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Nachtrags-, Chancen- und Prognosebericht

Es lagen keine berichtspflichtigen Ereignisse vor.

Nach dem freien Fall der Weltwirtschaft im vergangenen Winterhalbjahr mehren sich bei einigen konjunkturellen Frühindikatoren die Anzeichen, dass der Tiefpunkt der globalen Rezession erreicht sein und die gesamtwirtschaftliche Entwicklung sich im 2. Halbjahr 2009 stabilisieren könnte. Eine Bestätigung dieser Entwicklung durch reale Daten setzt allerdings erst allmählich ein. Ein nachhaltiger Aufschwung ist damit insgesamt noch nicht in Sicht; es ist lediglich mit einer Stabilisierung auf niedrigem Niveau zu rechnen. 2010 wird die Weltwirtschaft allenfalls ein geringes Wachstum aufweisen; das Risiko eines konjunkturellen Rückschlags bleibt hoch.

Die US-Wirtschaft wird sich im weiteren Jahresverlauf voraussichtlich festigen. Dazu tragen Impulse aus den staatlichen Konjunkturprogrammen bei. Der finanzielle Spielraum für den privaten Konsum als bedeutendste Komponente der amerikanischen Wirtschaft bleibt insbesondere auf Grund der schlechten Arbeitsmarktsituation jedoch begrenzt. Auch in Japan ist im weiteren Jahresverlauf nicht mit einer durchgreifenden Besserung zu rechnen. Dies wird erst dann der Fall sein, wenn die exportorientierte japanische Wirtschaft wieder Impulse vom Welthandel erhält.

Exportbedingt hat sich auch die Wachstumsdynamik vieler Schwellenländer abgeschwächt. In China belastet der rückläufige Welthandel den Exportsektor; eine robuste Binnenkonjunktur bei steigenden Investitionen wird jedoch auch im weiteren Jahresverlauf zu einer höheren Wirtschaftsleistung beitragen. In Russland dürfte sich die wirtschaftliche Lage erst mit einem spürbaren Anstieg der Energiepreise verbessern.

Nach dem scharfen Einbruch zu Beginn des Jahres ist auch im Euroraum ab dem 2. Halbjahr 2009 eine konjunkturelle Bodenbildung absehbar. Besonders schwierig bleibt wegen der hohen Exportabhängigkeit die wirtschaftliche Lage in Deutschland. Insbesondere die zunehmende Arbeitslosigkeit wird den privaten Konsum spürbar belasten. Insgesamt ist daher auf absehbare Zeit nicht mit einem nachhaltigen Wachstum zu rechnen.

In den für ThyssenKrupp wichtigen Märkten gehen wir von folgenden Entwicklungen aus:

  • Auf dem Weltstahlmarkt zeichnet sich zur Jahresmitte eine Stabilisierung auf sehr niedrigem Niveau ab. Nach einem signifikanten Nachfragerückgang im 1. Halbjahr 2009 gehen wir für das Gesamtjahr unverändert von einer Abnahme der globalen Walzstahlmarktversorgung um rund 15 % aus. Dies entspräche einer Welt-Rohstahlproduktion von 1,1 bis 1,2 Mrd t – dem Erzeugungsniveau des Jahres 2005. In der Nafta, der EU, der GUS und in Japan ist mit überproportionalen Nachfrageeinbrüchen zu rechnen, aber auch der gesamte übrige asiatische Raum, der Nahe Osten und Lateinamerika dürften 2009 nennenswerte Rückgänge verzeichnen. Vor allem in Europa, wo der reale Stahlverbrauch spürbar abnehmen wird, dämpfen noch immer leicht überhöhte Lagerbestände die Nachfrage zusätzlich. In der Annahme, dass der Tiefpunkt der Krise erreicht ist, gehen wir davon aus, dass es im nächsten Jahr zu einer leichten Erholung kommt, wobei allerdings in den meisten Regionen das Marktvolumen des Jahres 2008 noch nicht wieder erreicht wird. In Europa dürfte die Belebung der Mengenkonjunktur im Wesentlichen lagerzyklisch bedingt sein, da aus heutiger Sicht der Stahlverbrauch auch 2010 nicht wachsen wird.
  • In den letzten Monaten haben steigende Rohstoffpreise und niedrige Lagerbestände den Markt für Rostfrei-Flachprodukte belebt. Die Talsohle der Nachfrageschwäche scheint durchschritten zu sein. Gestützt durch die weltweiten Programme zur Konjunktur- und Finanzmarktstabilisierung wird eine konjunkturelle Bodenbildung erwartet. Im Jahr 2010 wird von einer leichten Belebung der weltweiten Nachfrage nach Edelstahl-Flachprodukten ausgegangen. Für den Bereich der Hochleistungswerkstoffe erwarten wir eine beginnende Erholung in der ersten Jahreshälfte 2010.
  • Der internationale Automobilmarkt wird sich trotz vielfältiger Fördermaßnahmen in einigen Ländern von dem weltweiten Einbruch der Fahrzeugnachfrage vorerst nicht erholen. Für 2009 ist mit einem Produktionsrückgang um nahezu 20 % auf rund 57 Mio Personen- und leichte Nutzfahrzeuge zu rechnen. Einen besonders dramatischen Produktionsrückgang mit einem Minus von mehr als 30 % verzeichnet in diesem Jahr die Autoindustrie in den USA; 2010 wird nur eine leichte Erholung erwartet. Bei den westeuropäischen und deutschen Herstellern dürfte der Produktionsrückgang 2009 bei knapp 20 % liegen; auch für 2010 ist keine Besserung in Sicht. In Deutschland ist der PKW-Markt in diesem Jahr durch die Abwrackprämie künstlich erhöht. Daher zeichnet sich für das nächste Jahr ein Rückschlag bei den Neuzulassungen ab.
  • Die Perspektiven für den Schiffbau haben sich dramatisch verschlechtert. Dennoch wird in einigen asiatischen Ländern auf Grund staatlicher Unterstützungsmaßnahmen mit einem fortgesetzten Ausbau gerechnet. Nach dem Einbruch der Bestellungen im bisherigen Jahresverlauf dürfte die Produktion der deutschen Werften 2009 und 2010 deutlich unter dem Niveau von 2008 bleiben.
  • Die weltweite Rezession und die damit verbundene starke Zurückhaltung bei Investitionen belasten den internationalen Maschinenbau. In wichtigen Industrieländern wird 2009 die Maschinenbauproduktion mit hohen zweistelligen Raten abnehmen. Eine leichte Erholung könnte dann im nächsten Jahr eintreten. Im deutschen Maschinenbau ist 2009 mangels vorhandener Auftragsbestände ein Rückgang von 18 % zu erwarten. Der chinesische Maschinenbau expandiert weiter, allerdings in deutlich geringerem Tempo.
  • Die Baukonjunktur wird sich 2009 in den meisten Ländern merklich abkühlen. Während sich in China und Indien die Wachstumsdynamik abschwächt, verzeichnen einige Industrieländer starke Rückgänge der Bauproduktion. Davon sind insbesondere die USA und in Europa Großbritannien und Spanien betroffen. Auch die deutsche Bauwirtschaft wird wegen der Schwäche im Wirtschaftsbau schrumpfen; die öffentlichen Bauinvestitionen werden auf Grund der staatlichen Konjunkturpakete erst im weiteren Jahresverlauf zulegen. 2010 ist weltweit nur mit einer moderaten Besserung der Baukonjunktur zu rechnen.

Ausblick

Für das Geschäftsjahr 2008/2009 erwarten wir einen deutlichen Rückgang bei Auftragseingang und Umsatz. Dies wird sich im Ergebnis niederschlagen. Preis- und Mengenrückgänge werden durch rückläufige Einsatzstoffpreise sowie nachdrückliche Anstrengungen zur Effizienzsteigerung nur teilweise kompensiert. Daneben werden zielgerichtete Anpassungen des Umlaufvermögens die Kapitalbindung signifikant reduzieren. Außerdem führen wir Maßnahmen zur Reduktion bzw. Verschiebung der Investitionen durch und setzen Portfolio-Optimierungen um.

ThyssenKrupp geht davon aus, das laufende Geschäftsjahr mit einem negativen Ergebnis vor Steuern und vor wesentlichen Sondereffekten – Restrukturierungsaufwand, Impairment-Abschreibungen und Projektkosten – in höherer dreistelliger Millionen-Euro-Größe abzuschließen.

Das Ergebnis vor Steuern wird erheblich durch Restrukturierungsaufwand für unsere Kostensenkungsprogramme und für die neue Organisation belastet. Diese Maßnahmen werden aber entscheidend dazu beitragen, die künftige Ertragskraft des Konzerns wesentlich zu stärken. Weitere erhebliche Belastungen des Ergebnisses vor Steuern ergeben sich durch Impairment-Abschreibungen sowie die Projektkosten für die neuen Stahlwerke.

Auf Grund des fortgeschrittenen Lagerabbaus verzeichnen wir in unserem Werkstoff- und Dienstleistungsgeschäft eine Belebung der Nachfrage. Dennoch erwarten wir für das 4. Quartal des Geschäftsjahres, dass die Nachfrage weiter durch einen schwachen Verbrauch beeinträchtigt wird:

  • Für das Segment Steel ist im 4. Quartal mit weiterem Erlösdruck bei einer graduellen Verbesserung der Mengen und der Kapazitätsauslastung gegenüber dem Vorquartal zu rechnen. Eine deutliche Entlastung durch niedrigere Rohstoffkosten wird sich auf Grund der Bewertung nach der Durchschnittskostenmethode erst mit Beginn des neuen Geschäftsjahres einstellen. Hieraus kann sich die Notwendigkeit für Wertberichtigungen des Vorratsvermögens ergeben.
  • Im Segment Stainless erwarten wir bei sich stabilisierenden Mengen und Preisen auch im 4. Quartal einen Verlust, der jedoch niedriger ausfallen wird als im 3. Quartal.
  • Beim Segment Services gehen wir von einer Reduzierung des Mengen- und Preisdrucks und einer entsprechenden Erholung unserer Margen erst gegen Ende des 4. Quartals aus.

Bei unseren Industriegüteraktivitäten rechnen wir im 4. Quartal mit folgender Entwicklung:

  • Im Segment Technologies erwarten wir anhaltende Unterauslastung bei Komponenten für Automobile und Baumaschinen sowie im zivilen Schiffbau. Die damit verbundene Ergebnisbelastung vor Sondereffekten wird durch die Geschäftsentwicklung im Anlagenbau, bei Großwälzlagern für den Energiesektor sowie im U-Boot- und Fregattenbau voraussichtlich nicht kompensiert werden.
  • Für das Segment Elevator gehen wir von einer guten Ergebnisentwicklung aus.

Für das Jahr 2009/2010 rechnen wir angesichts der aktuellen Prognosen für die Weltwirtschaft mit einer moderaten Stabilisierung beim Umsatz; Effekte aus den Restrukturierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen sollten das Ergebnis verbessern.

Konzernprogramm ThyssenKrupp PLuS weiter erfolgreich

Zu Beginn des Geschäftsjahres hat ThyssenKrupp das konzernweite Maßnahmenprogramm ThyssenKrupp PLuS gestartet, um schnell und konsequent auf die Rezession der Weltwirtschaft zu reagieren und dieser entgegenzusteuern. Ziele des Programms sind die Realisierung positiver Ergebnis- und Liquiditätseffekte bereits im laufenden Geschäftsjahr ebenso wie nachhaltige Performance-Verbesserungen.

Für 2008/2009 sind deutlich über 1 Mrd € ergebnisverbessernde Maßnahmen initiiert und in den ersten drei Quartalen plangemäß umgesetzt worden. Hierzu zählen die Senkung der Produktions- und Verwaltungsausgaben, die Optimierung von Beschaffung und Vertrieb sowie die kritische Prüfung von externen Dienstleistungsverträgen. Deutlich mehr als ein Drittel der ergebnissteigernden Maßnahmen sind nachhaltig und verbessern damit nicht nur im Geschäftsjahr 2008/2009 das Ergebnis, sondern werden auch in den Folgejahren die positive Ergebniswirkung beibehalten.

Eine Verbesserung der Cash-Position wird durch die konsequente Reduktion des Net Working Capital – Netto-Umlaufvermögen – angestrebt, beispielsweise mit einem deutlichen Abbau der Vorräte und der Optimierung des Forderungsmanagements in allen Segmenten des Konzerns.

Darüber hinaus wurden alle Investitionsprojekte – sowohl die Großprojekte unserer Stahl- und Edelstahlbereiche in Amerika als auch die sonstigen Investitionen in jedem der Segmente – auf mögliche Reduzierungen oder Verschiebungen analysiert, auch vor dem Hintergrund der aktuell deutlich verschlechterten konjunkturellen Erwartungen.

In allen drei Maßnahmen-Bereichen – Ergebnis, Net Working Capital und Investitionen – konnten wir in den ersten drei Quartalen des laufenden Geschäftsjahres unsere Einsparziele zeitanteilig erreichen.

Aufsichtsrat entscheidet über neue Organisation

In seiner letzten Sitzung am 13. Mai dieses Jahres hatte der Aufsichtsrat auf Vorschlag des Vorstands beschlossen, die Konzernaktivitäten in acht neuen Business Areas zu bündeln, die künftig direkt an die ThyssenKrupp AG angebunden werden. Vorgesehen sind die Business Areas Steel Europe, Steel Americas, Stainless Global, Materials Services, Elevator Technology, Plant Technology, Components Technology und Marine Systems. Darüber hinaus werden konzernweit Verwaltungsdienstleistungen im Rahmen eines Shared-Services-Konzepts zusammengeführt. Damit passt sich der Konzern an das veränderte wirtschaftliche Umfeld an. ThyssenKrupp bleibt in der neuen Struktur ein integrierter Werkstoff- und Technologiekonzern.

Der Umbau schafft intern und extern mehr Transparenz und ermöglicht schnellere und bessere Entscheidungen. Verwaltungsaufwand und -kapazitäten werden durch die Bündelung deutlich reduziert. Daraus ergeben sich nachhaltige Kosteneinsparungen. Strategisch wird ThyssenKrupp künftig von einer starken Zentrale geführt, während die operativen Entscheidungen dezentral und noch näher am Markt erfolgen.

Gegenwärtig wird an der weiteren Detaillierung der neuen Organisation gearbeitet. In seiner Sitzung am 04. September wird der Aufsichtsrat das Gesamtkonzept diskutieren und über die rechtliche und organisatorische Umsetzung zum 01. Oktober 2009 entscheiden. Anschließend werden Öffentlichkeit und Mitarbeiter über die Ergebnisse der Sitzung informiert.