Nachtrags-, Chancen- und Prognosebericht
Besondere Ereignisse nach Quartalsende
Die zwischen dem Quartalsstichtag (31. Dezember 2007) und der Freigabe zur Veröffentlichung (07. Februar 2008) eingetretenen besonderen Ereignisse sind unter Anhang-Nr. 13 im Zwischenabschluss dargestellt.
Globales Wirtschaftswachstum verlangsamt
Für 2008 erwarten wir ein etwas schwächeres Wachstum des Welt-Bruttoinlandsprodukts als im Vorjahr. Das Risiko einer stärkeren Abkühlung im Jahr 2008 hat allerdings, insbesondere ausgehend von der Hypothekenkrise in den USA und steigenden Rohstoffpreisen, spürbar zugenommen.
In den USA führen die schwierige Lage am Wohnimmobilienmarkt, die geringere Investitionsdynamik und der sich abschwächende private Verbrauch zu einem rückläufigen Wirtschaftswachstum. Während im ersten Halbjahr 2008 eine Rezession nicht auszuschließen ist, wird im Verlauf des zweiten Halbjahres mit einer allmählichen konjunkturellen Besserung gerechnet. Im Euroraum und in Deutschland bleibt die Konjunktur aufwärts gerichtet, auch wenn sich das Wachstum abkühlt. Während sich der Außenbeitrag auf Grund des starken Euro und der leichten Verlangsamung der Weltkonjunktur verringert und auch die Investitionen etwas langsamer wachsen, ist mit einer arbeitsmarktbedingten Erholung des privaten Verbrauchs zu rechnen. Ein anhaltend hohes Wachstum erwarten wir weiterhin von den sich entwickelnden Ländern in Asien sowie in Mittel- und Osteuropa.
In den wichtigen Märkten gehen wir von folgenden Entwicklungen und Chancen für ThyssenKrupp aus:
- Die Perspektiven für den Weltstahlmarkt bleiben weiterhin günstig. Insbesondere die Nachfrage aus China, Indien und der GUS wird auch in den nächsten Jahren überdurchschnittlich zunehmen. Doch auch in den übrigen Regionen dürfte es Zuwächse geben. Die globale Weltstahlmarktversorgung wird 2008 voraussichtlich um knapp 7 % steigen; dies entspricht einem Anstieg der Rohstahlproduktion auf gut 1,4 Mrd t. Der Rohstoff- und Energiebedarf wird ebenfalls weiter wachsen und – insbesondere über steigende Preise – die Kosten der Stahlerzeugung beeinflussen. Die europäische Stahlindustrie erwartet für das Jahr 2008 eine Stabilisierung der Stahlkonjunktur auf hohem Niveau. Einen Unsicherheitsfaktor stellt die künftige Entwicklung der Drittlandsimporte der EU dar. Wir gehen aber davon aus, dass der Importdruck – insbesondere aus China – etwas nachlassen wird.
- Der Markt für Edelstahl Rostfrei dürfte sich in den kommenden Monaten weiter erholen. Die im Verlauf des 4. Quartals 2007 in Europa eingetretene Trendwende mit wieder steigenden Auftragseingängen und Basispreisen wird sich weiter fortsetzen und zu einer höheren Auslastung der Werke führen. Das sich bessernde Marktumfeld war Anlass für Anhebungen der Basispreise Ende 2007; im weiteren Jahresverlauf sollen weitere Preiserhöhungen folgen.
- Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird weiter zunehmen. Das Produktionswachstum stammt überwiegend aus den sich entwickelnden Ländern Asiens und den Staaten Mittel- und Osteuropas. Die Produktion in Westeuropa und den USA wird eher stagnieren. Der deutsche Fahrzeugbau dürfte mit knapp 6 Mio Personen- und Nutzfahrzeugen nicht ganz die Rekordproduktion von 2007 erreichen.
- Die Maschinenbaukonjunktur wird sich 2008 in den Industrieländern abschwächen. In den USA ist wegen der nachlassenden Investitionsdynamik ein leichter Rückgang nicht auszuschließen. In Westeuropa werden die hohen Wachstumsraten des vergangenen Jahres nachgeben. Für Deutschland rechnen wir 2008 dank der guten Auftragsentwicklung mit einer spürbaren Zunahme der Maschinenbauproduktion. Positiv bleibt auch die Lage im Großanlagenbau.
- Die globale Bauwirtschaft wird weiterhin von den Emerging Markets in Asien und in Mittel- und Osteuropa getragen. Die US-Bauproduktion wird dagegen wegen der schwachen Entwicklung im privaten Wohnungsbau leicht zurückgehen. Die deutsche Bauindustrie kann sich insbesondere auf Grund eines robusten Wirtschaftsbaus und eines anziehenden öffentlichen Baus weiter stabilisieren.
Ergebnisausblick stabil
Ergebnis: Für 2007/2008 planen wir ein Ergebnis vor Steuern – vor wesentlichen Sondereffekten, unter anderem Vorlaufkosten für die Stahlwerke in Brasilien und den USA – von über 3 Mrd €. Für das laufende Geschäftsjahr gehen wir nach derzeitigem Stand von einem Umsatz in Höhe von insgesamt 53 Mrd € aus. Für 2008/2009 erwarten wir eine weiterhin positive Umsatzentwicklung, sofern nicht unvorhersehbare konjunkturelle Einbrüche unsere Geschäfte beeinträchtigen. Eine positive Umsatzentwicklung wird sich auch im Ergebnis niederschlagen.
Mittelfristig streben wir für ThyssenKrupp ein Umsatzniveau von 60 Mrd € an; gleichzeitig soll das Ergebnis vor Steuern und wesentlichen Sondereffekten nachhaltig 4 Mrd € erreichen. Längerfristig, insbesondere nach der Inbetriebnahme der Stahlwerke von Steel und Stainless in Nordamerika sowie der Investitionen der anderen Segmente in weiteren Regionen, erwarten wir einen Umsatz in der Größenordnung von 65 Mrd € und ein Ergebnis vor Steuern und wesentlichen Sondereffekten von 4,5 bis 5,0 Mrd €.
Mitarbeiter: Wir erwarten bis Ende des Geschäftsjahres einen weiteren Belegschaftsanstieg auf über 196.000 Mitarbeiter. Angesichts der Internationalisierung des Unternehmens wird die Zahl der Arbeitsplätze fast ausschließlich im Ausland zunehmen.
Forschung und Entwicklung: Für das laufende Geschäftsjahr rechnen wir mit einem Forschungs- und Entwicklungsaufwand von mehr als 800 Mio €. Die Schwerpunkte liegen in der Entwicklung neuer Produkte und Verfahren bei Werkstoffen und Industriegütern. Außerdem werden wir unser Dienstleistungsangebot weiterentwickeln.
Beschaffung: Der Materialaufwand wird 2007/2008 mehr als die Hälfte des Umsatzes betragen. Gründe sind die hohen Rohstoffpreise und der Zukauf komplexerer Produkte und Dienstleistungen. Wir erwarten keine Versorgungsengpässe.
Energie: Im laufenden Geschäftsjahr dürften die Preise für Öl, Erdgas und Strom weiter steigen. Wir begegnen diesem Trend durch kostengünstige langfristige Abnahmeverträge und weitere Rationalisierungen im Energieeinsatz.




