Nachtrags-, Chancen- und Prognosebericht

Besondere Ereignisse nach Quartalsende

Die zwischen dem Quartalsstichtag (30. Juni 2007) und der Freigabe zur Veröffentlichung (06. August 2007) eingetretenen besonderen Ereignisse sind unter Anhang-Nr. 13 im Zwischenabschluss dargestellt.

Anhaltend hohes Wachstum

Das globale Wachstum zeigt sich weiterhin sehr robust. Für 2007 gehen wir unverändert von einem Anstieg des Welt-Bruttoinlandsprodukts um 4,9 % aus.

Besser als noch vor Monaten erwartet entwickelt sich voraussichtlich die Konjunktur im Euroraum und in Deutschland. Positive Impulse gehen insbesondere vom Wachstum der Ausrüstungsinvestitionen aus. In Deutschland dürfte sich im weiteren Jahresverlauf auch der private Verbrauch erholen und zum Wirtschaftswachstum beitragen. Für die USA wird nach dem schwachen Jahresbeginn mit einer leichten Beschleunigung der Konjunkturentwicklung gerechnet. Ungebrochen dynamisch bleibt die wirtschaftliche Entwicklung in den meisten Emerging Markets.

Die Risiken für das globale Wirtschaftswachstum bestehen primär in steigenden Rohstoff- und Ölpreisen sowie in einem unter den Erwartungen bleibenden Wachstum in den USA.

In den wichtigen Märkten gehen wir von folgenden Entwicklungen und Chancen für ThyssenKrupp aus:

  • Die insgesamt erfreulichen Konjunkturperspektiven lassen eine Fortsetzung des globalen Stahlmarktwachstums in diesem Jahr erwarten. Die Rohstahlerzeugung dürfte weltweit um mindestens 6 % steigen. Die deutsche Stahlindustrie wird voraussichtlich die Marke von 48 Mio t deutlich übertreffen. Die Stahlnachfrage wird in China und Indien überproportional zunehmen. Für den Nafta-Raum wird – nach der Überversorgung im vergangenen Jahr – ein leichter Nachfragerückgang prognostiziert. Eine ruhigere Entwicklung dürfte in den verbleibenden Monaten des Jahres 2007 den EU-Markt kennzeichnen. Nach dem kräftigen Anstieg der Marktversorgung in der ersten Jahreshälfte rechnen wir im weiteren Verlauf mit einer lagerzyklisch und saisonal bedingten Abschwächung der Nachfrage. Bei den Drittlandsimporten zeichnet sich kurzfristig noch keine wesentliche Entspannung ab. Wegen des anhaltend kräftigen Produktionswachstums der Stahlverarbeiter wird der Stahlverbrauch weiter zunehmen.
  • Der Markt für Edelstahl-Rostfrei wird in den kommenden Monaten stark von der Entwicklung des Nickelpreises bestimmt werden. Die vor dem Hintergrund des Nickelpreisrückgangs zuletzt bereits erkennbaren Bestrebungen zum schnellen Lagerabbau beim Handel werden sich kurzfristig fortsetzen. In den Märkten mit Legierungszuschlägen, wie in Europa und den USA, wird sich das niedrigere Nickelpreisniveau auf Grund der festgelegten Berechnungsmethodik erst zwei bis drei Monate zeitversetzt preislich auswirken. Damit wird sich, verbunden mit weiterhin hohen Rostfrei-Importen nach Europa, das Wiederbeschaffungsverhalten des Handels in den nächsten Monaten voraussichtlich auf geringem Niveau bewegen und weitere Anpassungen der Produktion erfordern. Die zu Grunde liegende industrielle Nachfrage nach Flachprodukten aus Edelstahl-Rostfrei ist stabil. Positiv bleibt der Markt für die Hochleistungswerkstoffe Nickellegierungen und Titan.
  • Die globale Automobilkonjunktur ist weiter aufwärts gerichtet. Weltweit wird die Automobilproduktion 2007 um rund 2 % auf mehr als 71 Mio Fahrzeuge wachsen. Hohe Steigerungsraten werden erneut für China erwartet. In den USA wird die Fahrzeugproduktion niedriger ausfallen. In Westeuropa ist dagegen mit leicht zunehmenden Stückzahlen zu rechnen. Die deutsche Fahrzeugindustrie wird trotz niedrigerer Inlandsnachfrage die Produktion ausbauen; dafür sprechen der boomende Export und eine Produktionsrückverlagerung nach Deutschland.
  • Dank der anhaltend robusten Konjunktur und hoher Investitionsausgaben bleibt die Lage im globalen Maschinenbau günstig. Neben China werden für Deutschland die höchsten Zuwachsraten erwartet. Auf Grund der sehr guten Auftragslage wird für den deutschen Maschinenbau 2007 eine Produktionszunahme um 9 % prognostiziert. Auch im deutschen Großanlagenbau wird sich die positive wirtschaftliche Entwicklung fortsetzen.
  • Im Bausektor sind weiterhin die größten Produktionszuwächse in den Ländern Asiens sowie in Mittel- und Osteuropa zu erwarten. In den USA dürfte die Bauproduktion in diesem Jahr wegen der Schwäche im Immobiliensektor niedriger ausfallen. Die deutsche Bauproduktion ist dagegen weiter aufwärts gerichtet; die Zuwächse fallen allerdings wegen der gedämpften Nachfrage im Wohnungs- und öffentlichen Bau geringer aus als im Vorjahr.

Ergebnisziel 2006/2007 angehoben

Im weiteren Jahresverlauf rechnen wir mit einer Fortsetzung der insgesamt positiven Geschäftsentwicklung. Für das Geschäftsjahr 2006/2007 erwarten wir eine Steigerung des Umsatzes auf über 50 Mrd €. Auf Grund der in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2006/2007 besser als erwarteten Ergebnisentwicklung gehen wir aktuell für das Gesamtjahr davon aus, ein Ergebnis vor Steuern – ohne wesentliche Sondereffekte – von rund 3,6 Mrd € zu erwirtschaften, einschließlich Sondereffekten 3,2 Mrd €.

Mittel- und längerfristig bleiben unsere Ziele unverändert. Bis 2010 soll bei einem Umsatz von rund 60 Mrd € ein Ergebnis vor Steuern – vor wesentlichen Sondereffekten – von nachhaltig 4 Mrd € erreicht werden. Längerfristig, insbesondere nach Inbetriebnahme der Großinvestitionen in Nordamerika, wird bei einem Umsatz in der Größenordnung von 65 Mrd € ein Ergebnis vor Steuern – vor wesentlichen Sondereffekten – von 4,5 bis 5,0 Mrd € erwartet.