Nachtrags-, Chancen- und Prognosebericht
Besondere Ereignisse nach dem Stichtag
Die zwischen dem Stichtag für die ersten 9 Monate des Geschäftsjahres 2007/2008 (30. Juni 2008) und der Freigabe des Berichts zur Veröffentlichung (13. August 2008) eingetretenen besonderen Ereignisse sind unter Anhang-Nr. 12 im Zwischenabschluss dargestellt.
Konjunkturelle Unsicherheiten gestiegen
Die globale Wachstumsdynamik hat sich abgeschwächt. Die Folgen der Finanzmarktkrise, der verhaltene Konjunkturausblick für die USA sowie das weiterhin hohe Energie- und Rohstoffpreisniveau belasten die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Für 2008 wird beim Welt-Bruttoinlandsprodukt ein Plus von weniger als 4 % erwartet, nach 5 % im Jahr zuvor.
Die konjunkturellen Aussichten für die USA haben sich im Hinblick auf den weiteren Jahresverlauf sowie auch für das kommende Jahr eingetrübt. Das im Trend seit Monaten stark rückläufige Konsumentenvertrauen, der schwache Arbeitsmarkt sowie das weiterhin hohe Benzinpreisniveau dürften insbesondere den privaten Verbrauch spürbar belasten. Auch das beschlossene Konjunkturprogramm dürfte nur zeitweise positiv wirken. Aktuelle Konjunkturindikatoren deuten darauf hin, dass sich auch das Wachstum im Euroraum und in Deutschland im weiteren Jahresverlauf verlangsamen wird. Der Kaufkraftentzug durch die höhere Inflation belastet die Konsumneigung, und die Wechselkursentwicklung des Euro schränkt die Exportmöglichkeiten ein. In den sich entwickelnden Ländern Asiens sowie Mittel- und Osteuropas bleibt die Wachstumsdynamik trotz höherer Preise weiterhin relativ hoch.
In den wichtigen Märkten gehen wir von folgenden Entwicklungen und Chancen für ThyssenKrupp aus:
- Für das Jahr 2008 rechnen wir unverändert mit einer Zunahme der globalen Stahlmarktversorgung um knapp 7 %. Das Wachstum wird weiter in hohem Maß von China und anderen Schwellenländern getragen werden, aber auch die meisten übrigen Regionen dürften sich anhaltend positiv entwickeln. Für das laufende Jahr gehen wir von einem Anstieg der Weltrohstahlproduktion auf 1,43 Mrd t aus. In unserem europäischen Kernmarkt, der vor dem Hintergrund der gestiegenen globalen Risiken in den ersten Monaten 2008 überraschend robust blieb, deuten alle Anzeichen auf einen weiter steigenden Stahlverbrauch hin, wenn auch die hohen Wachstumsraten der beiden Vorjahre unterschritten werden. Die Entwicklung der Stahlpreise wird weiterhin maßgeblich von den hohen Rohstoff- und Energiekosten bestimmt und dürfte weitere Anpassungen nach sich ziehen.
- Die Nachfrage nach Edelstahl-Rostfrei-Produkten bleibt ungebrochen. Der globale Verbrauch von rost-, säure- und hitzebeständigen Kaltflachprodukten wird im Jahr 2008 – nach einem leichten Rückgang im Vorjahr – voraussichtlich um rund 8 % wachsen. Für die kommenden Monate ist jedoch wegen der Sommerpause von einer saisonal bedingt geringeren Marktnachfrage auszugehen.
- Die Fahrzeugproduktion wird 2008 weltweit auf Grund der Zuwächse in den sich entwickelnden Ländern Asiens und den Staaten Mittel- und Osteuropas weiter expandieren. In den USA führt die schwache Nachfrage in diesem Jahr zu einem erheblichen Produktionsrückgang, von dem vor allem die größeren Fahrzeuge mit hohem Benzinverbrauch betroffen sind. In Japan und Westeuropa bleibt die Fahrzeugproduktion weitgehend stabil. Auch der deutsche Fahrzeugbau wird mit rund 6 Mio Personen- und Nutzfahrzeugen nahezu an die Produktionszahlen des Vorjahres anknüpfen können.
- Die nachlassende globale Wachstumsdynamik beeinträchtigt die Entwicklung im Maschinenbau. In den USA führt die niedrigere Inlandsnachfrage zu einem Rückgang der Maschinenbauproduktion. Der deutsche Maschinenbau einschließlich des Großanlagenbaus wird auch 2008 auf Grund der hohen Auftragsbestände wachsen; allerdings lässt die Wachstumsdynamik nach. Ein hohes Wachstum wird weiterhin für den Maschinenbau in China erwartet.
- Das Wachstum der globalen Bauwirtschaft wird auch 2008 von den Emerging Markets in Asien sowie in Mittel- und Osteuropa getragen. In den USA führen rückläufige Immobilienpreise und die geringere Wohnungsbaunachfrage zu einem Rückgang der Bautätigkeit. Für die deutsche Bauindustrie ist vor allem dank einer positiven Entwicklung im Wirtschaftsbau mit einer stabilen Entwicklung zu rechnen.
Ausblick stabil
Ergebnis und Umsatz: Für das Geschäftsjahr 2007/2008 planen wir ein Ergebnis vor Steuern von über 3,2 Mrd € vor Sondereffekten, unter anderem Vorlaufkosten für die Stahlwerke in Brasilien und den USA. Zudem gehen wir nach derzeitigem Stand von einem Umsatz in Höhe von insgesamt 53 Mrd € aus. Wir verzeichnen in Teilen einzelner Business Units unseres US-Geschäfts – Mechanical Components, Materials Services North America – Auswirkungen der Eintrübung der Konjunkturperspektiven. Gleichzeitig belasten die gestiegenen Rohstoffpreise.
Bei den Erwartungen für das Konzernergebnis ist zu berücksichtigen, dass im Segment Steel die stark gestiegenen Rohstoffkosten – insbesondere bei Eisenerz und Kokskohle – auf Grund unserer Kontraktstruktur im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich nicht in vollem Umfang an unsere Kunden weitergegeben werden können. Die Nachfrage nach unseren Stahlprodukten entwickelt sich weiterhin sehr erfreulich, was sich auch in weiter steigenden Preisen äußert. Unsere Erwartungen eines weiteren guten Stahljahres bestätigen sich voll.
Im Segment Stainless entwickeln sich die Basispreise verhaltener als bislang erwartet. Die Nachfrage unserer Endkunden ist stabil, die Service-Center agieren auf Grund der Entwicklung beim Nickelpreis zögerlich. Wegen des schwachen US-Dollar sind Anzeichen weiterer Importe aus dem US-Dollar-Raum zu erkennen, die die Preise in der zweiten Jahreshälfte dämpfen könnten. Dennoch erwarten wir einen weiteren positiven Ergebnisbeitrag.
Bei Technologies profitieren wir nach wie vor insbesondere vom Aufbau der Infrastruktur und der Urbanisierung in den Wachstumsregionen der Welt. Unser hoher Auftragsbestand, der bis weit in die Folgejahre reicht und eine steigende Ergebnisqualität verzeichnet, verleiht uns große Planungssicherheit.
Das Segment Elevator leistet dank seines hohen Dienstleistungsanteils nach wie vor einen sehr stabilen Ergebnisbeitrag.
Services profitiert vom steigenden Materialbedarf in den Wachstumsregionen. Durch die weiter stark zunehmenden Rohstoff- und Werkstoffpreise erwarten wir im Verlauf des Geschäftsjahres eine weiter sehr erfreuliche Ergebnisentwicklung.
Für 2008/2009 erwarten wir eine weiterhin positive Umsatzentwicklung, sofern nicht unvorhersehbare konjunkturelle Einbrüche unsere Geschäfte beeinträchtigen. Eine positive Umsatzentwicklung wird sich auch im Ergebnis niederschlagen.
Mittelfristig streben wir für ThyssenKrupp ein Umsatzniveau von 60 Mrd € an; gleichzeitig soll das Ergebnis vor Steuern und Sondereffekten nachhaltig 4 Mrd € erreichen. Längerfristig, insbesondere nach der Inbetriebnahme des neuen Brammenwerks von Steel in Brasilien und des neuen Stahl- und Weiterverarbeitungswerks von Steel und Stainless in den USA sowie der Investitionen der anderen Segmente in weiteren Regionen, erwarten wir einen Umsatz in der Größenordnung von 65 Mrd € und ein Ergebnis vor Steuern und Sondereffekten von 4,5 bis 5,0 Mrd €.
Mitarbeiter: Nach unseren Planungen wird die Zahl der Mitarbeiter bis Ende des Geschäftsjahres mehr als 198.000 betragen. Die Zunahme wird wegen der weiteren Internationalisierung des Konzerns in erster Linie in unseren ausländischen Betrieben stattfinden; aus diesem Grund wächst der Auslandsanteil an der Belegschaft.
Innovationen: Für das Berichtsjahr planen wir, für Innovationen im Bereich neuer Produkte, Verfahren und Dienstleistungen insgesamt mehr als 800 Mio € aufzuwenden. Zum weiteren Ausbau unserer hohen Innovationskompetenz werden wir verstärkt Naturwissenschaftler und Ingenieure einstellen.
Beschaffung: Der Bezug von Eisenerzen hat sich verteuert; auch Kokskohle, Chrom und Schrott bleiben auf hohem Preisniveau. Bei einigen wenigen Rohstoffen, z.B. Zink und Nickel, ist zwar ein grundsätzlich fallender Marktpreistrend zu beobachten, der aber – wie beim Nickel – immer wieder durch leichte kurzfristige Ausschläge nach oben unterbrochen wird. Die Versorgung mit Produkten, Dienstleistungen und Rohstoffen ist über Verträge und langfristige Lieferbeziehungen gesichert. Wir gehen weiterhin davon aus, dass der Materialaufwand 2007/2008 mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmachen wird.
Energie: Wir erwarten weiter steigende Beschaffungskosten für Öl, Erdgas und Strom. Durch Rationalisierungen bei der Energieverwendung, Optimierungen in der Beschaffung sowie langfristige Preisabsicherungen sollen die Kostenerhöhungen gedämpft werden.
