Überblick über den Geschäftsverlauf im Konzern
ThyssenKrupp im Sog der weltweiten Rezession
Die konjunkturellen Rahmenbedingungen haben sich in den vergangenen Monaten stärker verschlechtert als erwartet. Die Weltwirtschaft befindet sich in einer tiefen Rezession. Der drastische Nachfrageeinbruch bei Stahl, Edelstahl und in der internationalen Werkstoffdienstleistung hat das Geschäft bei ThyssenKrupp erheblich belastet. Auch die Industriegüteraktivitäten zeigten in Teilbereichen – insbesondere im Automobilzuliefergeschäft und bei den Werften für den zivilen Schiffbau – eine rückläufige Entwicklung. Erfreulich und im Rahmen der Erwartungen blieb das Geschäft mit Aufzügen und Fahrtreppen. In diesem wirtschaftlichen Umfeld waren Umsatz und Ergebnis von ThyssenKrupp rückläufig. Der Umsatz verminderte sich im 1. Halbjahr 2008 / 2009 gegenüber dem Vorjahreswert um 16 %. Das Konzernergebnis vor Steuern fiel mit -215 Mio € um 1.603 Mio € geringer aus als im Vorjahr.
Die wesentlichen Kennzahlen für das 1. Halbjahr 2008 / 2009:
- Der Auftragseingang ging im Vergleich zum 1. Halbjahr 2007 / 2008 um 25 % auf 20,5 Mrd € zurück.
- Der Umsatz fiel um 16 % auf 21,4 Mrd €.
- Das EBITDA erreichte 906 Mio € nach 2.280 Mio € im Vorjahr.
- Das Ergebnis vor Steuern betrug -215 Mio €, im Vorjahr waren es 1.388 Mio €.
- Das Ergebnis je Aktie verminderte sich von 1,85 € auf -0,35 €.
- Die Netto-Finanzschulden beliefen sich zum 31. März 2009 auf 3.687 Mio €, eine Zunahme um 2.103 Mio € gegenüber dem 30. September 2008, als Netto-Finanzschulden in Höhe von 1.584 Mio € bestanden. Am 31. März 2008 betrugen die Netto-Finanzschulden 1.988 Mio €.
Für das Geschäftsjahr 2008 / 2009 erwarten wir einen deutlichen Rückgang bei Auftragseingang und Umsatz. Dies wird sich im Ergebnis niederschlagen. Preis- und Mengenrückgänge werden durch rückläufige Einsatzstoffpreise sowie ein umfangreiches zusätzliches Maßnahmenpaket zur Effizienzsteigerung nur teilweise kompensiert. Daneben werden zielgerichtete Anpassungen des Umlaufvermögens die Kapitalbindung signifikant reduzieren. Maßnahmen zur Reduktion bzw. Verschiebung des Investitionsprogramms werden umgesetzt.
ThyssenKrupp geht davon aus, das laufende Geschäftsjahr mit einem negativen Ergebnis vor Steuern und vor wesentlichen Sondereffekten – Restrukturierungsaufwand, Projektkosten und Impairment- Abschreibungen – abzuschließen. In Abhängigkeit von der weiteren gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wird ein negatives Ergebnis vor Steuern und vor wesentlichen Sondereffekten in mittlerer bis höherer dreistelliger Millionen-Euro-Größe erwartet.
Das Ergebnis vor Steuern wird erheblich durch Restrukturierungsaufwand für unsere Kostensenkungsprogramme und die strategische Neuordnung belastet werden. Diese Maßnahmen werden entscheidend dazu beitragen, die künftige Ertragskraft des Konzerns erheblich zu stärken. Weitere wesentliche Belastungen des Ergebnisses vor Steuern erwarten wir durch die Projektkosten für die neuen Stahlwerke sowie durch mögliche weitere Impairment-Abschreibungen. Die Höhe der Sondereffekte lässt sich derzeit noch nicht zuverlässig abschätzen.
Weltwirtschaft: Konjunkturelle Talfahrt beschleunigt
Die Weltwirtschaft befindet sich in der schwersten Rezession seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Die vom US-Immobilienmarkt ausgehende Wirtschafts- und Finanzkrise hat sich in den Wintermonaten dramatisch verschärft und die konjunkturelle Talfahrt deutlich beschleunigt. In den großen Industrieländern ging die Wirtschaftsleistung zurück, und auch die Schwellen- und Entwicklungsländer büßten erheblich an Wachstumsdynamik ein. Die globale Nachfrageschwäche ließ die Rohstoffpreise zurückgehen. Die entsprechende reale Kaufkraftsteigerung in den Verbraucherländern konnte allerdings den konjunkturellen Abschwung nicht bremsen.
In den USA hat sich der gesamtwirtschaftliche Abschwung im vergangenen Jahr zunehmend verschärft. Die Eintrübung am Arbeitsmarkt, negative Vermögenseffekte sowie vermehrte Kreditbeschränkungen haben zuletzt zu einem rückläufigen privaten Konsum geführt. Noch deutlich stärker war der Rückgang bei den Anlageinvestitionen und im Wohnungsbau. Auch die japanische Wirtschaft ist in den Wintermonaten massiv geschrumpft. Ausschlaggebend waren drastisch verminderte Exporte in die USA, nach Europa und in die asiatischen Nachbarländer.
Europa befindet sich ebenfalls tief in der Rezession. Der Euroraum verzeichnete in den letzten Monaten einen starken Rückgang des Bruttoinlandsprodukts. Die Industrieproduktion musste erheblich zurückgefahren werden. Auf der Nachfrageseite zeigte sich der konjunkturelle Einbruch vor allem bei den Ausrüstungsinvestitionen und den Exporten. Auch die deutsche Wirtschaft ist im Herbst 2008 in eine schwere Rezession abgeglitten. Vor allem das Verarbeitende Gewerbe musste auf Grund der verschlechterten Auftragslage die Erzeugung erheblich drosseln; die Exporte und die Investitionen gaben beträchtlich nach.
Die Schwellen- und Entwicklungsländer konnten sich dem Sog der weltweiten Rezession nicht entziehen. Eine Reihe von asiatischen Ländern verzeichnete massive Exportrückgänge. Die chinesische Wirtschaft hat deutlich an Schwung verloren, und die Länder Lateinamerikas sind vor allem vom Fall der Rohstoffpreise bei sinkenden Lieferungen betroffen. Auch in Russland machte sich die Entwicklung auf den Rohstoff- und Energiemärkten negativ bemerkbar. In den übrigen Ländern Mittel- und Osteuropas hat sich die konjunkturelle Lage in den letzten Monaten ebenfalls dramatisch zugespitzt.
Alle für ThyssenKrupp wichtigen Branchen sind von der globalen Rezession betroffen. Im Einzelnen ergaben sich folgende Entwicklungen:
- Die Stahlnachfrage ist kräftig gesunken. Nachdem Stahlproduzenten weltweit schon im Schlussquartal des vergangenen Kalenderjahres die Produktion erheblich zurückgefahren hatten, war auch im 1. Quartal dieses Jahres die Stahlerzeugung massiv rückläufig. Weltweit wurde in den ersten drei Monaten dieses Jahres 23 % weniger produziert. Ohne Berücksichtigung von China, das seine Stahlerzeugung gegen den allgemeinen Trend erneut ausweitete, ergab sich sogar ein Rückgang von 37 %. Die Europäische Union verzeichnete ein Minus von 44 %, die Produktion in der Nafta-Region nahm um 52 % ab. Die Kapazitätsauslastung der gesamten Industrie ist dramatisch gesunken – mit der Folge vorübergehender Stilllegungen und Schließungen. Im amerikanischen Markt liegt die Kapazitätsauslastung seit Herbst vergangenen Jahres bei weniger als 50 %, in Deutschland im Durchschnitt bei 60 %. Die deutsche Rohstahlerzeugung erreichte im 1. Quartal 2009 nur 7,3 Mio t, das waren 39 % weniger als in der vergleichbaren Vorjahresperiode. Trotz dieser massiven fortgesetzten Produktionseinschränkungen ist der weltweite Verfall der Stahlspotpreise nicht gestoppt, sondern allenfalls abgemildert worden. Im 1. Quartal des Kalenderjahres gaben die Preise nochmals nach.
Auf dem europäischen Qualitätsflachstahlmarkt hat sich der seit September vergangenen Jahres anhaltende Einbruch der Bestellungen fortgesetzt. Die äußerst schwache Konjunktur in wesentlichen Abnehmerindustrien, die dort zu massiven Produktionseinbrüchen führt, sowie noch bestehende erhebliche Lagerüberhänge bei Endverbrauchern und beim Handel haben teilweise die Nachfrage völlig zum Erliegen gebracht. Die Bestände haben zwar im Verlauf der letzten Monate abgenommen, doch sind die Lagerreichweiten infolge des deutlich verminderten Lagerabsatzes noch sehr hoch. In den ersten drei Monaten dieses Jahres lagen die Ordereingänge der europäischen Flachstahlproduzenten um 59 % unter Vorjahreshöhe. In Deutschland sind im 1. Quartal 2009 die Auftragseingänge für Walzstahl um 57 % eingebrochen. Es wird nur der nötigste Bedarf gedeckt, auch weil davon ausgegangen wird, dass noch keine Bodenbildung bei den Preisen erreicht ist. Die Drittlandsimporte der EU insgesamt waren in den ersten beiden Monaten 2009 zwar niedriger als vor einem Jahr, ihr Anteil an der Marktversorgung dürfte aber gleichwohl gestiegen sein. - Bei den rost-, säure- und hitzebeständigen (RSH) Edelstahlflachprodukten ist die Marktnachfrage weltweit und in Europa nochmals deutlich zurückgegangen. Nachdem wieder gestiegene Importe aus Asien bereits zu rückläufigen Lieferungen der europäischen Rostfrei- Erzeuger führten, ließen die globale Rezession und einbrechende Rohstoffpreise für Legierungsmetalle die Kundennachfrage weiter abkühlen. Dies führte bis in das Jahr 2009 hinein zu einem weiteren Bestandsaufbau bei Service-Centern und dem lagerhaltenden Handel in Deutschland.
Danach ist durch geringere Nachdispositionen ein leichter Lagerbestandsabbau zu verzeichnen.
In Nordamerika nehmen die Lagerbestände seit einigen Monaten ebenfalls bei Endverbrauchern, Handel und Service-Centern deutlich ab. Trotzdem blieb auch hier die Ordertätigkeit unterdurchschnittlich.
In Asien befinden sich die Lagerbestände noch auf einem hohen Stand, zeigen jedoch in jüngster Zeit ebenfalls abnehmende Tendenz.
Der starke Preisverfall bei den Rohstoffen für die Rostfrei-Produktion, insbesondere bei Nickel, Molybdän, Chrom und Stahlschrott, schlug sich in geringeren Legierungszuschlägen nieder. Infolge der Nachfrageschwäche gaben die Basispreise in Europa und Nordamerika ebenfalls nach. Auch in Asien spiegelte sich die schwierige wirtschaftliche Lage in einem Einbruch der Preise wider.
Im Bereich der Nickellegierungen führte die konjunkturelle Lage zu einer Verschiebung von Projekten über alle Abnehmersegmente hinweg, woraus eine zunehmend restriktive Auftragsvergabe resultierte. Bei Titan sind insbesondere wegen technisch bedingter Verzögerungen in der Produktion der neuen Flugzeuggenerationen von Airbus und Boeing die Auftragseingänge im gesamten Markt stark zurückgegangen. Hohe Lagerbestände haben die Nachfrageschwäche zusätzlich verstärkt. - Die weltweite Rezession hat auf dem internationalen Automobilmarkt tiefe Spuren hinterlassen. Die etablierten Märkte in Nordamerika, Japan und Europa erlebten einen dramatischen Absatzeinbruch, und die wachstumsstarken Schwellenländer verloren erheblich an Dynamik. In den USA sind im 4. Quartal 2008 die Verkaufszahlen für neue Personenwagen und leichte Nutzfahrzeuge um rund 35 % gesunken; dieser Rückgang hat sich im 1. Quartal 2009 mit 38 % fortgesetzt. Auch in der Europäischen Union war die Nachfrage in den letzten Monaten rückläufig: Im Schlussquartal 2008 fielen die PKW-Neuzulassungen um 19 %, im 1. Quartal 2009 um 17 %. In Deutschland hat das Inkrafttreten der Umweltprämie ("Abwrackprämie") den Nachfrageeinbruch bei den neu zugelassenen Personenkraftwagen gebremst. Nach einem Minus von 11 % im 4. Quartal 2008 zogen die Neuwagenverkäufe im 1. Quartal 2009 um 18 % an. Da aber gleichzeitig die deutschen Exporte einbrachen, war in den ersten drei Monaten 2009 dennoch ein Produktionsrückgang von 33 % zu verzeichnen. Nochmals dramatischer war die Lage bei Nutzfahrzeugen; die Produktion im 1. Quartal 2009 stürzte in Deutschland um 55 % ab, und mittlerweile existieren kaum noch nennenswerte Auftragsbestände.
- Im Maschinenbau hat das Produktionswachstum im Verlauf des Jahres 2008 in vielen Ländern abgenommen. Wegen der globalen Rezession haben zahlreiche Unternehmen ihre Investitionsbudgets eingeschränkt. Dies ließ insbesondere den Auftragseingang der Maschinenbauer zurückgehen. Nach Jahren hoher Zuwächse sind in Deutschland im 4. Quartal 2008 die Neuaufträge im Vergleich zum Vorjahresquartal um 29 % eingebrochen. Zu diesem stärksten Rückgang seit 50 Jahren trugen das Inlands- und das Exportgeschäft gleichermaßen bei. Im 1. Quartal 2009 hat sich der Rückgang bei den Auftragseingängen nochmals auf 42 % beschleunigt. Auch im deutschen Großanlagenbau sind im 4. Quartal 2008 die Bestellungen deutlich zurückgegangen.
- Die globale Wirtschaftskrise ist auch an der Bauwirtschaft nicht spurlos vorbeigegangen. In den Ländern Asiens sowie Mittel- und Osteuropas hat sich die Baukonjunktur merklich abgekühlt. Auf Grund der Immobilienkrise ging die Bauproduktion in den USA deutlich zurück. Die deutsche Bauwirtschaft war 2008 noch relativ gut beschäftigt, allerdings gaben die Auftragseingänge im Jahresverlauf nach. Auch zu Beginn des Jahres 2009 gingen die Neubauaufträge spürbar zurück.
Auftragseingang und Umsatz stark rückläufig
| 1. Halbjahr 2007/2008 |
1. Halbjahr 2008/2009 |
2. Quartal 2007/2008 |
2. Quartal 2008/2009 |
|||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Auftragseingang | Mio € | 27.354 | 20.529 | 14.084 | 7.642 | |||||
| Umsatz | Mio € | 25.469 | 21.381 | 13.199 | 9.859 | |||||
| EBITDA | Mio € | 2.280 | 906 | 1.197 | 142 | |||||
| Ergebnis vor Steuern (EBT) | Mio € | 1.388 | – 215 | 742 | – 455 | |||||
| Mitarbeiter (31.03.) | 195.828 | 192.521 | 195.828 | 192.521 |
Die weltweite Rezession hat im Geschäft von ThyssenKrupp tiefe Spuren hinterlassen. Der Umsatz und vor allem der Auftragseingang haben sich im 1. Halbjahr 2008 / 2009 schwächer entwickelt. Insbesondere das 2. Geschäftsjahresquartal wies hohe Rückgänge auf.
Nach einem Minus von 3 % im 1. Quartal 2008 / 2009 verminderte sich der Auftragseingang im 2. Quartal um weitere 46 %. Insgesamt akquirierte ThyssenKrupp im 1. Halbjahr 2008 / 2009 neue Aufträge mit einem Wert von 20,5 Mrd €, dies sind 25 % weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Mit Ausnahme von Technologies verzeichneten alle Segmente geringere Neubestellungen. Bei Steel, Stainless und Services führten vor allem die schwächere Mengennachfrage im Werkstoffbereich sowie nachgebende Preise zu einem deutlichen Rückgang des Auftragseingangs. Elevator konnte nicht ganz an das Auftragsvolumen des Vorjahres anknüpfen; positiv entwickelten sich besonders das Aufzugsgeschäft in Südeuropa und im Mittleren Osten sowie das globale Geschäft mit Fahrtreppen und Fluggastbrücken. Technologies erzielte vor allem mit der Akquisition von Großaufträgen im Marineschiffbau ein höheres Bestellvolumen.
Der Konzernumsatz fiel im 1. Quartal um 6 % und im 2. Quartal 2008 / 2009 um 25 %. Für das 1. Halbjahr 2008 / 2009 ergibt sich ein Umsatzrückgang um 16 % auf 21,4 Mrd €. Vor allem Stainless, aber auch Steel und Services verzeichneten ein deutlich geringeres Geschäftsvolumen. Bei Stainless waren stark gesunkene Versandmengen sowie niedrigere Edelstahlpreise die Hauptursachen. Auch bei Steel fiel der mengenmäßige Absatz, der hohe Anteil von Langfristverträgen hat sich aber stabilisierend ausgewirkt. Bei Services wirkten sich Preis- und Nachfragerückgänge bei Roh- und Werkstoffen negativ aus. Technologies profitierte von gestiegenen Umsätzen im Anlagenbau, blieb insgesamt aber leicht unter Vorjahresniveau. Elevator hat seine positive Entwicklung fortgesetzt und konnte das Geschäft deutlich ausbauen.

Ergebnis rückläufig
Das Ergebnis von ThyssenKrupp hat sich erheblich verschlechtert. Nach einem Gewinn von 240 Mio € im 1. Quartal musste im 2. Quartal ein Verlust von 455 Mio € verkraftet werden. Im 1. Halbjahr 2008 / 2009 hat sich damit das Ergebnis vor Steuern (EBT) im Vergleich zum Vorjahr um 1.603 Mio € auf -215 Mio € vermindert. Darin sind u.a. Vorlaufkosten für die neuen Werke in Brasilien und den USA in Höhe von 109 Mio €, Zuführungen zu den Restrukturierungsrückstellungen von 39 Mio € sowie Wertberichtigungen auf das Sachanlagevermögen bei Stainless und Technologies in Höhe von 76 Mio € enthalten. Daneben kam es zu Wertberichtigungen auf das Vorratsvermögen in Höhe von 239 Mio €, die im Wesentlichen auf die Segmente Stainless und Services entfielen.

Ursache für den hohen Verlust im Segment Stainless waren ein außergewöhnlicher Nachfrageeinbruch und fallende Edelstahlpreise; der Verfall der Rohstoffpreise machte zudem erhebliche Vorratsabwertungen erforderlich. Wertberichtigungen und massive Ergebniseinbußen im Roh- und Werkstoffgeschäft führten auch bei Services zu einem negativen Ergebnis. Bei Steel fiel der Gewinn wegen rückläufiger Versandmengen und der Vorlaufkosten für die neuen Werke in Brasilien und den USA geringer aus. Auf Grund beträchtlicher Belastungen bei den Werften und rückläufiger Geschäfte im Automobil- und Baumaschinenbereich musste auch Technologies einen Gewinnrückgang hinnehmen. Einen guten Ergebnisbeitrag erzielte Elevator; in allen Business Units konnten die Erträge gesteigert werden.
Die Umsatzerlöse lagen im Berichtszeitraum um 4.088 Mio € oder 16 % unter dem Wert für den entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Umsatzkosten verringerten sich um 2.411 Mio € oder 11 % und damit unterproportional im Vergleich zur Umsatzentwicklung. Wesentliche Ursache hierfür waren die im Vorjahresvergleich deutlich erhöhten Vorratsabwertungen, die den insgesamt umsatzbedingten Rückgang der übrigen Umsatzkosten teilweise kompensierten. In Summe verminderte sich das Bruttoergebnis vom Umsatz um 1.677 Mio €, verbunden mit einer Verringerung der Brutto-Umsatzmarge von 17 % auf 13 %.
Die Abnahme der Vertriebskosten um 57 Mio € resultierte hauptsächlich aus gesunkenen Aufwendungen für Verkaufsfrachten und Verkaufsversicherungen in den Segmenten Steel, Stainless und Services auf Grund der rückläufigen Geschäftsentwicklung. Der Anstieg der sonstigen betrieblichen Erträge um 87 Mio € stand im Zusammenhang mit der Annullierung qualifizierter Währungssicherungen für geplante Rohstoffeinkäufe, da das Volumen der Rohstoffeinkäufe infolge der wirtschaftlichen Rezession zurückgegangen ist. Insgesamt um 36 Mio € erhöhte Zuführungen zu Rückstellungen für Restrukturierungsmaßnahmen im Personalbereich, insbesondere in den Segmenten Steel und Technologies, sowie um 17 Mio € niedrigere Verluste aus dem Abgang von langfristigen Vermögenswerten trugen wesentlich zum Anstieg der sonstigen betrieblichen Aufwendungen um 11 Mio € bei. Der Rückgang des Ergebnisses aus nach der Equity-Methode bilanzierten Beteiligungen um 48 Mio € resultierte aus der im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum insgesamt rückläufigen Ergebnisentwicklung bei den betreffenden Beteiligungen. Die eingetretene Verschlechterung des Zinsergebnisses um 137 Mio € stand im Zusammenhang mit der im Vergleich zum Vorjahr erhöhten Netto-Finanzverschuldung. Für die Verbesserung des sonstigen Finanzergebnisses um 166 Mio € waren hauptsächlich um 78 Mio € verbesserte Kursergebnisse aus Finanztransaktionen sowie die im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 70 Mio € erhöhte Aktivierung von Bauzeitzinsen, die im Wesentlichen den Baufortschritt des Stahlwerks in Brasilien betraf, verantwortlich.
Nach Berücksichtigung der Steuern vom Einkommen und vom Ertrag ergab sich ein Periodenfehlbetrag von 199 Mio €; im entsprechenden Vorjahreszeitraum wurde ein Periodenüberschuss von 937 Mio € erzielt. Unter Einbezug der auf Anteile anderer Gesellschafter entfallenden Verluste in Höhe von 38 Mio € verschlechterte sich das Ergebnis je Aktie für den Berichtszeitraum auf -0,35 €.
Netto-Finanzschulden und Investitionen
Die Netto-Finanzschulden lagen am 31. März 2009 bei 3.687 Mio €. Der Anstieg um 2.103 Mio € gegenüber dem 30. September 2008 steht maßgeblich unter dem Einfluss der globalen Rezession und der damit einhergehenden Belastungen des operativen Geschäfts, der Investitionen für unsere Großprojekte sowie der Dividendenzahlung.

Im 1. Halbjahr 2008 / 2009 investierte ThyssenKrupp insgesamt 2.196 Mio €, 12 % mehr als in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Davon wurden 1.994 Mio € für Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte ausgegeben; auf den Erwerb von Unternehmen und Beteiligungen sowie auf andere finanzielle Vermögenswerte entfielen 202 Mio €.
Bau neuer Werke in Brasilien und den USA
Das Segment Steel arbeitet weiter an der Umsetzung seiner transatlantischen Wachstumsstrategie mit den drei Säulen Brasilien, Nafta und Europa. Die fundamentalen Gründe für diese strategischen Investitionen haben sich auch angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftskrise nicht geändert. Von zentraler Bedeutung ist das im Bau befindliche Stahlwerk am Standort Santa Cruz im Bundesstaat Rio de Janeiro/Brasilien mit einer Jahreskapazität von 5 Mio t Rohstahl, das sehr kostengünstig produzieren und zugleich höchste Qualitätsstandards erfüllen wird.
Im November 2008 hat der Aufsichtsrat der Erhöhung des Investitionsbudgets auf rund 4,5 Mrd € zugestimmt. Die Wertschaffung des Projekts in Kombination mit dem Bauvorhaben in Alabama und dem Ausbauprogramm in Europa ist auch nach der Budgeterhöhung weiterhin gegeben. Per 31. März 2009 betrug der Wert der abgeschlossenen Verträge 4 Mrd €.
Zurzeit sind auf der Baustelle 22.000 Arbeiter mit der Errichtung der Anlagenkomplexe beschäftigt. In allen Teilbereichen laufen Stahlbau sowie mechanische und elektrische Montagen parallel. Auf Grund der aktuellen Situation am Stahlmarkt wird derzeit geprüft, die Inbetriebnahme des Werkes zu verschieben. Neben der Anpassung an die derzeitige weltwirtschaftliche Lage können durch diese zeitliche Streckung der Bauphase die Aufwendungen für Beschleunigungsmaßnahmen reduziert werden.
Die Rekrutierung des Personals für die künftige Produktionsphase ist weit fortgeschritten; Ende März 2009 arbeiteten 1.355 Mitarbeiter für ThyssenKrupp CSA in Brasilien.
Im europäischen Stamm-Markt will Steel seine Position stärken, indem die Verarbeitungs- und Veredelungsanlagen in Deutschland erweitert und modernisiert werden. Rund 40 % der künftig in Brasilien erzeugten Brammen sollen später nach Deutschland verschifft werden, um hier zu hochwertigen Fertigprodukten für anspruchsvolle Kunden verarbeitet zu werden. Die Investitionen für den Brammenumschlag im Hafen Walsum und zur Leistungssteigerung an vier Feuerbeschichtungsanlagen sind abgeschlossen. An den Warmbandstraßen Bochum und Beeckerwerth wurde eine Reihe von Umbaumaßnahmen realisiert. Weitere Investitionen im Warmbandbereich sind terminiert.
Im Herbst 2007 begann der Bau des neuen gemeinsamen Stahl- und Weiterverarbeitungswerks der Segmente Steel und Stainless nahe Mobile in Alabama/USA. Er wird für die Produktionslinien des Segments Steel planmäßig fortgeführt, während die Baumaßnahmen für Stainless zeitlich gestreckt werden. Steel wird im Werk Mobile über Warm- und Kaltwalz- sowie Veredelungsanlagen verfügen und Brammen aus der brasilianischen Produktion zu hochqualitativen Flachprodukten weiterverarbeiten. Die Warmwalzkapazität beträgt insgesamt über 5 Mio t jährlich. Die Realisierung des Projekts verläuft weitgehend planmäßig. Auch im Projekt Alabama wird auf Grund der derzeitigen weltwirtschaftlichen Lage eine Verschiebung der Inbetriebnahme, die bisher im Frühjahr 2010 vorgesehen ist, geprüft.
Der Aufsichtsrat hat im November 2008 einer Erhöhung der Investitionsbudgets für Steel auf 3,25 Mrd US-Dollar zugestimmt. Nach wie vor ist die Wertschaffung des Projekts gewährleistet. Der Wert der abgeschlossenen Verträge per 31. März 2009 betrug insgesamt mehr als 2,8 Mrd US-Dollar.
Aktuell sind auf der Baustelle rund 3.000 Arbeiter beschäftigt. Bei Warmbandstraße, Kaltwalzwerk und Feuerbeschichtungsanlagen schreiten die Betonarbeiten für Hallen und Maschinenfundamente weiter voran. Der Stahlbau der Versandhallen für Kaltband und feuerverzinkte Produkte ist abgeschlossen bzw. weit fortgeschritten; mit der Dacheindeckung wurde begonnen.
Vertriebs- und Marketing-Experten von Steel setzen ihre Arbeiten am Absatzkonzept für den nordamerikanischen Markt systematisch fort. Dabei wird auch die allgemeine wirtschaftliche Situation fortlaufend analysiert; mögliche Auswirkungen werden risikoorientiert bewertet. Zu potenziellen Schlüsselkunden haben wir zahlreiche Kontakte mit positiver Resonanz aufgebaut; diese werden unter Einbeziehung technischer Experten fortgesetzt. Zielgruppen sind die Automobil- und die Elektroindustrie, Stahl-Service-Center, Hersteller von Haushaltsgeräten sowie die Rohrindustrie, speziell für den Energiesektor.
Unsere Kunden in den USA für hoch anspruchsvolle Rostfrei-Flachprodukte werden derzeit überwiegend aus unserem Kaltwalzwerk in Mexiko beliefert. Die beschränkten Kapazitäten, hohe Logistikkosten und Dumping-Zölle auf US-Importe aus Mexiko für einen Großteil dieser Produkte führten 2007 zu der Entscheidung, in Verbindung mit dem Carbon-Steel-Werk in Mobile, Alabama, auch ein modernes, integriertes Rostfrei-Werk zu errichten. Im November 2008 hatte der Aufsichtsrat auch für das Rostfrei-Werk einer Erhöhung des Investitionsbudgets auf 1,4 Mrd US-Dollar zugestimmt.
Bislang lagen die Arbeiten zur Errichtung des Werkes vor dem Zeitplan. Stainless wird seine Investitionen jetzt jedoch vor dem Hintergrund der derzeitigen Nachfrageschwäche auf dem nordamerikanischen Edelstahl-Markt zeitlich strecken. Der Produktionsstart des Kaltwalzwerks verschiebt sich um etwa ein Jahr. Insbesondere die Inbetriebnahme der drei Walzgerüste und damit der Hochlauf des Kaltwalzwerks auf seine volle Kapazität werden gestreckt. Die Kaltbandproduktion soll nun im 4. Quartal 2010 beginnen. Dadurch wird es auch erforderlich, den Start des Hochlaufs für das Stahlwerk auf Anfang 2012 zu verschieben. In der Zwischenzeit kommt das Vormaterial für das Kaltwalzwerk in Mexiko sowie das anlaufende Kaltwalzwerk in Alabama weiterhin aus Europa. Der Umfang des Gesamtprojekts wird beibehalten. Dabei wird davon ausgegangen, dass die Rostfrei-Nachfrage auf dem nordamerikanischen Markt im Verlauf des Jahres 2010 wieder auf einen Wachstumskurs zurückkehrt.
Auf Grund der geplanten Verschiebung der Inbetriebnahme des Stahlwerks führt das Projektteam von ThyssenKrupp Stainless USA derzeit Neuverhandlungen mit den Lieferanten über eine spätere Lieferung der Anlagen und überarbeitet die Planung. Der Bau der Hallen für das Kaltwalzwerk wird fortgeführt und abgeschlossen. Nach ihrer Fertigstellung werden diese Gebäude genutzt, um bereits angelieferte Anlagenteile und Geräte einzulagern. Die eigentliche Montage der Anlagen beginnt später und wird zeitlich gestreckt.
Im Bereich der gemeinsamen Infrastruktur wird das im Bau befindliche Trainingszentrum planmäßig im September dieses Jahres fertiggestellt werden. Auch die Errichtung des Seehafenterminals in Mobile durch die Alabama State Port Authority macht gute Fortschritte.




