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Nachtrags-, Chancen- und Prognosebericht

Es lagen keine berichtspflichtigen Ereignisse vor.

Der konjunkturelle Start in das Jahr 2009 war schlechter als noch vor wenigen Monaten erwartet. Der Einbruch nahezu aller Stimmungs- und Frühindikatoren weist auf eine Verschärfung der konjunkturellen Talfahrt hin. Mit einem Anstieg um voraussichtlich weniger als ein halbes Prozent wird die Weltwirtschaft in diesem Jahr in eine ausgeprägte Rezession geraten. In den Industrieländern dürfte 2009 die Wirtschaftsleistung erstmals seit der Nachkriegszeit abnehmen. In den Schwellenländern ist mit dem niedrigsten Wachstum seit Anfang der 1990er Jahre zu rechnen. Für 2010 besteht die Hoffnung, dass die Weltwirtschaft die Rezessionsphase verlassen wird und sich das Wachstum wieder moderat beschleunigt.

In den USA wird die Wirtschaft 2009 deutlich schrumpfen. Insbesondere der private Konsum dürfte strukturbedingt weiter schwach bleiben. Das Konsumentenvertrauen markierte in den letzten Monaten neue Allzeit-Tiefs, und auch die Investitionsbereitschaft wird vor dem Hintergrund sinkender Auftragseingänge und Industrieproduktionsdaten weiterhin deutlich negativ ausfallen. Es bleibt die Hoffnung, dass die von der Geld- und Finanzpolitik sowie der nachlassenden Preisdynamik ausgehenden Impulse im Laufe des Jahres zu greifen beginnen. Dennoch ist 2009 mit einem spürbaren Rückgang des US-Bruttoinlandsprodukts um gut 1,5 % zu rechnen.

In den Emerging Markets wird sich das Wachstum deutlich verlangsamen. Russland und die Länder Lateinamerikas werden von der schwächeren Nachfrage und den niedrigeren Preisen für Energie und andere Rohstoffe negativ betroffen. Auch in China lässt die Wachstumsdynamik wegen der abgekühlten Auslandsnachfrage auf rund 6,5 % nach.

Der Ausblick für den Euroraum bzw. Deutschland ist stark eingetrübt. Insbesondere die Investitionsentwicklung wird deutlich rückläufig ausfallen. Es besteht die Hoffnung, dass die verabschiedeten Konjunkturprogramme das Ausmaß der Rezession etwas mildern können. Dennoch ist 2009 mit einem deutlichen Rückgang des Brutto-Inlandsprodukts zu rechnen. Davon ist Deutschland auf Grund der hohen Exportabhängigkeit überproportional betroffen. Hier dürfte die Wachstumsrate ein Minus von knapp 3 % ausweisen.

In den für ThyssenKrupp wichtigen Märkten gehen wir von folgenden Entwicklungen aus:

  • Auf dem Weltstahlmarkt rechnen wir 2009 mit einem bedarfsbedingten Rückgang. Insbesondere in Europa, Nordamerika und Japan wird die Stahlnachfrage vor dem Hintergrund der verschlechterten Aussichten für die Gesamtkonjunktur deutlich geringer ausfallen. Vor allem in Europa dämpfen überhöhte Lagerbestände die Nachfrage zusätzlich. Aber auch in den Emerging Markets wird sich das bisher hohe Wachstum nicht fortsetzen. Bei den Rohstoffpreisen hat es zuletzt eine gewisse Entlastung gegeben; ob diese Entwicklung aber nachhaltig ist, lässt sich derzeit noch nicht absehen. Unter diesen Rahmenbedingungen bestehen 2009 erhebliche Preis- und Mengenrisiken.
  • Die zuletzt stark eingetrübte Lage im Edelstahlmarkt und bei den Hochleistungswerkstoffen wird sich vor dem Hintergrund der globalen Rezession auch in naher Zukunft nicht wesentlich entspannen. Dennoch ist davon auszugehen, dass insbesondere bei den Edelstahlprodukten die im Verlauf der nächsten Monate deutlich zu erwartende Reduzierung der Handelsbestände in absehbarer Zeit zu einem normalisierten Nachbestellverhalten seitens des Handels führen wird. Hierfür spricht auch, dass der Verbrauch auf Seiten der Endkunden, die rostfreien Edelstahl verarbeiten, infolge der Wirtschaftskrise zwar geschwächt, aber nicht vollständig eingebrochen ist und somit weiterhin gedeckt werden muss. Während 2009 keine grundlegende Erholung der Nachfrage zu erwarten ist, gehen wir mittelfristig davon aus, dass der Edelstahlmarkt auf den langjährigen Wachstumspfad von rund 5 % bis 6 % Wachstum pro Jahr weltweit zurückkehrt. Der Exportdruck durch asiatische Überkapazitäten wird als Risiko verbleiben.
  • Die Nachfrage und die Produktion von Fahrzeugen werden 2009 weiter zurückgehen. Ein geringes Wachstum, zurückzuführen auf Produktionsverlagerungen, erwarten wir nur noch für einige Emerging Markets Asiens sowie Mittel- und Osteuropas. Dagegen werden die Rückgänge im Nafta-Raum und in Westeuropa sehr kräftig ausfallen. In den USA und in Deutschland wird die Fahrzeugproduktion in der Größenordnung von mehr als 10 % zurückgefahren.
  • Die aktuelle weltweite Investitionsschwäche wird 2009 anhalten und in allen wichtigen Industrieländern zu einer schrumpfenden Maschinenproduktion führen. Besonders starke Rückgänge werden für die USA erwartet. Auch in Deutschland wird die Produktion abnehmen. In China dürften sich die bisher hohen Wachstumsraten zumindest halbieren.
  • Die globale Krise erreicht 2009 auch die Bauwirtschaft in den Schwellenländern Asiens sowie Mittel- und Osteuropas. In diesen Regionen wird die bisher hohe Wachstumsdynamik abnehmen. In den USA dürfte sich die Rezession auf Grund des schwachen privaten Wohnimmobilienmarktes zunächst fortsetzen. Die deutsche Bauindustrie wird 2009 bestenfalls stagnieren. Hier verhindert ein hoher Auftragsbestand insbesondere im Wirtschaftsbau zumindest im 1. Halbjahr 2009 einen Produktionsrückgang; die Rezession wird sich jedoch im 2. Halbjahr auch in der Bauwirtschaft zeigen.

Ausblick

Wir erwarten für das Geschäftsjahr 2008 / 2009 einen deutlichen Umsatzrückgang. Dies wird sich im Ergebnis entsprechend niederschlagen. Preis- und Mengenrisiken werden durch rückläufige Einsatzstoffpreise sowie durch ein umfangreiches zusätzliches Maßnahmenpaket zur Effizienzsteigerung nur teiweise kompensiert. Darüber hinaus werden Maßnahmen zur Anpassung des Umlaufvermögens die Kapitalbindung signifikant reduzieren.

Für das 2. Quartal gehen wir von einem im Vergleich zum 1. Quartal schwierigeren Geschäftsverlauf aus. Die Erwartungen für die einzelnen Segmente im 2. Quartal sind wie folgt:

  • Steel – weitere Produktionskürzungen und Unterauslastung der Kernaggregate bei einer Stabilisierung der Versandmengen, weitgehend unveränderte Kosten für Rohstoffe und rückläufige Erlöse im kurzfristigeren Geschäft.
  • Stainless – fortgesetzte Produktionskürzungen und Unterauslastung bei weiterhin schwachen Absatzmärkten; weitere Wertberichtigungen auf Vorräte können nicht ausgeschlossen werden.
  • Technologies – hohe Planungssicherheit bei der Erlös- und Ergebnisentwicklung im Projektgeschäft auf Grund des hohen Auftragsbestands, der eine gute Ergebnisqualität ausweist. Lediglich das Automobilzuliefergeschäft wird durch Produktionskürzungen der OEMs beeinträchtigt.
  • Elevator – nachhaltige Wirkung der Performanceprogramme mit über Vorjahr liegender Ergebnisentwicklung.
  • Services – überwiegend schwaches Nachfrageniveau und weiter rückläufige Preise im Werkstoffgeschäft bei Materials Services und Special Products; gleiches gilt für metallurgische Rohstoffe und Koks; Industrial Services überwiegend stabil, Bau- und Gleistechnikaktivitäten profitieren von Infrastrukturinvestitionen auf hohem Niveau.

Für das 2. Halbjahr des Geschäftsjahres erwarten wir mit Abschluss der Lagerkorrektur im Handel und bei unseren Endkunden sowie nach Verarbeitung der Wertberichtigungen auf Vorräte eine Geschäfts- und Ergebnisentwicklung auf dem Niveau einer normalen Rezession. Die Ergebnisbeiträge aus dem Werkstoffgeschäft in den Segmenten Stainless und Services werden sich im Zuge dieser Entwicklung voraussichtlich verbessern. Bei Steel sind nach wie vor Erlösdruck und unauskömmliche Mengen, niedrigere Rohstoffkosten und positive Effekte aus laufenden Maßnahmen zur Kostensenkung zu erwarten. Das gute Ergebnisniveau von Technologies soll trotz eines anhaltend schwierigen Marktumfeldes gehalten werden. Für das Segment Elevator gehen wir von einer weiterhin guten Ergebnisentwicklung aus.

Für 2009/2010 gehen wir davon aus, dass sich das Geschäft von ThyssenKrupp wieder stabilisieren wird. Auf längere Sicht, insbesondere nach Inbetriebnahme der Großinvestitionen von Steel und Stainless in Nord- und Südamerika sowie der anderen Segmente in weiteren Regionen, rechnen wir mit einem Ergebnis vor Steuern – und vor wesentlichen Sondereffekten – von 4,0 bis 5,0 Mrd € und einem Umsatz von rund 65 Mrd €.

Intensives Kostensenkungsprogramm angelaufen

Im Berichtsquartal haben wir mit ThyssenKrupp PLUS ein konzernweites Programm gestartet, um schnell und konsequent auf die veränderten Rahmenbedingungen zu reagieren. Das Programm wird durch einen Sonderbeauftragten geleitet, der direkt an den Konzernvorstand berichtet. Diese zentrale Koordination erlaubt schnelle und effektive Entscheidungen.

Im Fokus stehen zum einen Maßnahmen, die Einspareffekte von deutlich über 1 Mrd € im laufenden Geschäftsjahr erzielen. So werden wir alle nicht zwingend erforderlichen Ausgaben in Produktion und Verwaltung einschränken, sämtliche externen Dienstleistungsverträge kritisch analysieren sowie weitere Einsparungen bei Beschaffung und Vertrieb umsetzen.

Darüber hinaus konzentrieren wir uns auf Maßnahmen, die unsere Cash-Position verbessern und das Net Working Capital verringern; wir werden beispielsweise die Vorratswirtschaft im Konzern verbessern und das Forderungsmanagement optimieren. Aus heutiger Sicht kann dies den Kapitalbedarf um mehr als 2,3 Mrd € im Geschäftsjahresvergleich senken.

Außerdem prüfen wir, welche von unseren Investitionsprojekten gegebenenfalls sinnvoller zu einem späteren Zeitpunkt umzusetzen sind. Die konjunkturelle Entwicklung in für uns wichtigen Branchen macht eine Verschiebung in einigen Bereichen durchaus möglich, ohne unsere langfristigen Ziele aus dem Auge zu verlieren.