Nachtrags-, Chancen- und Prognosebericht
Die Auswirkungen der internationalen Finanzkrise auf die Realwirtschaft lassen sich zurzeit nur unzureichend abschätzen. Für das Jahr 2009 steht ein deutlicher konjunktureller Einbruch bevor, von dem auch die bisherigen Wachstumsmärkte und unsere Abnehmerbranchen betroffen sein werden. Die konsequente, langfristig ausgerichtete Portfoliooptimierung versetzt uns in die Lage, Schwächephasen zu meistern und unsere langfristigen Ziele beizubehalten.
Besondere Ereignisse nach Bilanzstichtag
Berichtspflichtige Ereignisse lagen nicht vor.
Konjunkturausblick
Weltwirtschaft in der Rezession
Die internationale Finanzkrise wird die konjunkturelle Entwicklung auf den Güter- und Dienstleistungsmärkten 2009 erheblich belasten. Nach 3,7 % im Jahr 2008 wird das Welt-Bruttoinlandsprodukt 2009 nur noch um weniger als 3 % zulegen. Die Weltwirtschaft befindet sich damit 2009 in einer Rezession. Inwieweit die im Oktober 2008 von der US-amerikanischen und den europäischen Regierungen eingeleiteten Hilfsmaßnahmen die Finanzmärkte stützen, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht einzuschätzen. Im Jahr 2010 könnte sich das Wachstum der Weltwirtschaft wieder moderat beschleunigen.
In den USA dürfte sich die Schwäche der binnenwirtschaftlichen Nachfrage 2009 fortsetzen. Die Finanz- und Immobilienkrise und die nachlassende Dynamik am Arbeitsmarkt werden den privaten Verbrauch belasten. Auch die bislang konjunkturstützenden Exporte werden auf Grund der globalen Konjunkturschwäche und des wieder stärkeren US-Dollar an Dynamik verlieren. In der Folge werden die Unternehmen ihre Investitionen kürzen.
Im Euroraum haben sich die Konjunkturaussichten für 2009 deutlich verschlechtert. Die Finanzkrise wirkt sich negativ auf das Konsum- und Investitionsverhalten aus. Die Unsicherheit bei den Verbrauchern sowie eine geringere Arbeitsmarktdynamik belasten den privaten Verbrauch. Die Exporte dürften 2009 allenfalls moderat wachsen. In Deutschland werden die Unternehmensinvestitionen vor dem Hintergrund der schwächeren Industriekonjunktur sinken.

Auch die Emerging Markets Asiens sowie Mittel- und Osteuropas können sich nicht von den Folgen der Finanzkrise abkoppeln und werden 2009 deutlich schwächer wachsen. In China und Indien wird sich das Wachstumstempo des privaten Verbrauchs und der Investitionen merklich verlangsamen. Auch in den meisten Ländern Mittel- und Osteuropas wird sich die Nachfrage abschwächen. In Russland sind die Unternehmen zunehmend von einer starken Zurückhaltung bei der Kreditvergabe der Banken betroffen.
Perspektiven in bedeutenden Absatzmärkten
Vor dem Hintergrund der internationalen Finanzkrise ist die Unsicherheit hinsichtlich der weiteren Entwicklung in wichtigen Absatzmärkten erheblich gestiegen. Die Probleme im Finanzsektor belasten spürbar die Realwirtschaft.
Im Einzelnen gehen wir in den für ThyssenKrupp relevanten Kundenmärkten von den folgenden Entwicklungen aus:
Auf dem Weltstahlmarkt wird sich das bisher hohe Wachstum verlangsamen. Insbesondere in Europa, Nordamerika und Japan wird die Stahlnachfrage vor dem Hintergrund der verschlechterten Aussichten für die Gesamtkonjunktur im kommenden Jahr geringer ausfallen. Bei den Rohstoffpreisen hat es zuletzt eine gewisse Entlastung gegeben, die Nachhaltigkeit dieser Entwicklung ist aber derzeit noch nicht abzusehen. In Europa gehen zusätzliche Risiken von den zuletzt wieder deutlich gestiegenen Importen aus Drittländern aus.
Im Markt für Edelstahl-Rostfrei reduzieren sich zu Beginn des Geschäftsjahres 2008/2009 die hohen Lagerbestände bei Händlern und Service-Centern wieder schrittweise. Vor dem Hintergrund der Preisrückgänge bei Legierungsmetallen, insbesondere bei Nickel, sowie der Rezessionsängste bleibt die Buchungstätigkeit verhalten. Erschwerend kommen die wieder stark zugenommenen Importe aus Asien hinzu. Vor diesem Hintergrund wird sich die rückläufige Preisentwicklung der Rohstoffe negativ auswirken.
Die Entwicklung auf dem internationalen Fahrzeugmarkt ist derzeit nicht vorhersehbar. Ein Produktionswachstum wird allenfalls nur noch in den Emerging Markets Asiens und Mittel- und Osteuropas erzielt, während in Westeuropa und dem Nafta-Raum die Produktionszahlen nochmals zurückgehen werden. China wird voraussichtlich mit einer Stückzahl von nahezu 10 Mio produzierten Fahrzeugen die USA als zweitgrößten Produzenten nach Japan ablösen. Die westeuropäischen Automobilhersteller werden 2009 die Stückzahlen des Vorjahres nicht erreichen, wobei in Deutschland mit einem Rückgang um mindestens 2 % auf unter 6 Mio produzierte Personen- und Nutzfahrzeuge zu rechnen ist.
Die weltweit abgeschwächte Investitionsgüternachfrage wird 2009 in vielen Ländern den Maschinenbau belasten. In den USA und in Japan wird wegen fehlender Impulse aus dem Binnenmarkt mit einer Stagnation gerechnet. In Deutschland ist nach Jahren boomender Nachfrage ein Rückgang zu erwarten. China wird voraussichtlich weiterhin hohe Wachstumsraten aufweisen, allerdings hat sich auch hier die Dynamik deutlich abgeschwächt.
Die globale Bauproduktion wird 2009 nur noch von den Emerging Markets in Asien sowie in Mittel- und Osteuropa gestützt. In den USA gibt die Bautätigkeit wegen der Immobilienpreisentwicklung und schwacher Wohnungsbaunachfrage nochmals nach. Im Euroraum und in Deutschland wird allenfalls eine stagnative Entwicklung erwartet.
Chancenbericht: Qualität als Erfolgsfaktor
Die Strategie, sich als Premiumanbieter auf dem Weltmarkt zu positionieren, öffnet ThyssenKrupp Chancen, nach Überwindung des Konjunktureinbruchs wieder langfristig solide und profitabel zu wachsen. Durch Produktqualität und Innovation wollen wir bei hoher Produktivität unserer Werke die Ertragsstärke des Konzerns weiter ausbauen. Gerade die gestiegenen Anforderungen der Kunden können uns zusätzliche Aufträge bringen, da wir im Qualitätswettbewerb gut abschneiden. Auf allen Produktfeldern – ob geräuscharme U-Boote, Hochleistungswerkstoffe wie Edelstahllegierungen oder besonders umweltverträgliche Industrieanlagen – erfüllen unsere Erzeugnisse sehr hohe Leistungsstandards.
Detailliertes Chancenmanagementsystem
Mit einem umfassenden Managementsystem auf allen Ebenen des Konzerns identifizieren und nutzen wir die Chancen, die sich ThyssenKrupp bieten. Im Mittelpunkt stehen die am Markt tätigen Segmente, deren operative Business Units die Trends ihrer Teilmärkte beobachten und auf mögliche Chancen hin untersuchen. Zeichnen sich lukrative Projekte ab und sind die damit verbundenen Risiken gegenüber einem möglichen Erfolg vertretbar, entscheiden die Segmente, ob und wie die Vorhaben am besten umzusetzen sind. Sie greifen dabei auf den strategischen Rahmen des Konzerns zurück, der Finanzierung und Liquidität sichert sowie wesentliche Dienstleistungen für die operativen Unternehmenseinheiten anbietet.
Chancenmanagement ist bei uns Teamarbeit: Projektverantwortliche, Geschäftsführungen und Vorstände entscheiden, wie strategische Chancen am besten zu nutzen sind. Bei segmentübergreifenden Projekten oder Vorhaben mit herausragender Bedeutung für ThyssenKrupp insgesamt ist der Konzernvorstand verantwortlich.
Über Einzelheiten unserer Unternehmensplanung, die erwarteten Entwicklungslinien und Ziele informiert Sie das Kapitel "Unternehmenssteuerung – Ziele und Strategie". Auf die Risiken für den Konzern gehen wir ausführlich im Risikobericht ein.
Chancenreiche Segmente
Steel: Unser Segment Steel konzentriert sich auf das Marktsegment des hochwertigen Qualitätsflachstahls und ist damit im Kernmarkt Europa erfolgreich aufgestellt. Intelligente Werkstofflösungen, produktspezifische Anarbeitung, Dienstleistungen und umfassender Service bis zum fertigen Bauteil prägen unsere Marktchancen. Die ständig weiterentwickelten Stahlgüten sichern uns einen wichtigen Wettbewerbsvorteil. Unsere transatlantische Wachstumsstrategie stärkt zugleich unsere Position auf den großen Stahlverbrauchsmärkten Europa und Nordamerika. Wir unternehmen intensive Marketingmaßnahmen einschließlich vieler direkter Kontakte zu bisherigen und neuen Kunden, damit die erweiterten und verbesserten Kapazitäten vom Markt angenommen werden.
Durch geänderte Laufzeiten der Verträge mit unseren Kunden werden wir künftig Verteuerungen bei Rohstoffen und Energie zeitnäher weitergeben können. Bisher hatten wir einen hohen Anteil an Jahreskontrakten, die überwiegend kalenderjahrbezogen waren, so dass sich bei dramatischen Rohstoffkostenerhöhungen der Effekt gestiegener Stahlpreise erst zeitlich verzögert in den Durchschnittserlösen niederschlug. In Gesprächen mit unseren Kunden konnten wir jedoch im letzten Quartal 2007/2008 die Jahresverträge mit geänderten Laufzeiten und höheren Preisen an die gestiegenen Rohstoffkosten anpassen. Sie orientieren sich nun zeitlich an den Verträgen, die wir mit unseren Rohstofflieferanten abschließen, so dass wir künftig zeitnah auf geänderte Rohstoffpreise reagieren können.
Stainless: Das Segment Stainless hat sich als Spezialist für hochleistungsfähige Werkstoffe profiliert. Mit rostfreiem Stahl, Nickellegierungen und Titanerzeugnissen nutzt es die Chancen auf dem Markt für hochwertige Werkstoffe. Der Bau des neuen Werkskomplexes im US-Bundesstaat Alabama verstärkt im Verbund mit dem bestehenden Kaltwalzwerk in Mexiko die Position des Segments im nordamerikanischen Rostfrei-Markt.
Immer wichtiger werden Dienstleistungen, die es den Kunden erlauben, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren und andere Funktionen auf Stainless zu verlagern. Wir wollen deshalb unser Dienstleistungsangebot weltweit ausbauen und unser Netz von Vertriebs- und Service-Centern enger knüpfen. Erhebliche Chancen für uns liegen darin, den Kunden Problemlösungen zu liefern, produktbegleitende Dienstleistungen anzubieten sowie kundennah präsent zu sein. Mit dieser Dienstleistungsoffensive können wir unsere Wertschöpfungstiefe verbessern.
Technologies: Für das Segment Technologies liegen wesentliche Chancen in den Megatrends Rohstoffe, Umwelt, Energie, Sicherheit, Infrastruktur, Ernährung und in den wachsenden Regionen der Emerging Markets. Hier kann das Segment seine technologischen, planerischen und innovativen Stärken für seine Kunden einsetzen. Wir wollen dazu in leistungsstarken Geschäftsfeldern die Marktführerschaft durch leistungsfähige und kostenoptimal hergestellte Produkte übernehmen, technologisch die Spitze des Fortschritts mit definieren und innovative Produkte mit hohem Kundennutzen entwickeln.
Regional sehen wir Chancen beispielsweise im gesamten Raum Asien/Pazifik. Technologies baut daher weitere Kapazitäten in Indien und China auf. Ein besonderer Schwerpunkt ist der Nahe Osten einschließlich Nordafrika. Dank der großen Erdöl- und Erdgasreserven kann diese Region erheblich in den Aufbau verschiedener Industrien investieren und nutzt dafür auch die Expertise unserer Anlagenbauer. Um diesen Markt intensiver zu bearbeiten, haben wir in Dubai das neue ThyssenKrupp Technologies TechCenter Middle East eröffnet. Von diesem Standort sind in einem Umkreis von fünf Flugstunden mehr als fünf Milliarden Menschen erreichbar.
Erhebliche Chancen bringt langfristig auch unser spezialisiertes Dienstleistungsgeschäft. Technologies will den Umsatz in diesem Bereich um rund 30 % steigern.
Elevator: Für Aufzüge, Fahrtreppen, Fahrsteige, Fluggastbrücken sowie Treppen- und Plattformlifte ist unser Segment Elevator einer der führenden Hersteller und Serviceanbieter weltweit. Angeboten wird eine breite Palette leistungsfähiger Produkte – von Standardanlagen über individuelle Kundenlösungen bis hin zu Service-, Wartungs- oder Modernisierungspaketen. Vor allem neue Produktentwicklungen wie der TWIN-Aufzug eröffnen dem Segment gute Chancen rund um die Mobilität. Mit dem TurboTrack hat Elevator ein innovatives Produkt für den horizontalen Personentransport entwickelt. Dieses Highspeed-System verfügt über drei Geschwindigkeitszonen und befördert Personen erheblich schneller als herkömmliche Anlagen. Strategische Chancen erwartet Elevator durch eine weitere Optimierung des weltweiten Niederlassungs- und Servicenetzes sowie durch zusätzliche Wartungsaufträge für bestehende Personenbeförderungsanlagen. Außerdem wollen wir uns in den internationalen Wachstumsregionen verstärkt engagieren. Gutes Marketing und intensive Informationen für Bauherren und Architekten werden dort die Stärken unserer Produkte in Wirtschaftlichkeit, Technik und Design gezielt herausstellen.
Services: In einem fokussierten Strategiekonzept sieht das Segment Services wichtige Chancen, sein Kerngeschäft mit Werk- und Rohstoffdienstleistungen zu intensivieren. Zielgruppe sind internationale Kunden, die die Fachkompetenz unserer Experten nutzen wollen. Die Bandbreite unserer Leistungen reicht von der reinen Materiallieferung bis zu komplexen Supply-Chain-Management-Lösungen. Bei diesen übernehmen wir für unsere Geschäftspartner die gesamte Materialversorgung – also Bestellung, Qualitätskontrolle und Logistik einschließlich der Anlieferung just-in-time in den Produktionshallen der Kunden. Bei Special Products sehen wir spezielle Wachstumschancen im Asien- und Osteuropa-Geschäft. Die Stärke unseres Produktprogramms ist seine Vielfalt; es umfasst sowohl bautechnische Erzeugnisse für den Hochwasserschutz als auch metallurgische Produkte, NE-Metalle, Mineralien oder Technische Gase.
Wichtige leistungswirtschaftliche Chancen
In Beschaffung, Produktion und weiter verbessertem Marketing sehen wir wichtige Möglichkeiten, das Geschäft von ThyssenKrupp ertragsstark auszuweiten. Neu eingeführte elektronische Beschaffungsmethoden können sowohl uns als auch unseren Lieferanten die Abwicklung der Einkäufe leichter machen. Maßnahmen wie Online-Ausschreibungen, Auktionen oder Catalog Ordering haben sich bereits bewährt. Jetzt kommt es darauf an, weltweit möglichst viele Partner für diese Möglichkeiten zu gewinnen.
In der Produktion werden sich die in den letzten Jahren weiter verbesserten Verfahren auswirken, die die Qualität der Produkte erhöhen und zugleich die Kosten senken bzw. gleich halten. Gerade im Stahlbereich sind neue Verfahren hinzugekommen, wie das innovative Fertigungsverfahren für die Feuerverzinkung von Mehrphasenstählen oder die Verbindung von nichtrostendem Edelstahl mit Qualitätsstahl zu Tailored Products.
Im Anlagenbau kann unsere neue Technologie zur Polymilchsäureproduktion Marktchancen eröffnen. Polymilchsäure ist der Ausgangsstoff für einen biologisch abbaubaren Kunststoff, der dank seiner hervorragenden Qualität auch für Verpackungen und Flaschen eingesetzt wird.
Bei Aufzügen sowie Fahrtreppen und -steigen streben wir weitere Standardisierungen der einzelnen technischen Komponenten an. Gleichzeitig wollen wir unsere Produkte noch stärker nach den speziellen Wünschen unserer Kunden konzipieren. Heutzutage sollen beispielsweise Aufzüge und Fahrtreppen dem architektonischen Charakter eines Gebäudes wichtige Akzente verleihen und zugleich in besonderem Maße wirtschaftlich sein. Viele Kunden wählen deshalb Hightech-Produkte wie unseren TWIN-Aufzug oder entscheiden sich für unser energiesparendes Beleuchtungskonzept.
Bei Services sehen wir spezielle leistungswirtschaftliche Chancen in einer weiteren Optimierung des kundennahen Marketings unserer Werkstoffdienstleistungen. Für den Offshore-Bereich haben unsere Ingenieure die angebotenen Baudienstleistungen verbessert. Es handelt sich um eine besonders leistungsfähige Vibrationstechnik, um Pfeiler in den Untergrund zu rammen. Dies kann zu zusätzlichen Aufträgen führen.
Nachwuchskräfte als Chancenträger
Angesichts eines künftig befürchteten Nachwuchsmangels an Fach- und Führungskräften nutzen wir alle Chancen, qualifizierte Schul- oder Hochschulabsolventen auf die Karriereaussichten im Konzern aufmerksam zu machen. Es hat sich bewährt, Studierende unterschiedlicher Fachrichtungen zu Messen einzuladen, auf denen ThyssenKrupp mit seinen Produkten und Prozesslösungen vertreten ist. Neben einer guten Einführung in das Leistungsprogramm können die Studierenden einen persönlichen Einblick in den Berufsalltag beispielsweise eines Ingenieurs gewinnen.
Ein anderer Weg sind Kontakte leistungsstarker und hoch motivierter Hochschulabsolventen zu Fach- und Führungskräften sowie zu zahlreichen Trainees aus dem Konzern, um sich über einen Einstieg in den Konzern zu informieren. Über 270 Hochschulabsolventen hatten sich beispielsweise für den 1. ThyssenKrupp Career Day im letzten Geschäftsjahr beworben, und nur 24 Teilnehmer konnten angenommen werden. Wir setzen diese Veranstaltungen fort.
Ebenso vielversprechend verlief unser Schülercamp "do-camp-ing". Es handelte sich um ein einwöchiges Ferienprogramm zur Studienorientierung im Bereich der Ingenieurwissenschaften, das sich an Schülerinnen und Schüler der Oberstufe wendete. Die aktive Projektarbeit sowie Gesprächs- und Fragerunden mit Studenten und berufstätigen Ingenieuren auch von ThyssenKrupp zielten darauf ab, das Interesse der jungen Teilnehmer an technischen Fragestellungen zu wecken. Insgesamt nahmen 80 Schülerinnen und Schüler aus dem gesamten Bundesgebiet teil. Wir gehen davon aus, dass solche Maßnahmen langfristig die Chance eröffnen, qualifizierte und motivierte Nachwuchskräfte früh für technische Aufgaben und für unseren Konzern zu interessieren.
Steuerliche Chancen aus der Steuergesetzgebung
Das Unternehmensteuerreformgesetz 2008 beeinflusste im Berichtsjahr die Besteuerung der ThyssenKrupp AG positiv. Verbunden mit den strukturellen Veränderungen bei der Gewerbesteuer hat die Reduzierung des Körperschaftsteuersatzes die nominelle Steuerbelastung im körperschaft- und gewerbesteuerlichen Organkreis der ThyssenKrupp AG von bislang 39,4 % auf etwa 31 % des im Inland erzielten Gewinns vermindert. Die neu eingeführte Beschränkung des Zinsabzugs ist wegen der guten Ertragslage im Inland 2007/2008 nicht zur Anwendung gekommen. In anderen europäischen und außereuropäischen Staaten, in denen der Konzern erfreuliche Ergebnisbeiträge erwirtschaftet, sind ebenfalls Steuersatzsenkungen beschlossen, so z.B. in Spanien, Italien und Kanada.
Wertsteigerungspotenzial durch neue Initiative
Zusätzliche Chancen bietet dem Konzern das konzernweite Wertsteigerungsprogramm ThyssenKrupp best. Mit Beginn des Geschäftsjahres 2008/2009 startet die neue Net Working Capital Initiative, die eine weiterhin positive Entwicklung der Projektlandschaft im Rahmen von ThyssenKrupp best unterstützen wird. Während bisher die Ertragsstärke im Vordergrund stand, wird jetzt die Kapitalbindung in den Forderungen, Verbindlichkeiten und Vorräten optimiert. Analog zu den bisherigen Initiativen stellen wir methodische Werkzeuge zur Verfügung und schulen Mitarbeiter in der Anwendung. Auch im darauf folgenden Geschäftsjahr wird ThyssenKrupp best ausgebaut.
Erwartete Ertragslage
Für das Geschäftsjahr 2008/2009 erwarten wir, dass die internationale Finanzkrise die konjunkturelle Entwicklung erheblich belasten wird. Das Welt-Bruttoinlandsprodukt wird nach unseren Schätzungen um weniger als 3 % zulegen, und damit wird die Weltwirtschaft durch eine rezessive Phase gehen. Wie sich die durch die Finanzkrise ausgelösten Verwerfungen auswirken, ist derzeit nur schwer abzuschätzen. Diesen Einschränkungen tragen wir in unserer Planung für das kommende Geschäftsjahr Rechnung. Trotz der hohen Unsicherheiten und reduzierten Vorausschaubarkeit gehen wir davon aus, dass wir mit unserem Geschäftsportfolio auch in Phasen eines wirtschaftlichen Abschwungs gut aufgestellt sind.
Umsatz und Ergebnis: Wir planen für das Geschäftsjahr 2008/2009 einen deutlichen Umsatzrückgang. Dies wird sich im Ergebnis entsprechend niederschlagen. Die zunehmenden Unsicherheiten auf den Finanz- und Realmärkten erlauben zurzeit keine quantifizierbare Prognose. Im Rahmen der Quartalsberichterstattungen werden wir uns konkreter zum laufenden Geschäftsjahr äußern. Preis- und Mengenrisiken werden durch rückläufige Einsatzstoffpreise sowie durch ein umfangreiches zusätzliches Maßnahmenpaket zur Effizienzsteigerung begrenzt. Dies wird darüber hinaus die Kapitalbindung im Umlaufvermögen signifikant reduzieren. Die Planungen für die einzelnen Segmente sehen wie folgt aus:
- Steel – erhebliches Preis- und Mengenrisiko, das durch langfristige Vertragsstrukturen und Ausrichtung auf zahlreiche Premiumsegmente sowie durch rückläufige Einsatzstoffkosten abgemildert wird.
- Stainless – schwächere Mengennachfrage bei sich stabilisierenden Erlösen.
- Technologies – relativ hohe Planungssicherheit bei der Erlös- und Ergebnisentwicklung im Projektgeschäft auf Grund des hohen Auftragsbestands, der eine gute Ergebnisqualität ausweist.
- Elevator – vergleichsweise wenig anfällig bezüglich Erlös- und Ergebnisschwankungen auf Grund des hohen Dienstleistungsanteils sowie der Abarbeitung des hohen Auftragsbestands.
- Services – Preis- und Mengenrisiko, gedämpft durch breit gefächertes Produktportfolio mit hohem Dienstleistungsanteil, weltweite Präsenz und weitere Optimierung der Logistik.
Für 2009/2010 erwarten wir, dass die Weltwirtschaft die Rezessionsphase verlassen und sich das Wachstum wieder moderat beschleunigen wird. Sofern nicht anhaltende konjunkturelle Einbrüche unser Geschäft beeinträchtigen, wollen wir 2009/2010 auf den langfristig angelegten Wachstumspfad zurückkehren und erwarten wieder eine positive Umsatz- und Ergebnisentwicklung.
Auf längere Sicht, insbesondere nach Inbetriebnahme der Großinvestitionen von Steel und Stainless in Nord- und Südamerika sowie der anderen Segmente in weiteren Regionen, erwarten wir ein Ergebnis vor Steuern – und vor wesentlichen Sondereffekten – von 4,5 bis 5,0 Mrd € und einen Umsatz von rund 65 Mrd €.
Dividende: Im Rahmen der von uns verfolgten Dividendenkontinuität werden wir weiterhin eine angemessene Dividende ausschütten.
Mitarbeiter: Wir planen, zum 30. September 2009 über 200.000 Mitarbeiter zu beschäftigen. Im darauf folgenden Jahr könnte die Anzahl der Arbeitsplätze weiter steigen. Die Belegschaftszunahme ist wesentlich auf die Großinvestitionen in Brasilien und den USA zurückzuführen. In dieser Planung sind künftige Portfoliomaßnahmen nicht berücksichtigt.
Unverändert wichtig bleibt für uns die Ausbildung von Jugendlichen. Wir wollen deshalb in den nächsten Jahren die Ausbildungsintensität möglichst steigern und weiterhin über unseren eigenen Bedarf hinaus ausbilden.
Forschung und Entwicklung: Innovationen und Technologien sind für ThyssenKrupp von zentraler Bedeutung. Deshalb verstärken wir kontinuierlich unsere Anstrengungen auf diesem Gebiet. Unsere Innovationsaufwendungen werden im Geschäftsjahr 2008/2009 in der Größenordnung von 800 Mio € liegen. Auch für das Folgejahr ist von dieser Größenordnung auszugehen.
Zum weiteren Ausbau und zur Stärkung unserer hohen Innovationskompetenz führen wir das im Berichtsjahr gestartete konzernweite Innovationsprogramm 2008/2009 fort. Wir werden die gewonnenen Best-Practice-Erkenntnisse in der täglichen Arbeit umsetzen und erwarten so eine zusätzlich gesteigerte Innovationsfähigkeit. Wir werden auch 2008/2009 neue Mitarbeiter mit naturwissenschaftlicher und ingenieurwissenschaftlicher Ausbildung für unsere Forschung und Entwicklung einstellen.
Beschaffung: Vor dem Hintergrund der globalen Wachstumsschwäche, sinkender Rohstoffpreise und eines erwarteten Umsatzrückgangs wird der Materialaufwand im Geschäftsjahr 2008/2009 gegenüber dem Vorjahr deutlich sinken. Er wird aber weiterhin mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmachen, was auch für das sich anschließende Geschäftsjahr gelten dürfte. Angesichts unserer langfristigen und internationalen Lieferbeziehungen rechnen wir für 2008/2009 und 2009/2010 nicht mit Versorgungsengpässen. Dies gilt für Rohstoffe ebenso wie für Komponenten, Hilfs- und Betriebsstoffe sowie Dienstleistungen. Die Versorgungssicherheit wird auch durch unsere erfolgreiche Einkaufsinitiative erhöht, die wir in den kommenden Jahren weiter ausbauen werden.
Energie: Wegen der konjunkturellen Schwäche erwarten wir einen vorübergehenden Preisverfall bei den Öl- und Gaspreisen. Wir reagieren auf die geänderte Nachfragesituation mit Mengenanpassungen und werden auch künftig eine langfristig orientierte und flexible Energiebeschaffung umsetzen, um günstige Marktsituationen zu nutzen und beispielsweise den Strompreis auf möglichst niedrigem Niveau abzusichern.
Gleichzeitig muss ThyssenKrupp als intensiver Energieverbraucher damit rechnen, künftig stärker als bisher CO2-Emissionsrechte zukaufen zu müssen. Falls es zu Kapazitätsengpässen bei Kraftwerken – einer so genannten "Kraftwerkslücke" – kommen sollte, würden die Strom-Preise zusätzlich nach oben gehen, weil teure, wenig effiziente fossile Kraftwerke länger am Netz bleiben müssten.
Umweltschutz: Für den laufenden Umweltschutz werden wir nach jetzigen Planungen in den Geschäftsjahren 2008/2009 und 2009/2010 jeweils Beträge in der Größenordnung von 500 Mio € ausgeben. Von den künftigen Umweltschutzinvestitionen wird der größte Anteil auf die neuen Werksprojekte in Brasilien und den USA entfallen. Schwerpunkte bleiben höhere Ressourcen- und Energieeffizienz und geringere Treibhausgas-Emissionen.
Erwartete Finanz- und Liquiditätslage
Im Jahr 2005 hat ThyssenKrupp ein nachhaltiges und profitables Wachstumsprogramm aufgelegt. Über einen Fünfjahreszeitraum sind hierfür Investitionen von bis zu 20 Mrd € vorgesehen, wovon bisher etwa die Hälfte abgearbeitet ist. Auf Grund von Großprojekten wie dem neuen Stahlwerk in Brasilien, dem neuen Produktions- und Vertriebsstandort in den USA sowie der Kapazitätsoptimierung am Standort Duisburg liegt das derzeitige Investitionsniveau deutlich über dem Durchschnitt der Vorjahre. Die Finanzierung steht trotz der erschwerten Rahmenbedingungen infolge der weltweiten Finanzkrise auf einer gesicherten Basis.






