- Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen
- Branchenwirtschaftliche Rahmenbedingungen
- ThyssenKrupp – Geschäftsentwicklung rezessionsbedingt rückläufig
- Absatzmärkte und Marketing
- Investitionen
- Beschaffung: Volumen stark gesunken
- Energie: Sichere Versorgung
- Zusammenfassende Bewertung des Vorstands zur wirtschaftlichen Entwicklung und Zielerfüllung
Überblick über den Geschäftsverlauf im Konzern
Die globale Rezession hat die Geschäftsentwicklung von ThyssenKrupp stark belastet. Auftragseingang und Umsatz gaben 2008/2009 erheblich nach. Nach einem Gewinn im Vorjahr verschlechterte sich das Konzernergebnis vor Steuern auf -2.364 Mio €. Einen beträchtlichen Einfluss hatte der Preisverfall bei Werkstoffen, der zu Wertberichtigungen im Vorratsvermögen von 317 Mio € führte. Zudem belasteten die Sondereffekte Restrukturierungsaufwand, Impairment-Abschreibungen und Projektkosten für die neuen Stahl- und Weiterverarbeitungswerke das Ergebnis mit 1.620 Mio €.
Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen
Die Weltwirtschaft erlebte Ende 2008 und weit in das Jahr 2009 hinein die schwerste Rezession seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Ausgehend von der internationalen Finanzkrise ist die Konjunktur in den Industrieländern nahezu synchron eingebrochen. Auch die bisher wachstumsstarken Schwellenländer mussten zum Teil erhebliche konjunkturelle Rückschläge hinnehmen. Für das 2. Halbjahr 2009 verstärken sich die Anzeichen für eine Bodenbildung. Nach gegenwärtiger Einschätzung ist das Welt- Bruttoinlandsprodukt 2009 – nach einem Zuwachs von 3,2 % im Vorjahr – um 1,4 % geschrumpft und hat damit unsere Wachstumserwartungen, die wir vor einem Jahr noch hatten, merklich unterschritten.
Tiefer Konjunktureinbruch
Noch stärker als beim Welt-Bruttoinlandsprodukt war der Rückgang im internationalen Handel mit Waren und Dienstleistungen. Dies ist vor allem auf den tiefen Konjunktureinbruch in den USA seit Herbst 2008 zurückzuführen. Erst im 2. Quartal 2009 begann sich der Abschwung der US-Wirtschaft zu verlangsamen; im 3. Quartal konnte mit 0,9 % erstmals wieder ein kleines Wachstum erzielt werden. Auch nach einem Anziehen der Konjunktur im 2. Halbjahr blieb die Wirtschaftsleistung der USA 2009 erheblich unter dem Vorjahresniveau. In Japan haben 2009 neben einer schwachen Binnennachfrage vor allem die rückläufigen Exporte das Bruttoinlandsprodukt schrumpfen lassen.
Im Euroraum hat sich die wirtschaftliche Talfahrt im 1. Halbjahr 2009 zunächst fortgesetzt, dann aber im 2. Quartal deutlich verlangsamt. Bei rückläufigen Anlageinvestitionen haben der private Konsum und die Staatsausgaben einen noch stärkeren Absturz der Konjunktur gebremst. Dennoch dürfte 2009 das Bruttoinlandsprodukt insgesamt um 4 % gefallen sein. Die deutsche Wirtschaft erzielte nach zuvor starken Rückgängen im 2. Quartal 2009 wieder ein leichtes Wachstum gegenüber dem Vorquartal. Stützend waren der private und öffentliche Konsum sowie die Bauinvestitionen. Zudem war bei den Exporten und den Ausrüstungsinvestitionen das Abwärtstempo spürbar gebremst. Trotz der konjunkturellen Bodenbildung zur Jahresmitte hat die Wirtschaftsleistung 2009 insgesamt kräftig nachgegeben.
Die globale Rezession belastete auch das Wachstum in den Schwellen- und Entwicklungsländern. Der Einbruch des Welthandels machte sich insbesondere in den kleineren asiatischen Schwellenländern bemerkbar. China hingegen verzeichnete 2009, wesentlich gestützt von staatlichen geld- und finanzpolitischen Maßnahmen, noch ein relativ kräftiges Wachstum. In Indien hat die Wachstumsdynamik nachgelassen. Die brasilianische Wirtschaft entwickelte sich im internationalen Vergleich noch recht robust. Russland litt unter geringeren Rohstoffexporten und -preisen und musste 2009 einen sehr starken Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Leistung hinnehmen.
Branchenwirtschaftliche Rahmenbedingungen
Der globale Konjunktureinbruch hat in unseren wichtigen Märkten tiefe Spuren hinterlassen. Viele Kunden haben ihre Investitionspläne auf den Prüfstand gestellt. Weltweit ist die Nachfrage nach Qualitäts- und Edelstahl eingebrochen. Der Automobil- und Maschinenbau musste die Produktion stark zurückfahren. Bestellungen für Schiffneubauten sind weitgehend entfallen. Auch an der Bauindustrie ging die globale Rezession nicht vorüber.
Rückläufige Nachfrage nach Qualitätsflachstahl
Vor dem Hintergrund der rezessiven Entwicklungen ist die Stahlnachfrage 2009 weltweit gefallen. Dies galt vor allem für die Industrieländer, die vielfach Einbrüche von mehr als 30 % hinnehmen mussten. Die ohnehin starken verbrauchsbedingten Rückgänge wurden durch den Lagerabbau noch verstärkt. Nachdem Stahlproduzenten schon im Schlussquartal 2008 die Produktion erheblich zurückgefahren hatten, war auch das Jahr 2009 bis in den Herbst hinein von massiven Kürzungen gekennzeichnet. Weltweit fiel die Produktion voraussichtlich um 9 % auf 1,2 Mrd t. Dabei verzeichneten die EU, der Nafta-Raum und Japan sogar Rückgänge von zum Teil mehr als 30 %, aber auch einige Schwellenländer waren überproportional betroffen. Entgegen diesem Trend konnten China und Indien ihre Erzeugung erneut ausweiten. Die Kapazitätsauslastung der Stahlindustrie in den meisten übrigen Regionen war in der ersten Jahreshälfte erheblich gesunken – mit der Folge, dass eine Reihe von Anlagen vorübergehend stillgelegt oder geschlossen werden musste.
Bei Rohstahl betrugen in den ersten Monaten 2009 die durchschnittlichen Auslastungsraten weltweit nur rund 60 %, in der EU und den USA waren es zeitweise sogar weniger als 50 %. Vom Spätsommer an zeichnete sich ein Ende dieser Talfahrt ab, da auf Grund lagerzyklisch anziehender Nachfrage viele Produzenten ihre Erzeugung wieder hochfuhren. Die deutsche Stahlindustrie musste 2009 einen Rückgang ihrer Produktion um 30 % auf rund 32 Mio t verkraften, nachdem sich auch hier die Auslastung im Laufe des Jahres von ihrem Tiefpunkt erholen konnte.
Der starke Rückgang der Stahlnachfrage ging mit einem massiven Verfall der internationalen Stahlspotpreise einher. In Europa und Nordamerika hatten sich diese seit ihrem historischen Höchststand zur Mitte des Jahres 2008 annähernd halbiert. Erst zur Jahresmitte 2009 kam es im Zuge einer wieder festeren Mengenkonjunktur zu einer Bodenbildung bei den Preisen. Dabei stützte die Tatsache, dass viele Produzenten auf den Nachfrageanstieg nur verzögert mit einer höheren Produktion reagieren konnten, den Preisauftrieb.
Eine gegenläufige Entwicklung kennzeichnete den chinesischen Stahlmarkt. Unter dem Einfluss staatlicher Konjunkturprogramme ist die inländische Stahlnachfrage 2009 spürbar gewachsen. Dies und die rezessionsbedingt niedrige Nachfrage auf den Weltmärkten ließen die chinesischen Stahlexporte signifikant zurückgehen, und China wurde wieder Netto-Importeur. Ab August zeigte der Markt allerdings deutliche Überhitzungserscheinungen, da das Nachfragewachstum spekulativ überhöht und von einem erheblichen Lageraufbau begleitet war. Es setzte eine Korrektur ein, die Nachfrage sank, die Preise gaben nach, und die chinesische Stahlindustrie nahm ihre zuvor stark eingeschränkten Exportaktivitäten wieder auf.
Auch der europäische Qualitätsflachstahlmarkt geriet vom 4. Quartal 2008 an in den Sog der globalen Rezession. Der Versand der europäischen Stahlproduzenten ging rezessions- und lagerzyklisch bedingt stark zurück. Die ausgeprägte Nachfrage- und Preisschwäche auf dem europäischen Markt hat auch die Importkonkurrenz aus Drittländern begrenzt. Die Lagerbestände beim Handel und bei den Endverbrauchern waren nach anfänglich sehr zögerlichen Anpassungen bis zur Mitte des Jahres 2009 soweit reduziert, dass sich die Auftragslage der Stahlindustrie danach besserte und die Preise erhöht werden konnten. Der tatsächliche Verbrauch blieb jedoch schwach.
Der Stahlmarkt in Nordamerika stand 2009 ebenfalls unter dem Eindruck eines kräftigen Lagerabbaus, der die konjunkturell ohnehin niedrige Stahlnachfrage zusätzlich bremste. Der heimische Absatz der amerikanischen Stahlindustrie und die Importe aus dem Ausland gaben stark nach. Der damit einhergehende Preisrückgang fiel noch höher aus als in Europa. In den Sommermonaten zog aber auch hier die Stahlnachfrage wieder an – getrieben vor allem durch notwendige Lagerergänzungen. Wie in Europa konnte das Angebot der wieder steigenden Nachfrage nur verzögert folgen, was die Erholung der Preise forcierte.
Weltweite Edelstahlnachfrage eingebrochen
Die weltweite Nachfrage nach rost-, säure- und hitzebeständigen (RSH) Edelstahlflachprodukten ist im Zuge der globalen Rezession und fallender Rohstoffpreise für Legierungsmetalle zu Beginn des Berichtsjahres stark eingebrochen. Die seit dem Frühjahr wieder anziehenden Rohstoffpreise, insbesondere für Nickel, wirkten sich im weiteren Jahresverlauf positiv auf die Nachfrage aus. Dennoch war auch 2009 die Nachfrage nach RSH-Produkten rückläufig; weltweit fiel sie um rund 14 %. Im westeuropäischen und nordamerikanischen Markt machten die Rückgänge annähernd 30 % aus.
In Deutschland und Europa lagen die Bestände beim lagerhaltenden Handel und den Service-Centern zu Jahresbeginn auf hohem Niveau, wurden seitdem aber sukzessive abgebaut. Gegen Ende des 1. Halbjahres 2009 haben viele Händler angesichts niedriger Bestände, insbesondere aber wegen wieder ansteigender Nickelpreise und der erwarteten Verteuerung der Legierungszuschläge, ihre Bestellungen erhöht. Die Importe nach Deutschland und in den übrigen europäischen Raum waren niedrig.
In Nordamerika hat sich der Lagerbestandsabbau beim Handel und den Service-Centern ebenfalls lange fortgesetzt, ehe zu Beginn des 2. Halbjahres die Ordertätigkeit wieder leicht zunahm, auch in Erwartung steigender Preise. Auf Grund des relativ niedrigen Preisniveaus gingen die Importe deutlich zurück.
In Asien waren die Lagerbestände weiterhin sehr hoch, wobei Nachdispositionen des Handels vor allem wegen des steigenden Nickelpreises zunahmen. In China hat sich die Nachfrage auch dank größerer staatlicher Infrastrukturprojekte verstärkt.
Die Edelstahlpreise in Europa und Nordamerika waren lange Zeit durch geringere Legierungszuschläge und niedrige Basispreise geprägt. In den letzten Monaten konnten die Basispreise jedoch – wenngleich auf niedrigem Niveau – angehoben werden. Als der Nickelpreis schließlich anzog, stieg der Legierungszuschlag. Auch in Asien waren die Edelstahlpreise zu Beginn des Berichtszeitraums stark rückläufig. Im weiteren Verlauf erholten sie sich jedoch und lagen zwischenzeitlich fast auf europäischem Niveau.
Im Bereich der Nickellegierungen war die Auftragsvergabe von Projektverschiebungen und kurzfristiger Bedarfsdeckung auf niedrigem Niveau geprägt. Angesichts der sinkenden Nachfrage brachen weltweit die Preise ein. Bei Titan sind die Auftragseingänge insbesondere wegen der Verzögerungen in der Produktion der neuen Flugzeuggenerationen stark zurückgegangen. Die Nachfrageschwäche wurde zudem durch weiterhin hohe Lagerbestände bei geringem Verbrauch verstärkt.
Automobilmarkt im Rückwärtsgang
Der Automobilmarkt ist 2009 nahezu weltweit stark eingebrochen. Die Produktion fiel nach vorläufigen Schätzungen um 15 % auf rund 59 Mio Personenkraftwagen und Nutzfahrzeuge. Auch in den zuvor wachstumsstarken Emerging Markets Mittel- und Osteuropas sowie in Asien wurden überwiegend weniger Fahrzeuge produziert. In Indien stagnierten die Stückzahlen. Ein kräftiges Produktionswachstum, auch dank steuerlicher Anreize, verzeichnete lediglich die chinesische Automobilindustrie. Mit fast 12 Mio Fahrzeugen – das ist ein Plus von über 30 % – ist China 2009 zum weltweit größten Automobilproduzenten aufgestiegen.
Der nordamerikanische Automobilmarkt ging zurück. Insbesondere im 1. Halbjahr sind in den USA die Fahrzeugverkäufe angesichts der schwierigen Wirtschaftslage deutlich eingebrochen. Seit Juni 2009 haben sich die Verkaufsrückgänge allerdings reduziert; Grund dafür war die Verschrottungsprämie "Cash for clunkers", die jedoch mittlerweile ausgelaufen ist. Insgesamt nahm die US-Produktion 2009 voraussichtlich um knapp ein Drittel auf unter 6 Mio Personenkraftwagen und Light Trucks ab. Weniger ausgeprägt war, auch durch Steuererleichterungen bedingt, der Abschwung der Automobilkonjunktur in Brasilien. Die Stückzahlen fielen dort nur leicht auf knapp 3 Mio Fahrzeuge.
In Westeuropa blieb die Fahrzeugproduktion mit voraussichtlich rund 12,8 Mio Einheiten um etwa 20 % unter dem Vorjahresniveau. Besonders ausgeprägt war der Rückgang in Großbritannien und Frankreich. In Deutschland hat die "Umweltprämie" zu einem vorübergehend starken Anstieg der Neuzulassungen für Personenkraftwagen geführt. Da jedoch gleichzeitig die Exporte einbrachen, musste die Produktion dennoch um etwa 16 % eingeschränkt werden. Besonders schwierig blieb die Lage bei den Nutzfahrzeugen, deren Produktion sich mehr als halbierte. Insgesamt verringerte sich die deutsche Fahrzeugproduktion 2009 voraussichtlich um 18 % auf weniger als 5 Mio Personen- und Nutzfahrzeuge.
Den Werften fehlen Aufträge
Die Schifffahrtsmärkte sind durch die globale Rezession und die damit einhergehenden Einbrüche im Welthandel von wachsenden Überkapazitäten geprägt. Die Neubauaufträge sind 2009 fast völlig zum Erliegen gekommen. Zwar werden noch weltweit hohe Auftragsbestände ausgewiesen, die aber zum Teil auf Grund fehlender Finanzierungen nicht als gesichert angesehen werden können.
Die deutschen Seeschiffwerften akquirierten im 1. Halbjahr 2009 lediglich fünf Neubestellungen. Dem standen nicht weniger als 25 Stornierungen gegenüber, die die Auslastung erheblich verschlechterten. Der Auftragsbestand ist gegenüber dem Jahresende 2008 deutlich gefallen.
Einbruch im Maschinenbau
Der Maschinen- und Anlagenbau war besonders stark von der weltwirtschaftlichen Konjunkturschwäche betroffen, da viele Unternehmen im Zuge verschlechterter Produktionserwartungen ihre Projekte, die Kapazitäten zu erweitern oder zu modernisieren, entweder stornierten oder zeitlich verschoben. In den großen Industrieländern hat sich daher die Auftragslage deutlich verschlechtert. Die Produktion gab regional unterschiedlich zwischen 20 % und 40 % nach. Einzig in China gab es dank massiver Konjunkturpakete noch ein einstelliges Wachstum.
In Deutschland sind nach Jahren hoher Zuwächse die Bestellungen in bisher nicht gekanntem Ausmaß zurückgegangen. In den ersten neun Monaten 2009 gaben die Neuaufträge im Vergleich zum Vorjahr um 44 % nach. Die Kapazitätsauslastung ist drastisch auf unter 70 % gefallen. 2009 ist die Maschinenbauproduktion voraussichtlich um 25 % eingebrochen. Der deutsche Großanlagenbau akquirierte beispielsweise in der ersten Jahreshälfte 2009 erheblich weniger Bestellungen als im Vorjahr.
Baukonjunktur abgekühlt
Die Baukonjunktur schwächte sich in vielen Ländern trotz der Konjunkturprogramme ab. Lediglich China und Indien verzeichneten noch höhere Zuwachsraten. In den USA setzte sich der Abwärtstrend im Wohnimmobilienmarkt fort; erst gegen Jahresmitte zeichnete sich eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau ab. Auch im Nicht-Wohnungsbau war die Nachfrage rückläufig. Insgesamt hat die US-Bauproduktion 2009 voraussichtlich nochmals um 15 % nachgegeben. Auch in den meisten mittel- und osteuropäischen Ländern stagnierte oder schrumpfte die Bauwirtschaft.
Die deutsche Bauwirtschaft verbuchte im 1. Halbjahr 2009 einen schwächeren Auftragseingang als im Vergleichszeitraum des Vorjahres; davon war vor allem der Wirtschaftsbau betroffen. Die beschlossenen Konjunkturpakete entfalteten ihre Wirkung erst ab dem 2. Halbjahr. Die positiven Impulse aus dem öffentlichen Bau reichten jedoch nicht aus, um die Rückgänge in anderen Bereichen zu kompensieren. 2009 ist die Bauproduktion voraussichtlich um 3 % gesunken.
ThyssenKrupp – Geschäftsentwicklung rezessionsbedingt rückläufig
| 2007/2008 | 2008/2009 | |||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Auftragseingang | Mio € | 55.205 | 35.970 | |||
| Umsatz | Mio € | 53.426 | 40.563 | |||
| EBITDA | Mio € | 4.976 | 192 | |||
| Ergebnis vor Steuern (EBT) | Mio € | 3.128 | – 2.364 | |||
| Investitionen | Mio € | 4.282 | 4.238 | |||
| Mitarbeiter (30.09.) | 199.374 | 187.495 |
Der globale Nachfrageeinbruch hat das Geschäft von ThyssenKrupp im Berichtsjahr erheblich belastet. Auftragseingang und Umsatz waren stark rückläufig. Nach einem Gewinn im Vorjahr musste der Konzern 2008/2009 einen hohen Verlust hinnehmen. Das negative Ergebnis war erheblich von Wertberichtigungen im Vorratsvermögen sowie von Sondereffekten – Restrukturierungsaufwendungen, Impairment-Abschreibungen und Projektkosten – beeinflusst. Unsere auf Dividendenkontinuität ausgerichtete Ausschüttungspolitik werden wir dennoch im vertretbaren Rahmen fortsetzen; Vorstand und Aufsichtsrat werden der Hauptversammlung im Januar 2010 vorschlagen, je Aktie eine auf 0,30 € reduzierte Dividende auszuzahlen.
Auftragseingang und Umsatz rückläufig
Auftragseingang und Umsatz haben unsere Erwartungen, die wir zu Beginn des Geschäftsjahres hatten, nicht erfüllt. Durch den starken konjunkturellen Einbruch fiel der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahr um 35 % auf 36,0 Mrd € zurück. Davon waren alle Segmente betroffen, am stärksten die von der Werkstoffnachfrage abhängigen Segmente Steel, Stainless und Services.
| 2007/2008 | 2008/2009 | |||
|---|---|---|---|---|
| Steel | 14.199 | 8.414 | ||
| Stainless | 7.460 | 4.147 | ||
| Technologies | 13.490 | 8.580 | ||
| Elevator | 5.535 | 5.038 | ||
| Services | 17.453 | 11.166 | ||
| Corporate | 124 | 127 | ||
| Auftragseingang der Segmente | 58.261 | 37.472 | ||
| Aufträge zwischen den Segmenten | – 3.056 | – 1.502 | ||
| Auftragseingang Konzern | 55.205 | 35.970 |
Der Konzernumsatz verminderte sich um 24 % auf 40,6 Mrd €. Mit Ausnahme von Elevator war der Umsatz in allen Segmenten merklich schwächer. Bei Steel belastete das geringere Versandvolumen, während die durchschnittlichen Stahlerlöse dank des hohen Anteils von Langfristverträgen stabilisierend wirkten. Sowohl Preis- als auch Nachfragerückgänge führten bei Stainless und Services zu einem nachlassenden Geschäftsvolumen. Bei Technologies konnten höhere Umsätze im Anlagenbau die Rückgänge im Automobilzuliefer- und Baumaschinengeschäft sowie im Schiffbau nicht ausgleichen. Elevator blieb auf Wachstumskurs und baute sein Geschäft in nahezu allen Regionen aus.
| 2007/2008 | 2008/2009 | |||
|---|---|---|---|---|
| Steel | 14.358 | 9.945 | ||
| Stainless | 7.420 | 4.486 | ||
| Technologies | 12.412 | 10.640 | ||
| Elevator | 4.930 | 5.308 | ||
| Services | 17.336 | 11.896 | ||
| Corporate | 124 | 127 | ||
| Umsatz der Segmente | 56.580 | 42.402 | ||
| Umsatz zwischen den Segmenten | – 3.154 | – 1.839 | ||
| Umsatz Konzern | 53.426 | 40.563 |
Deutlicher Ergebnisrückgang
Das Konzernergebnis vor Steuern verminderte sich im Vergleich zum Vorjahr um 5.492 Mio € auf -2.364 Mio €; es hat sich im Verlauf des Berichtsjahres zunehmend verschlechtert. Dem Gewinn von 240 Mio € im 1. Quartal folgte im 2. Quartal ein Verlust von 455 Mio €, im 3. Quartal ein Verlust von 772 Mio € und im 4. Quartal ein Verlust von 1.377 Mio €. In den Ergebniszahlen für das Geschäftsjahr 2008/2009 sind Wertberichtigungen auf das Vorratsvermögen in Höhe von insgesamt 317 Mio € enthalten. Das Ergebnis wurde zudem belastet durch die Sondereffekte Restrukturierungsaufwendungen – insbesondere personalpolitische Anpassungsmaßnahmen – von 868 Mio €, Impairment-Abschreibungen in Höhe von 519 Mio € sowie die Projektkosten für die neuen Werke in Brasilien und den USA von 233 Mio €.
Der Grund für den Ergebnisrückgang im Segment Steel lag in erster Linie im Einbruch bei den Versandmengen; hinzu kamen erhebliche Restrukturierungsaufwendungen. Der hohe Verlust von Stainless wurde durch einen dramatischen Nachfrageverfall in Verbindung mit deutlich rückläufigen Basispreisen ausgelöst. Notwendige Restrukturierungsaufwendungen, Impairment-Abschreibungen sowie Bestandsabwertungen belasteten das Ergebnis zusätzlich. Wertberichtigungen auf Vorräte und massive Ergebniseinbußen im Roh- und Werkstoffgeschäft führten auch bei Services zu einem negativen Ergebnis; hinzu kamen Restrukturierungsaufwendungen. Bei Technologies konnten die Gewinne aus dem Anlagenbau die Einbußen im Automobilzuliefer- und Baumaschinengeschäft, insbesondere aber die erheblichen Verluste im zivilen Schiffbau nicht ausgleichen. Die Werften mussten beträchtliche Restrukturierungsaufwendungen, Impairment-Abschreibungen sowie negative Sondereffekte aus Auftragsstornierungen von Containerschiffen und Yachten verkraften; hinzu kamen mögliche Nachhaftungsrisiken aus dem zivilen Schiffbau und höhere Projektkosten im Yachtenbereich. Erfolgreich blieb das Geschäft von Elevator: Das Segment erzielte ein Rekordergebnis.
| 2007/2008 | 2008/2009 | |||
|---|---|---|---|---|
| Steel | 1.540 | – 486 | ||
| Stainless | 126 | – 946 | ||
| Technologies | 741 | – 868 | ||
| Elevator | 434 | 558 | ||
| Services | 750 | – 271 | ||
| Corporate | – 417 | – 344 | ||
| Konsolidierung | – 46 | – 7 | ||
| Ergebnis vor Steuern (EBT) | 3.128 | – 2.364 |
Komponenten der Ergebnisentwicklung im Konzern
Die Umsatzerlöse lagen im Geschäftsjahr 2008/2009 um 12.863 Mio € oder 24 % unter dem Vorjahreswert. Die Umsatzkosten verringerten sich um 7.365 Mio € oder 17 % und damit unterproportional im Vergleich zur Umsatzentwicklung. Wesentliche Ursache hierfür waren die 2008/2009 deutlich erhöhten Vorratsabwertungen, Wertminderungsaufwendungen bei immateriellen Vermögenswerten und Sachanlagen sowie Restrukturierungsaufwendungen, die den insgesamt umsatzbedingten Rückgang der übrigen Umsatzkosten teilweise kompensierten. Insgesamt verminderte sich das Bruttoergebnis vom Umsatz um 5.498 Mio €, verbunden mit einer Verringerung der Brutto-Umsatzmarge von 17 % auf 9 %.
Die Abnahme der Vertriebskosten um 125 Mio € resultierte insbesondere aus gesunkenen Aufwendungen für Verkaufsfrachten und Verkaufsversicherungen, die hauptsächlich die Segmente Steel, Stainless und Services als Folge der rückläufigen Geschäftsentwicklung betrafen. Die allgemeinen Verwaltungskosten lagen unter Berücksichtigung der um 58 Mio € erhöhten Restrukturierungsaufwendungen um 102 Mio € unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Der Anstieg der sonstigen betrieblichen Erträge um 40 Mio € stand im Zusammenhang mit der Annullierung qualifizierter Währungssicherungen für geplante Rohstoffeinkäufe, da das Volumen der Rohstoffeinkäufe infolge der wirtschaftlichen Rezession unvorhersehbar stark zurückgegangen war. Der Rückgang der sonstigen betrieblichen Aufwendungen um 85 Mio € resultierte mit 45 Mio € aus verminderten Verlusten aus dem Abgang von langfristigen Vermögenswerten. Die im Vergleich zum Vorjahr rückläufige Desinvestitionstätigkeit führte zu einer Verschlechterung des Ergebnisses aus dem Verkauf konsolidierter Unternehmen um 78 Mio €. Die Verminderung des Ergebnisses aus nach der Equity-Methode bilanzierten Beteiligungen um 129 Mio € resultierte vor allem aus der im Vergleich zum Vorjahr insgesamt rückläufigen Ergebnisentwicklung bei den betreffenden Beteiligungen. Die Verschlechterung des Zinsergebnisses um 257 Mio € war durch die im Vergleich zum Vorjahr erhöhten Netto-Finanzschulden bedingt. Für die Verbesserung des sonstigen Finanzergebnisses um 118 Mio € war die im Vergleich zum Vorjahr um 114 Mio € erhöhte Aktivierung von Bauzeitzinsen, die überwiegend die Errichtung des Stahlwerks in Brasilien betraf, verantwortlich.
Der Ausweis eines Steuerertrags für das Berichtsjahr von 491 Mio € gegenüber einem Steueraufwand von 852 Mio € im Vorjahr ist allein auf die Verlustsituation zurückzuführen. Auf Grund der Verluste verminderten sich die laufenden Ertragsteuern gegenüber dem Vorjahr um 670 Mio € auf 228 Mio €. Insoweit es wahrscheinlich ist, dass Verluste künftig die Steuerzahlungen mindern werden, wurden aktive latente Steuern gebildet. Entsprechend erhöhte sich 2008/2009 der latente Steuerertrag auf 719 Mio € nach 46 Mio € ein Jahr zuvor. Nach Berücksichtigung der Steuern vom Einkommen und vom Ertrag ergab sich ein Jahresfehlbetrag von 1.873 Mio €; im Vorjahr wurde ein Jahresüberschuss von 2.276 Mio € erzielt.
Unter Einbezug der Verluste, die auf Anteile anderer Gesellschafter entfallen, in Höhe von 16 Mio € verschlechterte sich das Ergebnis je Aktie im Geschäftsjahr 2008/2009 auf -4,01 €.
Ergebnis der ThyssenKrupp AG
Der im Berichtsjahr nach den Regeln des HGB ermittelte Jahresfehlbetrag der ThyssenKrupp AG betrug 882 Mio € nach einem im Vorjahr ausgewiesenen Jahresüberschuss von 1.175 Mio €.
Das Beteiligungsergebnis verringerte sich um 1.263 Mio € auf 599 Mio €. Die Erträge aus Gewinnabführungsverträgen reduzierten sich signifikant um 673 Mio € auf 809 Mio €. Insbesondere verringerten sich die Erträge aus den Führungsgesellschaften Steel und Stainless um 252 Mio € auf 772 Mio €. Ergänzend wiesen die Führungsgesellschaften der Segmente Services (i. Vj. 252 Mio €) und Technologies (i. Vj. 186 Mio €) im Geschäftsjahr 2008/2009 im Gegensatz zum Vorjahr Verlustabschlüsse aus. Die Verlustübernahmen stiegen insbesondere auf Grund dieser Entwicklung um 639 Mio € gegenüber dem Vorjahr signifikant an. Die Verlustübernahmen der Führungsgesellschaften von Services und Technologies beliefen sich auf 67 Mio € bzw. 516 Mio €. Die Erträge aus Beteiligungen veränderten sich nur geringfügig gegenüber der Vorjahresperiode und waren positiv durch die Gewinnausschüttung der ThyssenKrupp USA Inc. von 246 Mio € beeinflusst.
Der Rückgang der sonstigen betrieblichen Erträge um 468 Mio € resultierte im Wesentlichen aus um 530 Mio € niedrigeren Steuerumlagen der Konzernunternehmen auf Grund der Abführung von Organschaftsergebnissen und einer im Vorjahr erfassten Zuschreibung an einem verbundenen Unternehmen in Höhe von 135 Mio €. Ergebniserhöhend wirkte ein Erstattungsanspruch gegenüber einer Segmentführungsgesellschaft von 210 Mio €.
Die Reduzierung der Personalkosten innerhalb der allgemeinen Verwaltungskosten erklärt sich durch geringere Tantiemeaufwendungen und Sonderzahlungen. Gegenläufig wirkten sich Zuführungen für zukünftige Sozialplankosten und ausgezahlte Abfindungen aus. Die Verringerung der übrigen Verwaltungskosten um 62 Mio € wurde geprägt durch gesunkene Kosten für Werbesonderaufwand (-26 Mio €), eine Reduktion der Dienstleistungs- und Datenverarbeitungsausgaben (-18 Mio €) sowie geringere Spenden für kulturelle und wissenschaftliche Zwecke.
Im Zinsergebnis des Berichtsjahres in Höhe von 265 Mio € spiegeln sich die Auswirkungen durch Kapitalherabsetzungen bei Tochtergesellschaften wider, die zu einer Entlastung des Zinsergebnisses führten, sowie ein gesunkenes Zinsniveau auf den relevanten Geld- und Kapitalmärkten. Gegenläufig wirkten sich die Maßnahmen zur Liquiditätssicherung aus.
Nach Berücksichtigung der zuvor genannten Effekte ergab sich ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von -906 Mio € nach 1.364 Mio € im Vorjahr.
Der Rückgang des Steueraufwands gegenüber dem Vorjahr beruhte im Wesentlichen auf Steuererstattungen für Vorjahre.
Nach Erfassung der Steuern vom Einkommen und vom Ertrag ergab sich ein Jahresfehlbetrag von 882 Mio €. Unter Berücksichtigung einer Auflösung der Rücklage für eigene Aktien in Höhe von 532 Mio € über die Gewinn- und Verlustrechnung und nach Entnahme von 438 Mio € aus den anderen Gewinnrücklagen sowie Hinzurechnung des Gewinnvortrags aus dem Vorjahr von 66 Mio € wird ein Bilanzgewinn in Höhe von 154 Mio € ausgewiesen.
Bilanzgewinn und Dividende
Die rechtliche Basis für die Ausschüttung bildet der nach HGB ermittelte Bilanzgewinn der ThyssenKrupp AG von 154 Mio €; im Vorjahr waren es 669 Mio €. Er setzt sich zusammen aus dem nach HGB ermittelten Jahresfehlbetrag der ThyssenKrupp AG in Höhe von 882 Mio € zuzüglich der Entnahmen aus den anderen Gewinnrücklagen in Höhe von 438 Mio € (i.Vj. Einstellung in Gewinnrücklagen 8 Mio €) und der Entnahme aus der Rücklage für eigene Aktien in Höhe von 532 Mio € sowie zuzüglich des Gewinnvortrags aus dem Vorjahr von 66 Mio €.
Vorstand und Aufsichtsrat schlagen der Hauptversammlung die Zahlung einer Dividende von 0,30 € (i. Vj. 1,30 €) je Stückaktie – insgesamt 139 Mio € – und den Vortrag des darüber hinausgehenden Betrags von 15 Mio € auf neue Rechnung vor. Soweit sich die Anzahl der 463.473.492 dividendenberechtigten Aktien bis zum Tag der Hauptversammlung ändern sollte, wird der Gewinnverwendungsvorschlag entsprechend angepasst.
| 30.09.2008 | 30.09.2009 | |||
|---|---|---|---|---|
| Immaterielle Vermögenswerte | 47 | 44 | ||
| Sachanlagen | 123 | 226 | ||
| Finanzanlagen | 16.037 | 23.146 | ||
| Anlagevermögen | 16.207 | 23.416 | ||
| Forderungen gegen verbundene Unternehmen | 8.842 | 5.913 | ||
| Übrige Forderungen und sonstige Vermögenswerte | 321 | 90 | ||
| Wertpapiere | 1.073 | 0 | ||
| Flüssige Mittel | 1.202 | 2.876 | ||
| Umlaufvermögen | 11.438 | 8.879 | ||
| Aktiva | 27.645 | 32.295 | ||
| Eigenkapital | 6.715 | 5.231 | ||
| Sonderposten mit Rücklageanteil | 157 | 162 | ||
| Rückstellungen | 560 | 955 | ||
| Anleihen | 1.500 | 2.500 | ||
| Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten | 948 | 1.743 | ||
| Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen | 17.513 | 21.295 | ||
| Übrige Verbindlichkeiten | 252 | 409 | ||
| Verbindlichkeiten | 20.213 | 25.947 | ||
| Passiva | 27.645 | 32.295 |
| 2007/2008 | 2008/2009 | |||
|---|---|---|---|---|
| Beteiligungsergebnis | 1.862 | 599 | ||
| Sonstige betriebliche Erträge | 863 | 395 | ||
| Übrige Aufwendungen und Erträge | – 980 | – 1.635 | ||
| Zinsergebnis | – 381 | – 265 | ||
| Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit | 1.364 | – 906 | ||
| Steuern vom Einkommen und vom Ertrag | – 189 | 24 | ||
| Jahresüberschuss/(-fehlbetrag) | 1.175 | – 882 | ||
| Gewinnvortrag | 34 | 66 | ||
| Entnahme aus der Rücklage für eigene Aktien | 0 | 532 | ||
| Entnahme aus anderen Gewinnrücklagen | 0 | 438 | ||
| Einstellung in die Rücklage für eigene Aktien | – 532 | 0 | ||
| Einstellung in andere Gewinnrücklagen | – 8 | 0 | ||
| Bilanzgewinn | 669 | 154 |
Portfolio weiter optimiert
ThyssenKrupp hat das aktive Portfoliomanagement der vergangenen Jahre auch im Berichtsjahr konsequent fortgesetzt und mehrere Transaktionen durchgeführt.
Zu den wesentlichen Maßnahmen zählte 2008/2009 im Segment Steel die Aufstockung des Minderheitsanteils der brasilianischen Vale an der ThyssenKrupp CSA Siderúrgica do Atlântico von rund 10 % auf insgesamt knapp 27 %. Dieses zusätzliche Engagement wird die bestehende strategische Partnerschaft von ThyssenKrupp und Vale weiter stärken.
Technologies hat durch verschiedene kleinere Portfoliomaßnahmen seine Aktivitäten im Automotive-Bereich weiter optimiert. Außerdem wurde der noch ausstehende Minderheitsanteil von 25 % an der ThyssenKrupp Marine Systems AG erworben, die sich somit nun im alleinigen Eigentum von ThyssenKrupp befindet.
Um den Überkapazitäten im Werftenbereich zu begegnen, wollen ThyssenKrupp Marine Systems und SIAG Schaaf Industrie gemeinsam den Standort Emden der Blohm + Voss Nordseewerke zu einem zukunftsfähigen Hightech-Standort für die Offshore-Technologie ausbauen und so nachhaltig Arbeitsplätze sichern. Ein entsprechender Kaufvertrag wurde unterzeichnet.
Im Oktober 2009 haben ThyssenKrupp Marine Systems und die Abu Dhabi MAR Group eine Absichtserklärung über eine enge strategische Partnerschaft im Überwasser-Marineschiffbau unterschrieben. Die beabsichtigte Kooperation soll die Vermarktungsperspektiven im Überwasser-Marineschiffbau von Blohm + Voss – das sind Fregatten und Korvetten – wesentlich verbessern und zugleich die schiffbauliche Beschäftigung in Deutschland sichern.
Elevator stärkte wiederum durch kleinere Akquisitionen seine weltweite Marktposition im Aufzugsgeschäft.
Das Segment Services hat sich aus strategischen Gründen vom Bereich Industrial Services getrennt. Anfang Oktober 2009 wurde der Verkauf der ThyssenKrupp Industrieservice GmbH an WISAG, einen der führenden deutschen Dienstleistungskonzerne, eingeleitet. Die Transaktion soll im 1. Quartal 2009/2010 vollzogen werden. Außerdem begann der Verkaufsprozess für den nordamerikanischen Gerüstspezialisten Safway.
Seit der Fusion von Thyssen und Krupp sind bis zum Ende des Berichtsjahres Unternehmen mit einem Umsatz von 9,5 Mrd € veräußert und solche mit einem Umsatz von 8,8 Mrd € erworben worden.
Mitarbeiterzahl rückläufig
Die rückläufige Entwicklung in unseren Absatzmärkten und Konzernunternehmen hat sich auch in der Mitarbeiterzahl niedergeschlagen. Am 30. September 2009 beschäftigte ThyssenKrupp weltweit 187.495 Mitarbeiter, 11.879 oder 6 % weniger als zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres. Mit Ausnahme von Elevator, das seine Belegschaftsstärke nahezu halten konnte, gab es in den übrigen Segmenten zum Teil erhebliche Stellenkürzungen.
Besonders stark fiel der Rückgang außerhalb Deutschlands aus. Dort sank die Mitarbeiterzahl um 7 % auf 106.266. Betroffen waren vor allem die Gießereien in Brasilien, die Service-Bereiche der US-amerikanischen Aufzugsgesellschaften sowie das Automobilzuliefergeschäft in Frankreich. In Deutschland verringerte sich die Mitarbeiterzahl um 5 % auf 81.229, unter anderem im Industrieservice-Geschäft und bei den Werkstoffdienstleistungen.
Wie sich die Belegschaften auf die einzelnen Regionen in der Welt verteilen, können Sie im Mitarbeiterkapitel im Einzelnen nachlesen.
Auf Grund geringer Auslastung mussten 2008/2009 viele Konzernunternehmen Kurzarbeit einführen. In Deutschland waren durchschnittlich 12.500 Mitarbeiter betroffen. Hinzu kamen nochmals etwa 7.300 Mitarbeiter im Ausland. Den Schwerpunkt bildete das Segment Steel mit nahezu 8.000 Mitarbeitern, deren Arbeitszeit reduziert war. Zum Geschäftsjahresende konnte die Kurzarbeit im Konzern konjunkturell bedingt zurückgefahren werden.
Absatzmärkte und Marketing
Die EU-Länder waren 2008/2009 wieder der bedeutendste Absatzmarkt für ThyssenKrupp: 62 % unserer Produkte und Dienstleistungen gingen an Kunden in der Europäischen Union. Davon entfiel mehr als die Hälfte auf Deutschland. Der Umsatz mit Kunden in Amerika machte 20 % aus, während die Bedeutung des asiatisch/pazifischen Raums für unser Geschäft zwar zunahm, aber mit einem Anteil von 10 % immer noch gering blieb. Dank unserer stabilen Kundenstruktur bleiben diese Prozentsätze relativ fest, wenn auch die Kunden außerhalb Deutschlands in den letzten fünf Jahren immer wichtiger geworden sind. Wie die unten stehende Grafik zeigt, betrug ihr Anteil am Konzernumsatz 68 %.
| 2004/2005 | 2005/2006 | 2006/2007 | 2007/2008 | 2008/2009 | ||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Deutschland | 14.166 | 15.837 | 18.545 | 19.161 | 13.031 | |||||
| Übrige EU | 12.106 | 13.293 | 16.198 | 16.677 | 12.142 | |||||
| Amerika | 10.002 | 11.609 | 10.218 | 9.706 | 7.858 | |||||
| Asien/Pazifik | 4.164 | 4.123 | 4.146 | 4.852 | 4.341 | |||||
| Übrige Länder | 2.489 | 2.263 | 2.616 | 3.030 | 3.191 | |||||
| Insgesamt | 42.927 | 47.125 | 51.723 | 53.426 | 40.563 |
Auf vielen internationalen Märkten nehmen ThyssenKrupp Unternehmen mit ihren Produkten führende Positionen ein. Hervorragende technische Eigenschaften verbunden mit Wirtschaftlichkeit und zuverlässigem Service haben zahlreiche Kunden von unserer Leistungsstärke überzeugt. Hinzu kommt eine teilweise jahrelange enge Kunden/Lieferanten-Beziehung, in deren Verlauf unsere Techniker auch spezielle Problemlösungen für kundenspezifische Anwendungen entwickelten. Ein Beispiel ist die Automobilindustrie: Ihr wichtiges Ziel – ein geringeres Fahrzeuggewicht – unterstützen wir durch zahlreiche neuentwickelte Leichtbauwerkstoffe und -komponenten.
Marketing-Mix mit Kundenorientierung
Auf Grund unserer Konzernausrichtung als Produzent und Dienstleister von Werkstoffen, Industriegütern und Serviceleistungen stellen Unternehmen einen Großteil unserer Kunden dar. Nur vereinzelte Produkte – etwa Treppenlifte oder Home-Elevator für Wohnhäuser – kaufen Privatkunden direkt von uns. Dadurch sind unsere Zielgruppen zwar in der Regel zahlenmäßig überschaubar, aber gerade deswegen kommunikativ sehr anspruchsvoll. Wir halten Kontakt zu ihnen durch mehrmals im Jahr erscheinende technische Magazine, die über Innovationserfolge im Konzern berichten und neue Trends vorstellen. Zusätzlich vermitteln produktbezogene Dokumentationen all die Daten, die notwendig sind, um über den Einsatz unserer Produkte qualifiziert entscheiden zu können. Wichtig ist auch ein überzeugendes und anspruchsvolles Produktdesign. Internationale Messebeteiligungen und Präsentationen gehören ebenso zur Palette unserer Absatzinstrumente wie eine länder- und kundenbezogene Produktgestaltung, effiziente Vertriebsanstrengungen und individuelle Kundenberatung. Immer wichtiger wird das Internet: Über unsere Website stellen wir Kunden und anderen Geschäftspartnern aktuell und ausführlich unsere Leistungsangebote vor, informieren Aktionäre und Anleger über neue Unternehmensentwicklungen und präsentieren Bewerbern die Karrierechancen in unserem Konzern.
Die am Markt tätigen Konzernunternehmen sind für ihre Marketing-Maßnahmen operativ verantwortlich, so dass wir schnell auf sich ändernde Markttrends reagieren können. Angesichts unserer breiten Produktpalette hat sich dies gegenüber einer zentralen Steuerung des Marketings bewährt.
Schwerpunkte der Konzernkommunikation
Die ThyssenKrupp AG als Konzernholding wendet sich in ihrer Kommunikationsarbeit in erster Linie an die breite Öffentlichkeit, um Themen anzusprechen, die gleichermaßen im Interesse des Konzerns und dem der Allgemeinheit liegen. Unsere Initiative "Zukunft Technik entdecken", die beispielsweise in Fernsehspots, Anzeigen und Zeitungsveröffentlichungen das Technikverständnis in Deutschland förderte, wurde im Berichtsjahr mehrfach ausgezeichnet. Das kommunikative Konzept des IdeenParks wurde zudem mit dem renommierten EFFIE-Award ausgezeichnet, der insbesondere Effizienz und Wirksamkeit von Projekten in den Mittelpunkt der Bewertung stellt. Näheres zu Auszeichnungen finden Sie im Kapitel "Verantwortung und Engagement".
Investitionen
Im Geschäftsjahr 2008/2009 investierte ThyssenKrupp insgesamt 4.238 Mio €, 44 Mio € weniger als im Vorjahr. Davon wurden 4.012 Mio € für Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte ausgegeben, auf den Erwerb von Unternehmen und Beteiligungen sowie auf andere finanzielle Vermögenswerte entfielen die übrigen 226 Mio €. Die Investitionen überschritten die Abschreibungen in Höhe von 1.380 Mio € um 2.858 Mio €.
| 2007/2008 | 2008/2009 | |||
|---|---|---|---|---|
| Steel | 2.596 | 2.593 | ||
| Stainless | 387 | 343 | ||
| Technologies | 763 | 814 | ||
| Elevator | 136 | 135 | ||
| Services | 369 | 210 | ||
| Corporate | 66 | 126 | ||
| Konsolidierung | – 35 | 17 | ||
| Konzern | 4.282 | 4.238 |
Die Investitionen dienten vor allem der Sicherung der Betriebsbereitschaft und unseren strategischen Wachstumsprojekten. Herausragende Einzelprojekte waren die im Bau befindlichen neuen Stahl- und Weiterverarbeitungswerke in Brasilien und den USA.
Durch die stringente Überprüfung aller Investitionsprojekte konnten wir den Anstieg der Netto-Finanzverschuldung im Verlauf des Geschäftsjahres spürbar begrenzen. Zum Geschäftsjahresende lagen die Netto-Finanzschulden mit 2.059 Mio € um 475 Mio € über dem Stand vom 30. September 2008.
Mehr erfahren Sie in den Erläuterungen zur Kapitalflussrechnung im Kapitel "Finanz- und Vermögenslage".
Beschaffung: Volumen stark gesunken
Der Materialaufwand ging – vor allem wegen des Geschäftsrückgangs – um 22 % auf 26,8 Mrd € zurück. Mit 66 % blieb der Anteil am Umsatz jedoch nahezu auf Vorjahreshöhe, da die Preise für Rohstoffe, aber auch für die übrigen Materialgruppen einschließlich Dienstleistungen erst im weiteren Verlauf des Berichtsjahres sanken oder sich parallel zu unseren eigenen Produktpreisen veränderten. Wichtige Einsparungen erzielten wir durch unseren weltweiten Einkauf, wobei die Wirtschaftskrise vielfach das Verhältnis von Angebot und Nachfrage bei Rohstoffen, Waren und Dienstleistungen normalisiert hat. Lieferengpässe waren im Berichtsjahr nicht zu verzeichnen, die Materialversorgung für unsere Werke war zu jeder Zeit sichergestellt.
| 2007/2008 | 2008/2009 | |||
|---|---|---|---|---|
| Steel | 8.514 | 6.632 | ||
| Stainless | 6.096 | 4.256 | ||
| Technologies | 7.626 | 6.705 | ||
| Elevator | 1.657 | 1.768 | ||
| Services | 13.645 | 9.265 | ||
| Corporate | 51 | 40 | ||
| Materialaufwand der Segmente | 37.589 | 28.666 | ||
| Konsolidierung | – 3.131 | – 1.819 | ||
| Konzern | 34.458 | 26.847 |
Hohe Preissenkungen bei Eisenerz
Obwohl die Weltstahlproduktion im Zuge der Wirtschaftskrise zurückgegangen ist und der Erzbedarf entsprechend niedriger war, bleibt die weltweite Nachfrage nach Übersee-Eisenerz 2009 voraussichtlich auf Vorjahresniveau. Die chinesische Stahlindustrie hat nämlich ihre Erzimporte beachtlich gesteigert, während im Inland weniger gefördert wurde. Dennoch gelang es uns 2009, sinkende Jahrespreise zu erreichen – trotz der unverändert hohen Nachfrage aus China und der seit Anfang des Jahres steigenden Spotpreise. Je nach Erzsorte betrug der Rückgang zwischen 28 % und 48 %.
Die Eisenerzbezüge des Segments Steel lagen im Berichtsjahr mit 10,6 Mio t um rund 37 % unter dem Vorjahreswert. Mit 5,1 Mio t kam der größte Teil des Erzes aus Brasilien, gefolgt von Kanada mit 2,3 Mio t und Südafrika mit 1,3 Mio t. Geringere Mengen bezogen wir aus Australien, Mauretanien und Schweden.
Nach dem dramatischen Preisanstieg für Kokskohle im Jahr 2008 – wesentlich durch witterungsbedingte Produktionseinschränkungen verursacht – konnten wir den Preis für die Referenzsorte bei Lieferungen 2009/2010 um 57 % nach unten korrigieren. Entsprechend ermäßigte Preise haben wir auch für Einblaskohlen durchgesetzt.
Wegen der weltweit rückläufigen Nachfrage nach Hochofenkoks haben sich die Notierungen im Verlauf des Berichtsjahres beruhigt. Angesichts positiver Konjunkturmeldungen stiegen die internationalen Preise zwischenzeitlich leicht an; insgesamt blieben die Preise jedoch mit etwas über 400 US-Dollar je Tonne zum Ende des Geschäftsjahres beachtlich unter den Vorjahreswerten.
Die zurückgegangenen Seefrachten für Schüttgüter haben darüber hinaus die Einstandskosten für internationale Rohstoffe gesenkt.
Dramatische Entwicklungen bei Legierungsmetallen
Auf den Beschaffungsmärkten für Legierungen und Metalle sind die Preise wegen des weltweiten Nachfrageeinbruchs überwiegend erheblich gesunken. Die Preisabschläge betrugen bei Massenlegierungen bis zu 60 %. So verzeichnete Ferrosilizium – ein Legierungsmittel für die Herstellung von Stahl – auf dem Höhepunkt der Krise einen Preiseinbruch um mehr als 50 %. Gegen Ende des Geschäftsjahres zog der Preis zwar leicht an, blieb aber immer noch weit vom Vorjahresniveau entfernt.
Molybdän, das insbesondere für die Herstellung hochfester Stähle benötigt wird, verlor in nur sechs Wochen in den Monaten Oktober und November 2008 sogar 70 % seines Wertes, um dann bis zur Mitte 2009 gegenüber dem Tiefstwert doppelt so teuer zu werden. Zum Ende des Berichtsjahres gab es jedoch wieder eine leichte Korrektur nach unten.
Der Preis des an der London Metal Exchange (LME) notierten Metalls Zink – wichtig für den Korrosionsschutz von Stahloberflächen – schwankte im Berichtsjahr weitaus weniger als früher. Während die erste Hälfte des Geschäftsjahres von schwächerer Nachfrage und entsprechenden Notierungen gekennzeichnet war, legten im 2. Halbjahr die Preise wieder zu.
Für das Segment Stainless sind Nickel und Chrom als Legierungsmetalle besonders wichtig. Nickel notierte im Oktober 2008 an der LME im Monatsdurchschnitt vergleichweise schwach mit 12.140 US-Dollar je Tonne. Die Durchschnittsnotierung fiel dann im Dezember 2008 und März 2009 auf weniger als 9.700 US-Dollar je Tonne. Ab April 2009 setzte – trotz hoher Lagerbestände an der LME – ein Aufwärtstrend ein. Der Preis erreichte im August 2009 mehr als 19.600 US-Dollar je Tonne, was auch auf chinesische Zukäufe zurückzuführen war. Zum Ende des Geschäftsjahres zeichnete sich eine Preiskorrektur ab.
Der Quartalspreis von Chrom hatte Mitte 2008 noch auf dem historischen Höchstwert von 2,05 US-Dollar je Pound notiert. Anfang 2009 brach er, bedingt durch schleppende Absatzmengen, um rund 60 % auf 0,79 US-Dollar ein. Es folgten weitere Preissenkungen auf 0,69 US-Dollar, die die Produktion im Hauptlieferland Südafrika fast völlig zum Stillstand brachten. Nachdem die europäischen Lagerbestände Ende Juni 2009 weitgehend abgebaut waren, stieg der Preis im Juli auf 0,89 US-Dollar.
Der Abschwung auf den Stahlmärkten hat auch die Schrottnachfrage in einem bisher unbekannten Ausmaß einbrechen lassen. Der Preis für die Basissorte – Sorte 2 – fiel bis auf 157 € je Tonne im Juni 2009. Das entspricht etwa einem Drittel des im Juni 2008 erreichten historischen Höchstwertes von 426 € je Tonne. Zum Ende des Geschäftsjahres stiegen die Schrottpreise wieder auf über 200 € je Tonne; Grund waren erste Zeichen einer sich erholenden Stahlkonjunktur. Die Preise für legierten Stahlschrott entwickelten sich parallel zu den Preisen der in ihm enthaltenen Legierungsmetalle.
Weitgehend fallende Rohstoffpreise im Verlauf des Geschäftsjahres haben bei den daraus hergestellten Produkten zu niedrigeren Produktpreisen geführt. Dies galt beispielsweise für Stahlbleche und Flachprodukte, aber auch für Rohre, Halbzeug und Stabstahl für Schmiedeteile. Je nach Warengruppe und Materialanteil sanken die Beschaffungspreise um 3 % bis 50 %. Infolge der stark zurückgegangenen Nachfrage nach Hilfs- und Betriebsstoffen sowie Ersatzteilen, Dienstleistungen und Investitionsgütern haben sich diese Märkte im Vergleich zum Vorjahr merklich entspannt. Auch in den Warengruppen Konstruktion und Elektrik waren Überkapazitäten am Markt vorhanden. Die Anzahl der Neubauprojekte im Anlagenbau ging auf weniger als die Hälfte zurück, was die vorher sehr hohe Auslastung der Lieferanten reduzierte. Bei wesentlich kürzeren Lieferzeiten war die Versorgungssituation gut. Die globale Beschaffung, insbesondere in Südostasien und Osteuropa, wurde weiter vorangetrieben.
Professional Performance Management steigert die Effizienz im Einkauf
Der Einkauf hat sich auch im Berichtsjahr weiterentwickelt. Mit der ThyssenKrupp Ausschreibungsplattform wurden mehr als 8.500 Ausschreibungen erfolgreich im Markt platziert. Weltweit haben unsere Einkäufer darüber hinaus über 1.200 Bewertungen von Lieferanten mittels der von uns entwickelten Methode der strategischen Lieferantenbewertung durchgeführt. Darüber hinaus hat unsere Katalogplattform die Kosten für die einzelnen Bestellvorgänge reduziert; 6.800 Nutzer können die benötigten Artikel direkt bei ausgewählten Lieferanten abrufen.
Mehr als 1.000 Mitarbeiter sind inzwischen in den Methoden und elektronischen Tools des Einkaufs geschult. Mit über 1.500 durchgeführten Verbesserungsprojekten konnten wir insgesamt Einsparungen in dreistelliger Millionen-Euro-Höhe erzielen. Weitere Einzelheiten zu unserem Effizienzsteigerungsprogramm ThyssenKrupp best lesen Sie im Kapitel "Unternehmenssteuerung – Ziele und Strategie".
2008/2009 haben wir ein konzernweites Einkaufsreporting- und -controlling-System aufgebaut. Mit dem Einkaufscontrolling können unsere Konzernunternehmen geschäftsspezifische Kennzahlen definieren und in einer Balanced Score Card zusammenfassen. Diese Card ist in fünf Pilotunternehmen in Deutschland und Brasilien entwickelt worden. Parallel dazu haben wir ein Einkaufsreporting geschaffen, das den Einkauf erleichtert und Bündelungspotenziale aufzeigt. Der Einkauf wird damit transparenter, und seine Effizienz lässt sich besser messen.
Transportkosten massiv gesunken
Die Nachfrage nach Transportraum ist im Schiffsverkehr weltweit auf allen Verkehrsmärkten eingebrochen, so dass die Preise vor allem auf den Spotmärkten signifikant zurückgegangen sind. Der Ölpreisverfall hat zudem die Bunkerzuschläge gesenkt. Aber auch im Bahn- und Straßengüterverkehr gingen die Transporte zurück. Allein in Deutschland verlor die Bahn rund 40 % des Transportvolumens, im Straßenbereich betrug der Rückgang 12 %. Hierdurch konnten wir in Verhandlungen mit den Lieferanten unsere Frachtkosten um bis zu 10 % senken. Zusätzliche Kostenvorteile ergaben sich durch fallende Dieselpreise und den Einsatz von Ausschreibungsplattformen sowie durch eine Optimierung der kompletten Beschaffungskette vom Lieferanten bis zum Endkunden.
Die aktuellen Luftfrachtpreise sind wegen der Überkapazitäten und der niedrigeren Ölpreise im Vergleich zum Vorjahr um bis zu 25 % gesunken. Importe nach Europa sind aber nach wie vor teurer als Exporte, speziell in den asiatischen Raum.
Die Situation im Fahrzeugflotten-Management war von dem schwierigen konjunkturellen Umfeld geprägt. Verfallende Fahrzeugrestwerte ließen die Leasingraten steigen; außerdem belasteten zusätzliche Abgaben und Gebühren das Fuhrparkbudget. Nur dank des eigenen unabhängigen Carpool-Systems, der optimierten international einheitlichen Prozessstruktur und der weiteren Volumenbündelung gelang es, gegen den allgemeinen Trend Einsparungen von fast 2,0 Mio € zu erreichen. Insgesamt erzielte unser Fahrzeugflotten-Management in den letzten sechs Jahren Synergien von 18,7 Mio €.
Durch die Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich unsere Situation als Fuhrparkbetreiber deutlich verändert. Konnten wir zu Beginn des letzten Jahres noch über unsere Forderungen mit den Leasinggebern verhandeln, so sehen wir uns jetzt mit deren Forderungen konfrontiert. Besonders im 2. Halbjahr verschärfte sich die Lage auf dem Leasingmarkt: Steigende Zinsen und Refinanzierungsprobleme, verbunden mit erheblichen Restwertkorrekturen, machten den Leasinggesellschaften zu schaffen. Die Multi-Supplier-Strategie gab ThyssenKrupp dabei den Spielraum, einen sprunghaften Anstieg der Leasingraten zu vermeiden.
Im Kraftstoffbereich sanken die erfassten Gesamtkosten um 13 %, und dies trotz einer Erhöhung des Fahrzeugbestands um 257 Fahrzeuge auf jetzt 7.582 Fahrzeuge. Hauptursachen waren sinkende Rohölpreise, leichte Konditionsverbesserungen bei den Mineralölgesellschaften, verbrauchsoptimierte Motoren und konsequenter Einsatz der Tankkarte.
Energie: Sichere Versorgung
Sinkende Preise und geringerer Verbrauch ließen die Energiekosten von ThyssenKrupp im Berichtsjahr zurückgehen. Trotzdem machten uns die steigenden Netzentgelte beim Strom und der eingeschränkte Wettbewerb auf dem Erdgasmarkt zu schaffen. Die Energieversorgung unserer Werke war weltweit sichergestellt.
Schwankende Erdöl- und Erdgaspreise
Im Berichtsjahr haben sich die Energiepreise so stark bewegt wie selten zuvor. Der Ölpreis für ein Barrel Rohöl der Brent-Qualität fiel von 69,19 US-Dollar am 01. Oktober 2008 auf 36,01 US-Dollar am 24. Dezember 2008, um sich anschließend bis Geschäftsjahresende am 30. September 2009 wieder auf 69,07 US-Dollar fast zu verdoppeln. Da die Preise für Erdgas in Deutschland in der Regel zeitverzögert an den Ölpreis gekoppelt sind, fielen auch unsere Aufwendungen für Erdgas. Außerdem ist es uns weitestgehend gelungen, Kosten aus Mindestabnahmeverpflichtungen zu vermeiden, indem wir die Erdgasverträge nachverhandelten; durch die konjunkturell bedingten Produktionskürzungen haben wir weniger Erdgas als geplant benötigt. Positiv ist die Bereinigung der Erdgasmarktgebiete in Deutschland von zwölf auf sechs, die künftig den Wettbewerb auf dem Erdgasmarkt verbessern wird. Trotzdem bleibt die Wettbewerbssituation auf dem deutschen Erdgasmarkt weiterhin unbefriedigend; industriellen Großverbrauchern fehlen immer noch Anbieter von kostengünstigen Bezugsalternativen.
Entwicklung der Strompreise
Der Strompreis in Deutschland hat sich seit Beginn des Berichtsjahres von rund 80 € je Megawattstunde bis zum Frühjahr 2009 fast halbiert. Bis zum Ende des Berichtsjahres hat der Preis wieder leicht zugelegt. Da der Strombedarf als Folge der Wirtschaftskrise unerwartet niedrig war, mussten teilweise bereits eingekaufte, aber letztlich nicht benötigte Strommengen wieder in den Markt zurückverkauft werden – mitunter auch unterhalb der Beschaffungskosten.
Während Strompreise und -bedarf sanken, stiegen die Netzentgelte für Hochspannungsleitungen um mehr als 30 %. Die Aufschläge für die Förderung der erneuerbaren Energien haben sich ebenfalls weiter erhöht und hohe zusätzliche Kosten verursacht. Auch die Stromsteuer und die Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung verteuerten die Strombeschaffung. Leider ist es in Deutschland auch im Berichtsjahr nicht gelungen, günstige Industriestromtarife zu etablieren, wie es in einigen anderen EU-Staaten möglich ist.
In Spanien konnten wir durch ein erfolgreiches Bieterverfahren für den Stromvertrag der nächsten zwei Jahre und durch Versorgerwechsel unsere Kosten gegenüber dem Altvertrag um 4 % senken. Dies gelang, obwohl die Abnahmestruktur wegen der allgemeinen Auftragslage schlechter war.
In Frankreich verlängerte die Regierung den Sondertarif für industrielle Stromkunden, die frühzeitig in den deregulierten, heute aber teureren freien Markt gewechselt sind. Auch unsere Konzernunternehmen profitieren somit bis Mitte 2010 weiter von diesem gegenüber dem Markt günstigeren Tarif.
Erlöse aus Emissionshandel
ThyssenKrupp hat im Kalenderjahr 2008 gemäß den gesetzlichen Vorschriften Emissionsberechtigungen über 21.320.961 t CO2 erhalten; die tatsächlichen Emissionen lagen jedoch nur bei 20.816.320 t. Angesichts der Produktionskürzungen in unseren Werken zur Stahlherstellung im Berichtsjahr dürften die zugeteilten CO2-Emissionsrechte damit für die zweite Handelsperiode des EU-Emissionshandels (2008 – 2012) ausreichen. Teilweise können wir auch Emissionsrechte veräußern oder sie vortragen und für die dritte Handelsperiode (2013 – 2020) verwenden, für die wir eine deutliche Unterdeckung erwarten.
Die Kosten für CO2-Emissionsrechte werden von den Stromerzeugern in den Strompreis vollständig einbezogen. Deshalb liegen die Stromkosten in Deutschland und Europa, auch bei konjunkturbedingt fallenden Preisen, wesentlich höher als in Ländern ohne Emissionshandel. Insgesamt werden alle Erlöse aus dem Emissionshandel durch die höheren Kosten aufgezehrt, die aus der vollständigen Überwälzung von CO2-Kosten in den Strompreis entstehen.
Emissionsminderungen beim neuen Hüttenwerk in Brasilien
In Brasilien haben wir beim Bau des neuen Hüttenwerks drei Projekte unter dem sogenannten "UN Mechanismus für umweltverträgliche Entwicklung" fortgeführt. Es werden die Wärme in der Kokerei zurückgewonnen, das Konvertergas genutzt und in einem hocheffizienten Gas-und-Dampf-Kraftwerk Strom aus Hochofengas und der Kokereiwärme erzeugt. Mit seiner effizienten Gas- und Dampfturbinentechnik im Kraft-Wärme-Kopplungsprozess kombiniert das Kraftwerk die Prinzipien eines Gasturbinen- mit denen eines Dampfkraftwerks und erreicht damit einen sehr hohen Wirkungsgrad. Dieses Kraftwerk wird das erste seiner Art in ganz Amerika sein.
Die Projekte durchlaufen derzeit das vorgeschriebene Verfahren zur UN-Anerkennung. Auf Basis aktualisierter Prognosen werden sie voraussichtlich Emissionen im Volumen von 5,3 Mio t CO2 während der zehnjährigen Laufzeit vermeiden. Nach Anerkennung erhalten wir handelbare Emissionsgutschriften in Höhe dieser Minderung.
Zusammenfassende Bewertung des Vorstands zur wirtschaftlichen Entwicklung und Zielerfüllung
Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat ThyssenKrupp schwer getroffen. Zum ersten Mal seit dem Zusammenschluss von Thyssen und Krupp schlossen wir das Geschäftsjahr mit einem Verlust ab. Neben dem Konjunktureinbruch belasteten uns Sondereffekte in Form von Restrukturierungsaufwendungen, Impairment-Abschreibungen und Projektkosten für die neuen Werke in Brasilien und den USA. Unser Auftragseingang und Umsatz sind erwartungsgemäß beträchtlich zurückgegangen.
Auf die ersten Krisensignale hatten wir frühzeitig reagiert und operative wie strukturelle Maßnahmen eingeleitet. Unser konzernweites Programm ThyssenKrupp PLuS hat Ergebnis und Liquidität verbessert sowie die Kosten und den Finanzbedarf gesenkt. Wir haben den Prozess der Portfolio-Optimierung fortgesetzt und in einzelnen Bereichen wie den Werften oder unseren Automotive-Aktivitäten Restrukturierungsfortschritte erzielt. Zugleich haben wir den Konzern neu organisiert, so dass wir im globalen Wettbewerb künftig noch schneller und flexibler agieren können.
Stabilisierung des Umsatzes geplant
In unseren derzeitigen Planungen für das neue Geschäftsjahr 2009/2010 gehen wir von einer Stabilisierung des Umsatzes aus, da die sich abzeichnende wirtschaftliche Erholung noch fragil ist. Das Ergebnis dürfte sich demgegenüber signifikant verbessern: Wir rechnen derzeit mit einem positiven Bereinigten EBT in niedriger dreistelliger Millionen-Euro-Höhe. Hierzu werden vor allem die eingeleiteten Kostensenkungsprogramme beitragen. In unseren längerfristigen Planungen erwarten wir eine Verbesserung des gesamtwirtschaftlichen Umfeldes. Sobald der Konjunkturmotor wieder anspringt, gilt es, an die erfolgreiche Entwicklung der vergangenen Jahre anzuknüpfen. Dafür haben wir eine solide Basis gelegt.






