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Überblick über den Geschäftsverlauf im Konzern

Die globale Rezession hat im 1. Quartal 2008 / 2009 bei ThyssenKrupp deutliche Spuren hinterlassen. Der drastische und in diesem Maße unvorhersehbare Nachfrageeinbruch bei Stahl und Edelstahl und im internationalen Werkstoffhandel hat unser Geschäft erheblich belastet. Weitgehend robust zeigten sich dagegen unsere Aktivitäten bei Industriegütern und Dienstleistungen. Insgesamt lag der Umsatz von ThyssenKrupp im 1. Quartal 2008 / 2009 um 6 % unter dem Vorjahreswert. Deutlich stärker war der Gewinnrückgang. Das Konzernergebnis vor Steuern verminderte sich von 646 Mio € auf 240 Mio €. Wesentliche Ursache hierfür waren Wertberichtigungen auf das Vorratsvermögen. Wie in den Vorperioden war das Ergebnis wiederum durch erhebliche Vorlaufkosten für die neuen Werke in Brasilien und den USA belastet.

Die wesentlichen Kennzahlen für das 1. Quartal 2008 / 2009:

  • Der Auftragseingang lag bei 12,9 Mrd €, 3 % weniger als im Vorjahresquartal.
  • Der Umsatz ging um 6 % auf 11,5 Mrd € zurück.
  • Das EBITDA betrug 764 Mio € nach 1.083 Mio € im Vorjahr.
  • Das Ergebnis vor Steuern gab von 646 Mio € im Vorjahr auf 240 Mio € nach.
  • Das Ergebnis je Aktie verminderte sich von 0,85 € auf 0,36 €.
  • Die Netto-Finanzschulden beliefen sich zum 31. Dezember 2008 auf 3.514 Mio €, eine Zunahme um 1.930 Mio € gegenüber dem 30. September 2008, als Netto-Finanzschulden in Höhe von 1.584 Mio € bestanden. Am 31. Dezember 2007 betrugen die Netto-Finanzschulden 859 Mio €.

Wir erwarten für das Geschäftsjahr 2008 / 2009 einen deutlichen Umsatzrückgang. Dies wird sich im Ergebnis entsprechend niederschlagen. Preis- und Mengenrisiken werden durch rückläufige Einsatzstoffpreise sowie durch ein umfangreiches zusätzliches Maßnahmenpaket zur Effizienzsteigerung nur teilweise kompensiert. Darüber hinaus werden Maßnahmen zur Anpassung des Umlaufvermögens die Kapitalbindung signifikant reduzieren.

Für das 2. Quartal gehen wir von einem im Vergleich zum 1. Quartal schwierigeren Geschäftsverlauf aus. Die Erwartungen für die einzelnen Segmente im 2. Quartal sind wie folgt:

  • Steel – weitere Produktionskürzungen und Unterauslastung der Kernaggregate bei einer Stabilisierung der Versandmengen, weitgehend unveränderte Kosten für Rohstoffe und rückläufige Erlöse im kurzfristigeren Geschäft.
  • Stainless – fortgesetzte Produktionskürzungen und Unterauslastung bei weiterhin schwachen Absatzmärkten; weitere Wertberichtigungen auf Vorräte können nicht ausgeschlossen werden.
  • Technologies – hohe Planungssicherheit bei der Erlös- und Ergebnisentwicklung im Projektgeschäft auf Grund des hohen Auftragsbestands, der eine gute Ergebnisqualität ausweist. Lediglich das Automobilzuliefergeschäft wird durch Produktionskürzungen der OEMs beeinträchtigt.
  • Elevator – nachhaltige Wirkung der Performanceprogramme mit über Vorjahr liegender Ergebnisentwicklung.
  • Services – überwiegend schwaches Nachfrageniveau und weiter rückläufige Preise im Werkstoffgeschäft bei Materials Services und Special Products; gleiches gilt für metallurgische Rohstoffe und Koks; Industrial Services überwiegend stabil, Bau- und Gleistechnikaktivitäten profitieren von Infrastrukturinvestitionen auf hohem Niveau.

Für das 2. Halbjahr des Geschäftsjahres erwarten wir mit Abschluss der Lagerkorrektur im Handel und bei unseren Endkunden sowie nach Verarbeitung der Wertberichtigungen auf Vorräte eine Geschäfts- und Ergebnisentwicklung auf dem Niveau einer normalen Rezession. Die Ergebnisbeiträge aus dem Werkstoffgeschäft in den Segmenten Stainless und Services werden sich im Zuge dieser Entwicklung voraussichtlich verbessern. Bei Steel sind nach wie vor Erlösdruck und unauskömmliche Mengen, niedrigere Rohstoffkosten und positive Effekte aus laufenden Maßnahmen zur Kostensenkung zu erwarten. Das gute Ergebnisniveau von Technologies soll trotz eines anhaltend schwierigen Marktumfeldes gehalten werden. Für das Segment Elevator gehen wir von einer weiterhin guten Ergebnisentwicklung aus.

Für 2009 / 2010 gehen wir davon aus, dass sich das Geschäft von ThyssenKrupp wieder stabilisieren wird. Auf längere Sicht, insbesondere nach Inbetriebnahme der Großinvestitionen von Steel und Stainless in Nord- und Südamerika sowie der anderen Segmente in weiteren Regionen, rechnen wir mit einem Ergebnis vor Steuern – und vor wesentlichen Sondereffekten – von 4,0 bis 5,0 Mrd € und einem Umsatz von rund 65 Mrd €.

Weltwirtschaft in der Rezession

In den letzten Monaten des vergangenen Jahres hat sich die wirtschaftliche Lage in nahezu allen Ländern dramatisch verschlechtert. Die Weltwirtschaft befand sich im 4. Quartal 2008 in einem in diesem Ausmaß unerwartet scharfen Abschwung, der sowohl die Industrieländer als auch die zuvor stark wachsenden Emerging Markets erfasste. Nach einem Plus von 5 % im Jahr 2007 dürfte das Welt-Bruttoinlandsprodukt 2008 um lediglich knapp 3,5 % gewachsen sein. Dabei hat die Finanzkrise den ohnehin einsetzenden und zu erwartenden globalen Abwärtstrend deutlich verstärkt.

Die USA befinden sich bereits seit Jahresbeginn 2008 in der Rezession. Die Investitionsbereitschaft hat sich als Folge der eingetrübten Absatzaussichten, aber auch auf Grund zunehmender Finanzierungsschwierigkeiten merklich verringert. Dies hat sich inzwischen deutlich auf den Arbeitsmarkt ausgewirkt. Der starke Anstieg der Arbeitslosigkeit – die Arbeitslosenquote ist zuletzt auf über 7 % gewachsen – sowie die fallenden Immobilienpreise und Aktienkurse belasten mittlerweile den privaten Konsum, der zuletzt so stark schrumpfte wie seit Anfang der 1980er Jahre nicht mehr.

Die Emerging Markets in Asien, Lateinamerika sowie in Mittel- und Osteuropa verspüren die Folgen der Finanzkrise. Die bislang hohen Wachstumsraten haben zuletzt merklich nachgegeben. In Russland haben die gesunkenen Energie- und Rohstoffpreise die Exporterlöse verringert. Zudem kam es infolge der Finanzkrise zu einer Kreditverknappung. In China hat sich die Exportdynamik auf Grund der Rezession in den USA, Japan und Europa vermindert, so dass 2008 das gesamtwirtschaftliche Wachstum nur noch einstellig ausfiel.

Auch der Euroraum einschließlich Deutschland befindet sich mittlerweile in einer Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland dürfte im 4. Quartal 2008 zum dritten Mal in Folge gesunken sein. Dabei war sowohl die Export- als auch die Investitionsentwicklung deutlich negativ, während der private Konsum bestenfalls noch einen geringen Wachstumsbeitrag geliefert hat.

Alle für ThyssenKrupp wichtigen Branchen sind in den Sog der Rezession geraten. Im Einzelnen ergaben sich folgende Entwicklungen:

  • Die Stahlnachfrage ist im Schlussquartal 2008 signifikant gesunken. In vielen Ländern haben die Stahlproduzenten daher zum Teil beachtliche Produktionskürzungen vorgenommen; erstmalig wurden auch in China bei sinkendem Stahlverbrauch entsprechende Maßnahmen ergriffen. Die Rohstahlproduktion war im 4. Quartal 2008 weltweit 20 % niedriger als ein Jahr zuvor. Zum Jahresende hin kam es zu regelrechten Einbrüchen, die Kapazitätsauslastung der Stahlindustrie vieler Länder sank auf äußerst niedrige Niveaus. Diese massiven Mengenrückgänge waren von einem rasanten Preisverfall begleitet. Die Stahlpreise hatten noch im 3. Quartal 2008 nach zuvor außerordentlich starken Aufwärtsbewegungen in allen Märkten Rekordstände erreicht. Nun gaben sie auf Grund des raschen Nachfrageeinbruchs sowie sinkender Rohstoff- und Frachtkosten auf den Spotmärkten erheblich nach und lagen Ende des Jahres auf dem Stand von vor zwei Jahren.
    Im europäischen Qualitätsflachstahlmarkt verlief die Entwicklung ähnlich. Nach einer noch sehr starken Nachfrageexpansion bis in den Sommer sind seit September 2008 die Auftragseingänge der europäischen Flachstahlhersteller eingebrochen; dies betraf den EU-Markt und, in noch stärkerem Maße, die Drittlandsnachfrage. Die schwache Konjunktur in wesentlichen Abnehmerindustrien und noch bestehende Lagerüberhänge haben teilweise die Nachfrage nahezu zum Erliegen gebracht. Eine ausreichende Anpassung der Lagerbestände an die niedrigen Verbrauchsniveaus steht noch aus.
  • Bei den rost-, säure und hitzebeständigen (RSH) Edelstahlflachprodukten lag die Marktnachfrage in Europa im Berichtszeitraum auf sehr niedrigem Niveau. Ursache hierfür waren vor allem die rezessionsbedingten Anstrengungen zum Bestandsabbau sowohl bei den Endverbrauchern als auch bei den Service-Centern und beim lagerhaltenden Handel. Die Auswirkungen der zuvor Mitte 2008 wieder erneut stark angestiegenen Importe aus Asien führten neben der extrem schwachen Binnennachfrage zu deutlich rückläufigen Lieferungen der europäischen Rostfrei-Erzeuger, was eine zunehmende Unterauslastung ihrer Kapazitäten hervorrief. Die bei der Edelstahlherstellung eingesetzten Legierungsmetalle verzeichneten einen starken Preisverfall. Dies betraf insbesondere Nickel, Molybdän, Chrom, aber auch Eisenschrott. Daraus resultierten weiter fallende Legierungszuschläge, was zusätzlichen Druck auf den lagerhaltenden Handel ausübte, die Bestände noch mehr zurückzunehmen und die Nachdispositionen auf ein Mindestvolumen zu reduzieren. Auch in den anderen großen Rostfrei-Märkten Nordamerika und Asien führte der Nachfrageeinbruch zu einem weiteren Abbau der Vorräte bei Endverbrauchern sowie bei Handel und Service-Centern.
    Schwierig war die Situation auch in den USA, insbesondere bei den großen Abnehmern für Edelstahl Rostfrei. Speziell in der Automobilindustrie, der Baubranche oder der Hausgeräteindustrie ist die Nachfrage nach Rostfrei-Flachprodukten eingebrochen. Dies führte zu stark rückläufigen Auftragseingängen und Lieferungen mit der Folge eines deutlichen Rückgangs der Basispreise.
    In Asien haben fast alle lokalen Produzenten ihre Produktion – teilweise um mehr als 50 % – heruntergefahren. Die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung in Verbindung mit dem Verfall der Rohstoffpreise und die daraus resultierende Unsicherheit über mögliche Verschiebung oder Streckung von Großprojekten führten im Bereich der Nickellegierungen ebenfalls weltweit zu zunehmend zögerlichem Bestellverhalten der Kunden. Bei Titan ließen die Verzögerungen in der Produktion der neuen Flugzeuggenerationen von Airbus und Boeing die Nachfrage im Gesamtmarkt zusätzlich zurückgehen.
  • Die Rezession hat auch die Automobilindustrie erreicht. Erstmals seit vielen Jahren wurden 2008 weltweit weniger Personen- und Nutzfahrzeuge nachgefragt und produziert als im Jahr zuvor. In den USA waren die Verkaufszahlen für Personenwagen und leichte Nutzfahrzeuge in den letzten drei Monaten des Jahres 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 36 % eingebrochen. Auch in der Europäischen Union gingen die PKW-Neuzulassungen zurück. Allein in Deutschland wurden im 4. Quartal 2008 rund 11 % weniger PKWs verkauft als im Vorjahresquartal. Selbst in den Emerging Markets wie Brasilien, Indien und China hat die bislang hohe Wachstumsdynamik in den letzten Monaten des Jahres 2008 spürbar nachgelassen.
  • Der Maschinenbau profitierte 2008 lange von einem zuvor akquirierten hohen Auftragsbestand. Einige Länder, insbesondere Deutschland, konnten ihre Produktion sogar noch steigern. Die globale Wirtschaftskrise und die damit verbundene weltweite Investitionsschwäche haben sich jedoch vor allem gegen Jahresende in einem spürbar nachlassenden Auftragseingang niedergeschlagen. In Deutschland sind die Auftragseingänge sowohl aus dem Ausland als auch aus dem Inland zuletzt um bis zu 30 % zurückgegangen. Noch schwächer entwickelte sich der Maschinenbau in den USA und Japan. Auch in China hat sich die geringere Investitionsneigung negativ bemerkbar gemacht.
  • Die globale Bauwirtschaft wurde 2008 nur noch von den Ländern in Asien und in Mittel- und Osteuropa getragen. In den USA ging die Produktion wegen des schwachen privaten Wohnungsbaus zurück. In der deutschen Bauindustrie haben die Auftragseingänge im Verlauf des vergangenen Jahres nachgegeben. Infolge der soliden Auftragsbestände ist die Produktion aber noch relativ stabil geblieben; insbesondere der Wirtschaftsbau wirkte stützend.

Geschäftsentwicklung konjunkturbedingt rückläufig

THYSSENKRUPP IN ZAHLEN
1. Quartal 2007/2008 1. Quartal 2008/2009
Auftragseingang Mio € 13.270 12.887
Umsatz Mio € 12.270 11.522
EBITDA Mio € 1.083 764
Ergebnis vor Steuern (EBT) Mio € 646 240
Mitarbeiter (31.12.)   193.137 197.175

Die weltweite Rezession hat insbesondere die Nachfrage im Werkstoffbereich drastisch zurückgehen lassen. Dank unseres diversifizierten Produktportfolios haben aber konzernweit der Auftragseingang und der Umsatz nur moderat nachgegeben.

Der Auftragseingang von ThyssenKrupp erreichte im 1. Quartal 2008 / 2009 einen Wert von 12,9 Mrd €, dies sind 3 % weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Starke Einbrüche gab es dabei in den Segmenten Steel und Stainless, was auf die schwächere Mengennachfrage, aber auch geringere Erlöse zurückzuführen war. Auch im Segment Services belastete die rückläufige Werkstoffkonjunktur, vor allem in Nordamerika und Europa. Positiv entwickelten sich dagegen die Auftragseingänge bei Technologies und Elevator, die über dem Vorjahr lagen. Vor allem im Schiff- und Anlagenbau konnten mehrere Großprojekte akquiriert werden.

Der Konzernumsatz fiel im 1. Quartal 2008 / 2009 um 6 % auf 11,5 Mrd €. Spürbar niedrigere Versandmengen führten im Segment Steel zu einem geringeren Umsatz; der hohe Anteil von Langfristverträgen hat sich dabei stabilisierend ausgewirkt. Bei Stainless waren der Nachfrageeinbruch sowie niedrigere Legierungszuschläge und Basispreise die Hauptursachen. Dank der guten Geschäftsentwicklung im Anlagen- und Schiffbau lag der Umsatz von Technologies über dem Vorjahr. Die größten Umsatzzuwächse erzielte Elevator; positiv waren das Neuanlagen- und das Dienstleistungsgeschäft vor allem in Amerika und im asiatischen/pazifischen Raum. Preis- und Nachfragerückgänge bei Roh- und Werkstoffen haben bei Services die Umsatzerlöse gedrückt.

Umsatz in Mrd €

Umsatz


Gewinn im 1. Quartal 2008 / 2009 rückläufig

Das Ergebnis von ThyssenKrupp hat sich im 1. Quartal 2008 / 2009 rückläufig entwickelt. Nach 646 Mio € im 1. Quartal des Vorjahres erzielte der Konzern im Berichtsquartal ein Ergebnis vor Steuern (EBT) von 240 Mio €. Darin sind Wertberichtigungen auf das Vorratsvermögen in Höhe von 250 Mio € sowie Vorlaufkosten für die neuen Werke in Brasilien und den USA in Höhe von 83 Mio € enthalten.

Ergebnis vor Steuern (EBT) in Mio €

Ergebnis vor Steuertn


Mit Ausnahme von Stainless erwirtschafteten alle Segmente einen Gewinn. Bei Stainless hat die ohnehin schon schwache Marktnachfrage weiter nachgegeben und zu einer Unterauslastung der Werke und einem deutlichen Rückgang der Preise geführt. Der Absturz der Preise für Nickel, Chrom und Molybdän führte darüber hinaus zu erheblichen Abwertungen. Steel verzeichnete einen niedrigeren Gewinn; ursächlich waren die rückläufigen Lieferungen, insbesondere an die Automobilindustrie. Vor allem wegen der guten Entwicklung im Anlagenbau konnte Technologies nahezu an das erfreuliche Ergebnis des Vorjahres anknüpfen. Elevator hat das Ergebnis hauptsächlich dank hoher Gewinne im Amerika-Geschäft ausgebaut. Wegen der Einbußen im Werkstoffgeschäft lag der Gewinn von Services unter dem Vorjahreswert.

Die Umsatzerlöse lagen im Berichtszeitraum um 748 Mio € oder 6 % unter dem Wert für das entsprechende Vorjahresquartal. Die Umsatzkosten verringerten sich um 436 Mio € oder 4 % und damit unterproportional im Vergleich zur Umsatzentwicklung; eine wesentliche Ursache hierfür waren im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum um 170 Mio € erhöhte Vorratsabwertungen, die den insgesamt umsatzbedingten Rückgang der übrigen Umsatzkosten teilweise kompensierten. In Summe verminderte sich das Bruttoergebnis vom Umsatz um 312 Mio €, verbunden mit einer Verringerung der Brutto-Umsatzmarge von 17 % auf 16 %.

Der Anstieg der Vertriebs- und allgemeinen Verwaltungskosten um insgesamt 25 Mio € resultierte hauptsächlich aus erhöhten Personalaufwendungen. Erhöhte Zuführungen zu Rückstellungen für Restrukturierungsmaßnahmen im Personalbereich in der Business Unit Auto im Segment Steel in Höhe von 9 Mio € trugen wesentlich zum Anstieg der sonstigen betrieblichen Aufwendungen um 11 Mio € bei. Der Rückgang des Ergebnisses aus nach der Equity-Methode bilanzierten Beteiligungen um 30 Mio € resultierte aus der im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal insgesamt rückläufigen Ergebnisentwicklung bei den betreffenden Beteiligungen. Die eingetretene Verschlechterung des Zinsergebnisses um 65 Mio € stand im Zusammenhang mit der im Vergleich zum Vorjahresquartal erhöhten Netto-Finanzverschuldung. Für die Verbesserung des sonstigen Finanzergebnisses um 53 Mio € war hauptsächlich die im Vergleich zum Vorjahresquartal um 35 Mio € erhöhte Aktivierung von Bauzeitzinsen verantwortlich, die im Wesentlichen den Baufortschritt des Stahlwerks in Brasilien betraf.

Nach Abzug der Steuern vom Einkommen und vom Ertrag ergab sich ein Periodenüberschuss von 163 Mio €, der 272 Mio € unter dem Vorjahreswert lag. Unter Berücksichtigung der auf Anteile anderer Gesellschafter entfallenden Verluste von 5 Mio € belief sich das Ergebnis je Aktie auf 0,36 € nach 0,85 € im Vergleichsquartal des Vorjahres.

Netto-Finanzschulden und Investitionen

Die Netto-Finanzschulden lagen am 31. Dezember 2008 bei 3.514 Mio €. Der Anstieg um 1.930 Mio € gegenüber dem 30. September 2008 ist neben den Ausgaben für Investitionen – insbesondere für unsere Großprojekte – durch die Auswirkungen des konjunkturellen Abschwungs und die damit einhergehenden Belastungen des operativen Geschäfts geprägt.

Netto-Finanzschulden in Mio €

Grafik Netto-Finanzschulden


Im 1. Quartal 2008 / 2009 investierte ThyssenKrupp insgesamt 1.106 Mio €, 19 % mehr als in den ersten drei Monaten des Vorjahres. Davon wurden 1.095 Mio € für Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte ausgegeben; auf den Erwerb von Unternehmen und Beteiligungen sowie auf andere finanzielle Vermögenswerte entfielen 11 Mio €.

Bau neuer Werke in Brasilien und den USA

Das Segment Steel arbeitet weiter zielstrebig an der Umsetzung seiner transatlantischen Wachstumsstrategie. Von zentraler Bedeutung ist das im Bau befindliche Stahlwerk in Rio de Janeiro/Brasilien mit einer Jahreskapazität von 5 Mio t Rohstahl, das sehr kostengünstig produzieren und zugleich hohe Qualitätsstandards erfüllen wird. Zurzeit sind auf der Baustelle mehr als 20.000 Arbeiter mit der Errichtung der Anlagenkomplexe beschäftigt. Die Umsetzung des Projekts schreitet nach den zuvor eingetretenen Verzögerungen nun gut voran. Die Kernaggregate Hochofen und Stahlwerk werden aus heutiger Sicht Ende 2009 in Betrieb gehen.

Im November 2008 hat der Aufsichtsrat der Erhöhung des Investitionsbudgets auf rund 4,5 Mrd € zugestimmt. Darin enthalten sind jetzt beispielsweise das wirtschaftlich begründete Insourcing der Energieversorgung und der Brammenlogistik sowie die Optimierung des technischen Designs für einen künftigen Kapazitätsausbau. Hinzu kamen gestiegene Kosten für Lieferungen und Leistungen, höhere Bauzeitzinsen und Wechselkursdifferenzen. Die Wirtschaftlichkeit des Projekts in Kombination mit dem Bauvorhaben in Alabama und dem Ausbauprogramm in Europa ist durch diese Erhöhung nicht gefährdet. Weit fortgeschritten ist die Rekrutierung des Personals für die künftige Produktionsphase: Ende Dezember 2008 arbeiteten 1.129 Mitarbeiter für ThyssenKrupp CSA in Brasilien.

Gleichzeitig mit den Investitionen in Brasilien haben wir unsere Werke in Europa ausgebaut. Im europäischen Stamm-Markt will Steel seine Position stärken, indem die Verarbeitungs- und Veredelungsanlagen in Deutschland erweitert und modernisiert werden. Rund 40 % der künftig in Brasilien erzeugten Brammen sollen später über den Atlantik nach Deutschland verschifft werden, um hier zu hochwertigen Fertigprodukten für anspruchsvolle Kunden verarbeitet zu werden. Die Investitionen für den Brammenumschlag im Hafen Walsum und zur Leistungssteigerung an vier Feuerbeschichtungsanlagen sind abgeschlossen. Auch die Warmbandstraßen Bochum und Beeckerwerth wurden teilweise schon umgebaut. Weitere Investitionen zur Kapazitätserweiterung im Warmbandbereich sind terminiert.

Der im Herbst 2007 begonnene Bau des neuen gemeinsamen Stahl- und Weiterverarbeitungswerks der Segmente Steel und Stainless nahe Mobile in Alabama/USA schreitet ebenfalls voran. Im Frühjahr 2010 will das Segment Steel die Produktion in Alabama starten. Der Aufsichtsrat hat im November 2008 einer Erhöhung der Investitionsbudgets für Steel auf 3,25 Mrd US-Dollar zugestimmt. Die Wirtschaftlichkeit des Projekts ist nach wie vor gewährleistet.

Das Segment Steel wird im Werk Mobile über Warm- und Kaltwalz- sowie Veredelungsanlagen verfügen und Brammen aus der brasilianischen Produktion zu hochqualitativen Flachprodukten weiterverarbeiten. Die Warmwalzkapazität beträgt insgesamt über 5 Mio t jährlich.

Im Segment Steel betrug der Wert der abgeschlossenen Verträge per 31. Dezember 2008 insgesamt 2,6 Mrd US-Dollar, was rund 80 % des Investitionsvolumens entspricht. Aktuell werden im Wesentlichen Betonarbeiten für Hallen und Maschinenfundamente durchgeführt. Im Bereich der Versandhallen für Kaltband und feuerverzinkte Produkte hat der Stahlbau bereits begonnen. Der Bau der Infrastruktur macht gute Fortschritte. Dazu zählen unter anderem das Flussterminal und das Trainingszentrum.

Parallel setzen Vertriebs- und Marketing-Experten von Steel ihre Arbeiten am Absatzkonzept für den nordamerikanischen Markt fort. Der Aufbau belastbarer Beziehungen zu potenziellen Schlüsselkunden wird unter Einbeziehung technischer Experten fortgesetzt. Zielgruppen sind die Automobil- und die Elektroindustrie, Stahl-Service-Center, Hersteller von Haushaltsgeräten sowie die Rohrindustrie, speziell für den Energiesektor.

Nicht nur hochwertiger Qualitätsflachstahl, sondern auch wichtige Edelstahlerzeugnisse sollen künftig aus Mobile an die amerikanischen Kunden geliefert werden. Die Errichtung des Stainless-Werks liegt im bisherigen Zeitplan. Für einen großen Teil der Produktionshallen des Kaltwalzwerks ist die Stahlkonstruktion errichtet und die Dacheindeckung hat begonnen. Die ersten Anlagenfundamente im Bereich Kaltwalzgerüste und Kaltband-Glüh-/Beizlinie sind im Bau. Im November 2008 hat der Aufsichtsrat einer Erhöhung des Investitionsbudgets auf 1,4 Mrd US-Dollar zugestimmt. Auch hier ist die Wirtschaftlichkeit des Projekts nach wie vor gegeben.

Die Produktionslinien für Edelstahl-Flachprodukte des Segments Stainless werden nach Hochlauf eine jährliche Kapazität von rund 350.000 t Kaltband und 450.000 t Warmband haben. Ein großer Teil dieses Warmbandes dient künftig zur Vormaterialversorgung des mexikanischen Edelstahlwerks ThyssenKrupp Mexinox.

Stainless wird seine Investitionen vor dem Hintergrund der derzeitigen Schwäche auf dem nordamerikanischen Edelstahl-Markt, verbunden mit massiven Nachfrageeinbrüchen, zeitlich strecken. Wir gehen allerdings davon aus, dass sich der Rostfrei-Markt im Nafta-Raum in absehbarer Zeit wieder erholt und weiter wächst. Deshalb werden am Umfang des Projekts keine Abstriche gemacht. Wir werden mit der Inbetriebnahme der ersten Anlagen des Kaltwalzwerks im Oktober 2010 die Kaltbandproduktion aufnehmen und das Stahlwerk zu Beginn des Jahres 2012 anfahren. Bis zur Inbetriebnahme des Stahlwerks erfolgt die Vormaterialversorgung noch aus unseren europäischen Werken. Angesichts der umfangreichen Investitionsmittel, die für das laufende und das folgende Geschäftsjahr budgetiert waren, gibt dies dem Konzern zusätzlichen Handlungsspielraum.

Ausgezeichnete Kommunikation

Unsere Initiative "Zukunft Technik entdecken", die vor allem mit dem IdeenPark den Dialog über Technik quer durch alle gesellschaftlichen Gruppen und Altersklassen unterstützt, wurde im Berichtsquartal mehrfach ausgezeichnet. Im Wettbewerb der Initiative "Freiheit und Verantwortung" war sie Sieger in der Kategorie für große Unternehmen. "Freiheit und Verantwortung" steht unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler und wird von den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft sowie dem Wirtschaftsmagazin WirtschaftsWoche getragen. Außerdem erhielt ThyssenKrupp den Politik-Award für den IdeenPark als das "stimmigste, wirkungsvollste und bestkommunizierte Konzept" im Bereich Corporate Responsibility. Diese Auszeichnung galt dem "herausragenden sozialen Engagement" und wurde von der Zeitschrift politik&kommunikation verliehen.

Der IdeenPark steht als populäre Technik-Ausstellung im Zentrum unserer Zukunftsinitiative. Die Besucher können hinter die Kulissen von Forschung und Entwicklung blicken, selber experimentieren und viele Forscher persönlich kennenlernen. Allein den letzten IdeenPark im Mai 2008 in Stuttgart hatten mehr als 280.000 Jugendliche und Erwachsene besucht und sich dort für die ausgestellten Technikexponate begeistert. Zusammen mit den vorangegangenen Veranstaltungen in Gelsenkirchen 2004 und Hannover 2006 liegt die gesamte Besucherzahl inzwischen bei über 550.000. Der nächste IdeenPark wird derzeit geplant; er soll 2011 in Nordrhein-Westfalen stattfinden.