit nachhaltig Verwaltungskosten reduzieren, so dass ThyssenKrupp zukünftig schlanker und effizienter aufgestellt ist.
Die wesentlichen Kennzahlen für die ersten 9 Monate 2008/2009:
- Der Auftragseingang fiel im Vergleich zu den ersten 9 Monaten des vorangegangenen Geschäftsjahres um 31 % auf 28,5 Mrd €.
- Der Umsatz ging um 23 % auf 30,7 Mrd € zurück.
- Das EBITDA betrug 726 Mio €, im Vorjahr waren es noch 3.646 Mio €.
- Das Ergebnis vor Steuern gab von 2.297 Mio € im Vorjahr auf -987 Mio € nach.
- Das Ergebnis je Aktie verminderte sich von 3,06 € auf -1,73 €.
- Die Netto-Finanzschulden beliefen sich zum 30. Juni 2009 auf 3.122 Mio €, eine Zunahme um 1.538 Mio € gegenüber dem 30. September 2008, als Netto-Finanzschulden in Höhe von 1.584 Mio € bestanden. Am 30. Juni 2008 betrugen die Netto-Finanzschulden 2.127 Mio €. Gegenüber dem 31. März 2009 konnten sie um 565 Mio € reduziert werden.
Ausblick
Für das Geschäftsjahr 2008/2009 erwarten wir einen deutlichen Rückgang bei Auftragseingang und Umsatz. Dies wird sich im Ergebnis niederschlagen. Preis- und Mengenrückgänge werden durch rückläufige Einsatzstoffpreise sowie nachdrückliche Anstrengungen zur Effizienzsteigerung nur teilweise kompensiert. Daneben werden zielgerichtete Anpassungen des Umlaufvermögens die Kapitalbindung signifikant reduzieren. Außerdem führen wir Maßnahmen zur Reduktion bzw. Verschiebung der Investitionen durch und setzen Portfolio-Optimierungen um.
ThyssenKrupp geht davon aus, das laufende Geschäftsjahr mit einem negativen Ergebnis vor Steuern und vor wesentlichen Sondereffekten – Restrukturierungsaufwand, Impairment-Abschreibungen und Projektkosten – in höherer dreistelliger Millionen-Euro-Größe abzuschließen.
Das Ergebnis vor Steuern wird erheblich durch Restrukturierungsaufwand für unsere Kostensenkungsprogramme und für die neue Organisation belastet. Diese Maßnahmen werden aber entscheidend dazu beitragen, die künftige Ertragskraft des Konzerns wesentlich zu stärken. Weitere erhebliche Belastungen des Ergebnisses vor Steuern ergeben sich durch Impairment-Abschreibungen sowie die Projektkosten für die neuen Stahlwerke.
Weltwirtschaft: Rezession hält an
Der Abschwung der Weltwirtschaft hat sich in der ersten Jahreshälfte 2009 fortgesetzt. Wichtige Konjunkturindikatoren wie die Veränderungsraten der Auftragseingänge und Industrieproduktion lagen im Vorjahresvergleich weiter spürbar im negativen Bereich. Der internationale Handel mit Gütern und Dienstleistungen erlebte kräftige Einbrüche. Die umfangreichen staatlichen Maßnahmen zur Stabilisierung des Finanzsektors und zur Belebung der Nachfrage konnten bisher nur begrenzt eine positive Wirkung entfalten.
In den USA schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt im 1. Quartal 2009 mit 1,6 % zum Vorquartal ähnlich stark wie im Schlussquartal 2008. Im 2. Quartal 2009 hat sich der Abschwung der US-Wirtschaft mit -0,3 % zum Vorquartal spürbar verlangsamt; dämpfende Effekte gingen insbesondere vom privaten Konsum sowie den Bau- und Ausrüstungsinvestitionen aus. Noch stärker als in den USA ist im 1. Halbjahr 2009 die Wirtschaftsleistung in Japan gefallen; allein im 1. Quartal nahm das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorquartal um 4,0 % ab. Maßgeblich für diesen Konjunktureinbruch war der drastische Rückgang der Exporte.
Auch im Euroraum hat sich die wirtschaftliche Talfahrt fortgesetzt. Im 1. Quartal nahm die Wirtschaftsleistung gegenüber dem Vorquartal um 2,5 % ab, im 2. Quartal dürfte der Rückgang etwas geringer ausgefallen sein. Diese konjunkturelle Abschwächung ist vor allem auf gesunkene Exporte und geringere Investitionen zurückzuführen. Insbesondere die deutsche Wirtschaft verzeichnete auf Grund ihrer starken Abhängigkeit von der globalen Nachfrage einen massiven konjunkturellen Einbruch. Das Bruttoinlandsprodukt ging im 1. Quartal 2009 um 3,8 % zum Vorquartal zurück. Dies war der stärkste Rückgang seit Beginn der statistischen Erfassung 1970. Einen negativen Wachstumsbeitrag lieferten der Außenhandel und die Investitionen, während der private und der öffentliche Konsum leicht zulegten. Im 2. Quartal 2009 dürfte sich der wirtschaftliche Abschwung in abgebremster Form fortgesetzt haben.
Die globale Rezession hat auch das Wachstum in den Schwellen- und Entwicklungsländern belastet. Der Einbruch des Welthandels machte sich insbesondere in den asiatischen Schwellenländern bemerkbar. In China hat sich das zuvor hohe Wachstumstempo verlangsamt. Ohne das staatliche Konjunkturprogramm im Umfang von 580 Mrd US-Dollar wäre der Abschwung wohl noch kräftiger ausgefallen. Auch in Brasilien machte sich der Nachfragerückgang auf wichtigen Absatzmärkten negativ bemerkbar. In Russland ist das Bruttoinlandsprodukt seit Jahresbeginn deutlich zurückgegangen. Ausschlaggebend war hier unter anderem die geringere Nachfrage nach Rohstoffen bei gleichzeitig sinkenden Energiepreisen. In den übrigen Ländern Mittel- und Osteuropas hat sich die konjunkturelle Lage im 1. Halbjahr 2009 ebenfalls verschlechtert.
Die globale Rezession hat in allen für ThyssenKrupp wichtigen Branchen tiefe Spuren hinterlassen. Im Einzelnen ergaben sich folgende Entwicklungen:
- Die Stahlnachfrage ist weltweit dramatisch gefallen – in den meisten Weltregionen auf Niveaus, die das gesamte Wachstum der vergangenen Jahre zunichte machen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres war die weltweite Rohstahlerzeugung 21 % niedriger als im gleichen Vorjahreszeitraum.
Dabei verzeichneten die EU, der Nafta-Raum und Japan sogar Rückgänge von mehr als 40 %.
Entgegen diesem Negativtrend konnten vor allem China und Indien ihre Erzeugung erneut leicht ausweiten. Die Kapazitätsauslastung der Stahlindustrie in den meisten übrigen Regionen ist erheblich gesunken – mit der Folge vermehrter vorübergehender Stillsetzungen und Schließungen. Seit Juni deutet sich aber ein Ende dieser Talfahrt an, da auf Grund allmählich anziehender Nachfrage einige Produzenten ihre Erzeugung wieder hochfuhren oder entsprechende Ankündigungen machten.
Die deutsche Stahlindustrie verzeichnete im Juni erstmals seit elf Monaten einen Auftragseingang von annähernd 3 Mio t Walzstahl. Im Durchschnitt der ersten fünf Monate 2009 lag die Bestellmenge unter 2 Mio t. Eine nachhaltige Wende lässt sich hieraus noch nicht ableiten, da der Mehrbedarf im Wesentlichen lagerzyklisch und teilweise auch spekulativ bedingt sein dürfte. Der weltweite Verfall der Stahlspotpreise ist jedoch gestoppt.
Auch auf dem europäischen Qualitätsflachstahlmarkt zeichnet sich zur Jahresmitte eine Bodenbildung bei Mengen und Preisen ab. Im Durchschnitt der ersten fünf Monate lag der EU-Versand der europäischen Stahlproduzenten aber noch immer um annähernd 50 % unter Vorjahreshöhe. Ursächlich waren die extreme Konjunkturschwäche in allen wesentlichen Abnehmerindustrien und der begleitende Abbau der Lagerbestände. Die Bestände haben zwar im Verlauf der letzten Monate abgenommen, doch sie werden gemessen an den niedrigen Verbrauchsniveaus überwiegend als noch zu hoch eingeschätzt. Die Ordereingänge der europäischen Flachstahlproduzenten zeigen seit April eine leichte Aufwärtstendenz, lagen aber bislang ebenfalls noch signifikant unter den entsprechenden Vorjahresmengen. Die ausgeprägte Nachfrage- und Preisschwäche auf dem europäischen Markt hat die Importe aus Drittländern begrenzt; die Qualitätsflachstahlimporte waren in den ersten fünf Monaten 2009 deutlich niedriger als vor einem Jahr. - Die Nachfrage nach rost-, säure- und hitzebeständigen (RSH) Edelstahlflachprodukten ist weltweit stark zurückgegangen, hat sich lagerzyklisch aber zuletzt spürbar erholt. Anfang 2009 waren in Europa die Bestände beim lagerhaltenden Handel und bei den Service-Centern gut gefüllt, sie wurden seitdem aber sukzessiv abgebaut. Gegen Ende des 2. Quartals 2009 haben viele Händler angesichts niedriger Bestände, insbesondere aber wegen steigender Nickelpreise und erwarteter höherer Legierungszuschläge ihre Bestellungen erhöht. In Nordamerika hat sich der Lagerbestandsabbau bei Handel und Service-Centern verlangsamt, da eine Bestandsuntergrenze erreicht scheint.
Auftragseingang und Lieferungen der lokalen Produzenten haben in den letzten Wochen leicht zugenommen, auch um die durch geringere Importe entstandenen Versorgungslücken durch heimische Produktion aufzufüllen. Zudem wurden wegen steigender Legierungszuschläge Bestellungen vorgezogen.
In Asien befinden sich die Lagerbestände weiterhin auf einem sehr hohen Niveau, wobei Nachdispositionen des Handels auf Grund des steigenden Nickelpreises zugenommen haben. In China hat sich die Nachfrage auch dank größerer staatlicher Infrastrukturprojekte verstärkt. Die Nachfragebelebung in Europa, den USA und in Asien ließ in den letzten Wochen die Produktion anziehen und führte zu einer besseren Kapazitätsauslastung.
Der Verfall der Edelstahlpreise hat sich in Europa und Nordamerika zuletzt nicht mehr fortgesetzt. In den vergangenen Monaten konnten die Basispreise – wenngleich auf niedrigem Niveau – wieder angehoben werden. Der steigende Nickelpreis bewirkte wieder steigende Legierungszuschläge. In Asien haben sich die Edelstahlpreise spürbar erholt und liegen nun fast auf europäischem Niveau. Dies führte wiederum zu geringen Exportanreizen für asiatische Produzenten, so dass deren Exporte nach Europa sehr niedrig waren.
Im Bereich der Nickellegierungen ist die Auftragslage nach wie vor von Projektverschiebungen und kurzfristiger Bedarfsdeckung auf nicht auskömmlichem Niveau geprägt. Bei Titan sind insbesondere wegen der Verzögerungen in der Produktion der neuen Flugzeuggenerationen die Auftragseingänge erheblich zurückgegangen. Die Nachfrageschwäche wird durch weiterhin hohe Lagerbestände bei geringem Verbrauch verstärkt. - Die weltweite Wirtschaftskrise hat auch in der Automobilindustrie tiefe Spuren hinterlassen. In den Industrieländern ist im 1. Halbjahr 2009 die Nachfrage nach Neufahrzeugen dramatisch eingebrochen; zwei große US-Hersteller mussten Insolvenz anmelden. In den USA wurden im 1. Halbjahr 35 % weniger Personenwagen und leichte Nutzfahrzeuge verkauft als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.
In der Europäischen Union lagen die PKW-Neuzulassungen in den ersten sechs Monaten 2009 um 11 % unter dem Vorjahr. In einigen EU-Ländern wurde die Nachfrage durch staatliche Maßnahmen gestützt.
So hat in Deutschland die Umweltprämie das Inlandsgeschäft spürbar belebt. Im Zeitraum Januar bis Juni 2009 stiegen die PKW-Neuzulassungen gegenüber dem Vorjahr um 26 %. Da jedoch gleichzeitig die Exporte um 35 % wegbrachen, ist die PKW-Produktion um 24 % gesunken. Besonders stark rückläufig war das Geschäft mit Nutzfahrzeugen; hier ist die Produktion um 61 % zurückgegangen. Auch in den bisher wachstumsstarken Ländern Mittel- und Osteuropas sind die Neuwagenverkäufe spürbar gefallen. China konnte dagegen dank eines erheblichen Neubedarfs und staatlicher Stützungsmaßnahmen weiter wachsen. - Die Schifffahrtsmärkte sind als Folge der globalen Rezession und der damit einhergehenden Einbrüche im Welthandel von wachsenden Überkapazitäten geprägt. Die Neubauaufträge sind fast völlig zum Erliegen gekommen. Noch werden weltweit hohe Auftragsbestände ausgewiesen, zum Teil können sie aber auf Grund fehlender Finanzierung nicht als gesichert angesehen werden. Die deutschen Seeschiffwerften blieben in den ersten Monaten 2009 ohne Neubestellungen. Zudem wurden mehrere Aufträge storniert, so dass der Auftragsbestand gegenüber dem Jahresende 2008 deutlich gefallen ist.
- Der Maschinen- und Anlagenbau ist insbesondere davon betroffen, dass im Zuge der weltweiten Rezession viele Unternehmen ihre Investitionsentscheidungen überprüft und zahlreiche Projekte zur Modernisierung oder Kapazitätserweiterung storniert oder zeitlich verschoben haben. In den großen Industrieländern hat sich die Auftragslage deutlich verschlechtert, und die Produktion war rückläufig. In China wurde das Branchenwachstum spürbar gedämpft. In Deutschland sind nach Jahren hoher Zuwächse die Bestellungen in bisher nicht gekanntem Tempo zurückgegangen. In den ersten sechs Monaten 2009 gaben die Bestellungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 46 % nach. Die Kapazitätsauslastung ist wegen der geringeren Produktion drastisch gefallen. Auch der deutsche Großanlagenbau verzeichnete in der ersten Jahreshälfte 2009 deutlich weniger Bestellungen als im Vorjahr.
- Die Baukonjunktur hat sich im 1. Halbjahr 2009 in nahezu allen Ländern spürbar abgekühlt. Die Zuwächse in China und Indien waren geringer als im Vorjahr. In den USA setzte sich der Abwärtstrend am Immobilienmarkt fort. Auch in den meisten mittel- und osteuropäischen Ländern stagnierte oder schrumpfte die Bauwirtschaft. Die deutsche Bauwirtschaft verbuchte bislang einen schwächeren Auftragseingang als im Vorjahr; davon war vor allem der Wirtschaftsbau betroffen. Die beschlossenen Konjunkturpakete haben bisher nur wenig Impulse entfalten können.
Auftragseingang und Umsatz rückläufig
| 9 Monate 2007/2008 |
9 Monate 2008/2009 |
3. Quartal 2007/2008 |
3. Quartal 2008/2009 |
|||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Auftragseingang | Mio € | 41.535 | 28.455 | 14.181 | 7.926 | |||||
| Umsatz | Mio € | 39.650 | 30.680 | 14.181 | 9.299 | |||||
| EBITDA | Mio € | 3.646 | 726 | 1.366 | – 180 | |||||
| Ergebnis vor Steuern (EBT) | Mio € | 2.297 | – 987 | 909 | – 772 | |||||
| Mitarbeiter (30.06.) | 198.033 | 188.501 | 198.033 | 188.501 |
Der globale Nachfrageeinbruch hat das Geschäft von ThyssenKrupp erheblich belastet. Der Umsatz und vor allem die Auftragseingänge gaben deutlich nach. Starke Rückgänge gab es insbesondere im 2. und 3. Geschäftsjahresquartal.
Der Auftragseingang von ThyssenKrupp erreichte in den ersten 9 Monaten 2008/2009 einen Wert von 28,5 Mrd €, 31 % weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Im 3. Quartal 2008/2009 lagen die Bestellungen zwar leicht über dem Vorquartal, blieben mit einem Minus von 44 % aber unter dem Niveau des Vorjahresquartals. Alle Segmente verzeichneten in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres geringere Neubestellungen. Neben zum Teil stark rückläufigen Werkstoffpreisen hat vor allem der mengenmäßige Nachfragerückgang das Neugeschäft von Steel, Stainless und Services belastet. Bei Technologies hat sich die Unsicherheit der Kunden bei Investitionsentscheidungen negativ ausgewirkt. Der rückläufige Auftragseingang bei Elevator ist auf das geringere Neuanlagengeschäft zurückzuführen.
Der Konzernumsatz verminderte sich in den ersten 9 Monaten 2008/2009 um 23 % auf 30,7 Mrd €. Im 3. Quartal 2008/2009 lag er um 6 % unter dem Vorquartal und 34 % unter dem Vorjahresquartal. In den ersten 9 Monaten des Berichtsjahres war der Umsatz in allen Segmenten mit Ausnahme von Elevator merklich schwächer. Bei Steel belastete das deutlich geringere Versandvolumen, während die durchschnittlichen Stahlerlöse wegen des hohen Anteils von Langfristverträgen stabilisierend wirkten. Sowohl Preis- als auch Nachfragerückgänge führten bei Stainless und Services zu einem nachlassenden Geschäftsvolumen. Bei Technologies konnten höhere Umsätze im Anlagenbau die Rückgänge im Automobilzuliefer- und Baumaschinengeschäft sowie im Schiffbau nicht kompensieren. Elevator blieb auf Wachstumskurs und hat sein Geschäft in nahezu allen Regionen ausgebaut.

Deutlicher Ergebnisrückgang
In den ersten 9 Monaten 2008/2009 hat sich das Ergebnis vor Steuern (EBT) von ThyssenKrupp im Vergleich zum Vorjahr um 3.284 Mio € auf -987 Mio € vermindert. Im Verlauf des Berichtsjahres hat sich das Ergebnis zunehmend verschlechtert. Dem Gewinn von 240 Mio € im 1. Quartal folgte im 2. Quartal ein Verlust von 455 Mio € und im 3. Quartal ein Verlust von 772 Mio €. In den Ergebniszahlen für die ersten 9 Monate 2008/2009 sind u.a. die Rückstellungen für Restrukturierungsaufwendungen – dies betrifft beispielsweise personalpolitische Anpassungsmaßnahmen – von 250 Mio €, Wertberichtigungen auf langfristige Vermögenswerte bei Steel, Stainless und Technologies in Höhe von 159 Mio € sowie die Projektkosten für die neuen Werke in Brasilien und den USA in Höhe von 131 Mio € enthalten. Auf Wertberichtigungen auf das Vorratsvermögen entfielen 204 Mio €.
Ursächlich für den Ergebnisrückgang im Segment Steel war primär der Einbruch bei den Versandmengen; hinzu kamen erhebliche Restrukturierungsrückstellungen. Der hohe Verlust von Stainless wurde durch einen dramatischen Nachfrageeinbruch in Verbindung mit deutlich rückläufigen Basispreisen ausgelöst. Notwendige Impairment-Abschreibungen sowie Bestandsabwertungen belasteten das Ergebnis zusätzlich. Wertberichtigungen und massive Ergebniseinbußen im Roh- und Werkstoffgeschäft führten auch bei Services zu einem negativen Ergebnis. Bei Technologies konnten die höheren Gewinne aus dem Anlagenbau die Einbußen im Automobilzuliefer- und Baumaschinengeschäft, insbesondere aber die erheblichen Verluste im zivilen Schiffbau nicht ausgleichen. Erfolgreich blieb das Geschäft von Elevator: In allen Bereichen wurde ein Gewinn erzielt.

Die Umsatzerlöse lagen in den ersten 9 Monaten 2008/2009 um 8.970 Mio € oder 23 % unter dem Wert für den entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Umsatzkosten verringerten sich um 5.544 Mio € oder 17 % und damit unterproportional im Vergleich zur Umsatzentwicklung. Wesentliche Ursache hierfür waren die in diesem Jahr spürbar erhöhten Vorratsabwertungen sowie Wertminderungsaufwendungen bei immateriellen Vermögenswerten und Sachanlagen, die den insgesamt umsatzbedingten Rückgang der übrigen Umsatzkosten teilweise kompensierten. Insgesamt verminderte sich das Bruttoergebnis vom Umsatz um 3.426 Mio €, verbunden mit einer Verringerung der Brutto-Umsatzmarge von 17 % auf 11 %.
Die Abnahme der Vertriebskosten um 180 Mio € resultierte hauptsächlich aus gesunkenen Aufwendungen für Verkaufsfrachten und Verkaufsversicherungen in den Segmenten Steel, Stainless und Services auf Grund der rückläufigen Geschäftsentwicklung. Der Anstieg der sonstigen betrieblichen Erträge um 63 Mio € stand im Zusammenhang mit der Annullierung qualifizierter Währungssicherungen für geplante Rohstoffeinkäufe, da das Volumen der Rohstoffeinkäufe infolge der Rezession zurückgegangen ist. Der Rückgang der sonstigen betrieblichen Aufwendungen um 41 Mio € resultierte mit 34 Mio € aus verminderten Verlusten aus dem Abgang von langfristigen Vermögenswerten. Die im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum rückläufige Desinvestitionstätigkeit führte zu einer Verschlechterung des Ergebnisses aus dem Verkauf konsolidierter Unternehmen um 78 Mio €. Die Verminderung des Ergebnisses aus nach der Equity-Methode bilanzierten Beteiligungen um 91 Mio € ergab sich insbesondere aus der im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum insgesamt rückläufigen Ergebnisentwicklung bei den betreffenden Beteiligungen. Die eingetretene Verschlechterung des Zinsergebnisses um 203 Mio € stand im Zusammenhang mit der im Vergleich zum Vorjahreszeitraum erhöhten Netto-Finanzverschuldung. Für die Verbesserung des sonstigen Finanzergebnisses um 195 Mio € waren hauptsächlich um 112 Mio € verbesserte Kursergebnisse aus Finanztransaktionen sowie die im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 98 Mio € erhöhte Aktivierung von Bauzeitzinsen, die im Wesentlichen den Baufortschritt des Stahlwerks in Brasilien betraf, verantwortlich.
Der Ausweis eines Steuerertrags für den Berichtszeitraum in Höhe von 158 Mio € gegenüber einem Steueraufwand von 747 Mio € im Vergleichszeitraum des Vorjahres war vollumfänglich auf die Verlustsituation zurückzuführen. Auf Grund der Verluste verminderten sich die laufenden Ertragsteuern gegenüber dem Vorjahr um 430 Mio € auf 227 Mio €. Insoweit Verluste erst künftig die Steuerzahlungen mindern werden, wurden aktive latente Steuern gebildet. Entsprechend ergab sich im Berichtszeitraum ein latenter Steuerertrag von 385 Mio € nach einem latenten Steueraufwand von 90 Mio € ein Jahr zuvor. Nach Berücksichtigung der Steuern vom Einkommen und vom Ertrag ergab sich ein Periodenfehlbetrag von 829 Mio €; im entsprechenden Vorjahreszeitraum betrug der Periodenüberschuss 1.550 Mio €.
Unter Einbezug der auf Anteile anderer Gesellschafter entfallenden Verluste in Höhe von 29 Mio € verschlechterte sich das Ergebnis je Aktie für den Berichtszeitraum auf -1,73 €.
Netto-Finanzschulden und Investitionen
Die Netto-Finanzschulden lagen am 30. Juni 2009 bei 3.122 Mio €. Der Anstieg um 1.538 Mio € gegenüber dem 30. September 2008 steht maßgeblich unter dem Einfluss der globalen Rezession und der damit einhergehenden Belastungen des operativen Geschäfts, der Investitionen für unsere Großprojekte sowie der Dividendenzahlung. Gegenüber dem 31. März 2009 konnten die Netto-Finanzschulden um 565 Mio € reduziert werden.

In den ersten 9 Monaten 2008/2009 haben wir insgesamt 3.094 Mio € investiert, 5 % mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Davon wurden 2.875 Mio € für Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte ausgegeben; auf den Erwerb von Unternehmen und Beteiligungen sowie auf andere finanzielle Vermögenswerte entfielen 219 Mio €.
Aktuelle Emittenten-Ratings
Im abgelaufenen Quartal haben die Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch die Ratings von ThyssenKrupp heruntergestuft. Alle drei Ratingagenturen haben jedoch den Investment-Grade- Status von ThyssenKrupp beibehalten. Derzeit wird die Kreditwürdigkeit des Konzerns von den Ratingagenturen wie folgt bewertet:
| Langfrist- Rating |
Kurzfrist- Rating |
Ausblick | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Standard & Poor’s | BBB- | A-3 | watch negative | |||
| Moody’s | Baa3 | Prime-3 | negative | |||
| Fitch | BBB- | F3 | negative |
Bau neuer Werke in Brasilien und den USA
Die Umsetzung der strategischen Investitionen der Segmente Steel und Stainless macht weitere Fortschritte. Von zentraler Bedeutung für Steel ist der im Bau befindliche Stahlwerkskomplex am Standort Santa Cruz im Bundesstaat Rio de Janeiro/Brasilien mit einer Jahreskapazität von 5 Mio t Rohstahl. Per 30. Juni 2009 betrug der Wert der abgeschlossenen Verträge 4,3 Mrd €.
Der brasilianische Eisenerzproduzent Vale S.A. und die ThyssenKrupp Steel AG haben am 22. Juli 2009 ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, nach dem Vale seinen Anteil an der ThyssenKrupp CSA Siderúrgica do Atlântico Ltda. durch eine Kapitaleinzahlung in Höhe von 965 Mio € von gegenwärtig rund 10 % auf 26,87 % erhöht. Diese Entscheidung bedarf unter anderem noch der Genehmigung durch die Aufsichtsräte von Vale und ThyssenKrupp.
Die Bauaktivitäten auf dem Grundstück in Santa Cruz sind in vollem Gange. In allen Teilbereichen laufen Stahlbau sowie mechanische und elektrische Montagen parallel. Hafen, Rohstofflager und Umschlag sowie Sinteranlage sind weitgehend fertiggestellt. Kraftwerk und Hochöfen werden Ende 2009 produktionsbereit sein. Dies gilt auch für die Nebenanlagen wie Stromverteilung oder Wasseraufbereitung und für sonstige Infrastruktureinrichtungen. Bei den Stahlbauarbeiten einiger Gewerke sind auf Grund mangelnder Qualität Nacharbeiten erforderlich. Angesichts der aktuellen Situation am Stahlmarkt ergreifen wir keine Beschleunigungsmaßnahmen; aktuell wird der Produktionsstart im 1. Halbjahr 2010 erwartet. Ende Juni 2009 arbeiteten 1.397 Mitarbeiter für ThyssenKrupp CSA in Brasilien, auf der Baustelle waren insgesamt 19.000 Menschen tätig.
Um später einen großen Teil der in Brasilien erzeugten Brammen zu Fertigerzeugnissen für den europäischen Markt verarbeiten zu können, wurde auch an den deutschen Standorten investiert. An den Warmbandwerken in Duisburg-Beeckerwerth und in Bochum sowie an vier Feuerbeschichtungsanlagen konnte eine Reihe von Umbaumaßnahmen inzwischen abgeschlossen werden; die Leistungsfähigkeit der Aggregate wurde dadurch verbessert.
Im Herbst 2007 begann der Bau des neuen gemeinsamen Stahl- und Weiterverarbeitungswerks der Segmente Steel und Stainless nahe Mobile in Alabama/USA. Er wird für die Produktionslinien des Segments Steel planmäßig fortgeführt, während die Baumaßnahmen für Stainless zeitlich gestreckt werden. Steel wird im Werk Mobile über Warm- und Kaltwalz- sowie Veredelungsanlagen verfügen und Brammen aus der brasilianischen Produktion zu hochqualitativen Flachprodukten weiterverarbeiten. Die Warmwalzkapazität beträgt insgesamt über 5 Mio t jährlich. Die Realisierung des Projekts verläuft weitgehend planmäßig, so dass weiterhin eine Inbetriebnahme im Frühjahr 2010 möglich ist. Das Investitionsbudget für das Weiterverarbeitungswerk in Alabama beträgt 3,25 Mrd US-Dollar. Per 30. Juni 2009 lag der Wert der abgeschlossenen Verträge bei insgesamt 3,0 Mrd US-Dollar.
Aktuell sind auf der Baustelle rund 3.500 Arbeiter beschäftigt. Für die Warmbandstraße, das Kaltwalzwerk und die Feuerbeschichtungsanlagen sind die Betonarbeiten für Hallen und Maschinenfundamente weitgehend abgeschlossen. Die Stahlbau- und Elektroarbeiten für die Produktionsanlagen laufen derzeit. Die Versandhallen für Kaltband und feuerverzinkte Produkte, die für die Zwischenlagerung von Maschinenbauteilen benötigt werden, befinden sich in der Fertigstellungsphase.
Marktanalysen über die Preis-, Nachfrage- und Importentwicklung sowie Kundenanforderungen im Nafta-Raum werden systematisch fortgesetzt. Die möglichen Liefermengen nach Produkten und Kunden für den Produktionshochlauf und im späteren Betrieb sind bestimmt. In diesem Zusammenhang wird auch die allgemeine wirtschaftliche Situation fortlaufend analysiert; mögliche Auswirkungen werden risikoorientiert betrachtet. Kundenbesuche werden in allen Zielbranchen fortgesetzt und durch die technischen Beratungsteams unterstützt.
Die Baumaßnahmen für das Werk für hochwertige Rostfrei-Flachprodukte in Mobile, Alabama, werden zeitlich gestreckt. Anfang des Jahres wurde vor dem Hintergrund der schlechten Edelstahlkonjunktur eine Verschiebung des Produktionsanlaufs um mindestens ein Jahr beschlossen. Gegenwärtig werden das industrielle Konzept und der Hochlauf-Termin überprüft. In seiner Sitzung am 04. September 2009 wird der Aufsichtsrat über das weitere Vorgehen entscheiden.




