Nachtrags -, Chancen- und Prognosebericht

Besondere Ereignisse nach Quartalsende

Es lagen keine berichtspflichtigen Ereignisse vor.

Weiter günstige Konjunktur

Die kräftige Expansion der Weltwirtschaft setzt sich unseren Erwartungen nach auch in diesem Jahr fort. Das Welt-Bruttoinlandsprodukt wird 2007 mit voraussichtlich 4,9 % etwas stärker zulegen als noch vor einigen Monaten erwartet.

In den USA wird sich in diesem Jahr die Konjunktur wegen des schwächeren Immobilienmarktes und zurückhaltender privater Investitionen abkühlen. Im Euro-Raum und in Deutschland fällt die konjunkturelle Erholung dagegen spürbar kräftiger aus als erwartet. Die deutsche Wirtschaft wird im Jahresverlauf von der Mehrwertsteuererhöhung weniger belastet als zuvor befürchtet. Wachstumsschub geben vor allem die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen und steigende Exporte; auch der private Konsum entwickelt sich besser als zunächst erwartet. Eine hohe Wachstumsdynamik weisen weiterhin die Emerging Markets auf, allen voran China und Indien. Auch in den meisten osteuropäischen Ländern dürfte das Wachstum hoch bleiben.

Die Risiken für das globale Wirtschaftswachstum bestehen primär in steigenden Rohstoff- und Ölpreisen sowie in einer stärker als erwarteten Wachstumsverlangsamung in den USA.

In den wichtigen Märkten gehen wir von folgenden Entwicklungen und Chancen für ThyssenKrupp aus:

  • Der globale Stahlmarkt wird angesichts des robusten weltwirtschaftlichen Umfeldes auch in diesem Jahr weiter wachsen. Der Weltstahlverband IISI geht in seiner jüngsten Prognose insgesamt von einem Anstieg des Marktvolumens von rund 6 % aus. Überdurchschnittlich zunehmen wird erneut die Nachfrage in China, Indien und anderen Schwellenländern. Für den Nafta-Raum wird – nach der Überversorgung im vergangenen Jahr – ein Nachfragerückgang um etwa 3 % prognostiziert. Eine ruhigere Entwicklung dürfte 2007 den EU-Markt kennzeichnen. Bei weiter steigendem Stahlverbrauch dürfte die Marktversorgung wegen eines in der zweiten Jahreshälfte zu erwartenden Lagerabbaus nur moderat um 1,5 % wachsen. Risiken bestehen weiterhin hinsichtlich eines globalen Überangebots einfacher Güten, das anhaltend hohe Importe in den EU-Markt zur Folge haben könnte.
  • Die Produktion von Edelstahl-Rostfrei dürfte 2007 das Niveau des Vorjahres leicht übertreffen. Die Endverbrauchernachfrage wird in Europa auf hohem Niveau bleiben, in den USA dagegen leicht zurückgehen. In China werden die Kapazitäten weiterhin schneller wachsen als die Nachfrage. Trotz der geringer werdenden Preisspanne zwischen Asien und Europa bzw. den USA werden die Importe in diese Regionen auf hohem Niveau verbleiben. Dieser Importdruck und die bereits hohen Lagerbestände bei Händlern und Service-Centern werden das Buchungsvolumen bei den Produzenten weiterhin belasten. Schwächere Auftragseingänge und die hohen Legierungszuschläge drücken auf die Edelstahl-Basispreise in Europa und Nordamerika. Gleichzeitig nimmt der Druck auf die Produzenten zu, neue Güten mit geringeren Nickelgehalten oder Chromstähle als Substitut für die teuren Chromnickelstähle anzubieten. Positiv bleiben die Markterwartungen für die Hochleistungswerkstoffe Nickellegierungen und Titan.
  • Die Automobilproduktion wird sich 2007 voraussichtlich leicht auf 70,8 Mio Fahrzeuge erhöhen. Wachstumsregionen bleiben die Emerging Markets Asiens und Osteuropas. In Japan und den USA könnten die Stückzahlen leicht zurückgehen. Die westeuropäische Fahrzeugproduktion wird dagegen annähernd das Vorjahresniveau erreichen. Für Deutschland erwarten wir eine gegenüber 2006 leicht höhere Fahrzeugproduktion; der Zuwachs ist auf Produktionsverlagerungen von Belgien nach Deutschland zurückzuführen.
  • Für den globalen Maschinenbau erwarten wir auf Grund der anhaltend hohen Investitionstätigkeit ein solides Produktionswachstum, auch wenn sich das Wachstumstempo etwas abschwächen dürfte. Der deutsche Maschinenbau wird in diesem Jahr weiter expandieren; das Wachstumstempo wird allerdings etwas geringer ausfallen als 2006. Der Großanlagenbau rechnet auch 2007 wieder mit einem sehr guten Geschäftsverlauf.
  • Die internationale Baukonjunktur wird 2007 weiterhin von den Ländern Asiens sowie Mittel- und Osteuropas getragen. In den USA dürfte es zu einer leichten Abschwächung der Bauproduktion kommen. In Deutschland werden 2007 die größten Impulse dank einer anhaltend hohen Investitionsneigung vom Wirtschaftsbau ausgehen. Dagegen wird der Wohnungsbau nach dem Wegfall der Eigenheimzulage und der Vorzieheffekte aus der Erhöhung der Mehrwertsteuer an Dynamik verlieren. Eine ähnliche Entwicklung wird auch der öffentlichen Bau nehmen, auf dem die restriktive Investitionspolitik von Bund und Ländern lastet. Die deutsche Bauwirtschaft dürfte sich somit auf Grund eines robusten Wirtschaftsbaus 2007 weiter erholen, allerdings mit geringeren Zuwächsen als 2006.

Neuer Stahl- und Edelstahlstandort in den USA

Die Segmente Steel und Stainless planen, im Rahmen ihrer auf profitables Wachstum ausgerichteten Vorwärtsstrategie gemeinsam einen neuen Produktions- und Vertriebsstandort im Süden der USA aufzubauen. Damit soll unsere Position in Nordamerika erheblich gestärkt werden. Der Nafta-Markt gehört zu den größten Volumenmärkten für Qualitätsflachstahl in anspruchvollen Güten. Auch für Flachprodukte aus Edelstahl-Rostfrei ist Nordamerika wichtig. Nach mehreren Jahren eines eher schwachen Marktwachstums in den USA wird für die nächsten Jahre mit jährlichen Zuwachsraten von 3,2 % gerechnet. Für Mexiko und Kanada wird das Wachstum mit 9,5 % bzw. 5 % noch deutlich höher eingeschätzt.

Als Kernstück des neuen Standorts ist eine Warmbreitbandstraße vorgesehen, auf der Brammen aus unserem zur Zeit im Bau befindlichen Stahlwerk in Brasilien verarbeitet werden sollen. Hinzu kommen Kaltwalz- und Feuerbeschichtungskapazitäten für hochwertige Endprodukte aus Qualitätsflachstahl. Auf dem gemeinsamen Gelände will Stainless darüber hinaus ein Stahlwerk für Brammen aus rostfreiem Stahl bauen, die ebenfalls auf der neuen Warmbreitbandstraße gewalzt werden sollen. Für die Weiterverarbeitung zu Rostfrei-Flachprodukten wird zusätzlich ein Kaltwalzwerk errichtet. Außerdem wird ein Teil des Vormaterials zum bestehenden Stainless-Kaltwalzwerk in Mexiko gehen.

Ergebnisziel angehoben

Im weiteren Verlauf des Geschäftsjahres 2006/2007 rechnen wir mit einer Fortsetzung der positiven Geschäftsentwicklung. Auf Grundlage der sehr guten Ergebnisse in den ersten beiden Quartalen und verbesserter Wachtumsaussichten gehen wir nun davon aus, den Umsatz auf rund 50 Mrd € zu steigern und ein Ergebnis vor Steuern – vor wesentlichen Sondereffekten – von rund 3,5 Mrd € zu erwirtschaften.

Die deutlich gesteigerte Ertragsstärke des Konzerns sowie erwartete Ergebniseffekte aus dem Investitionsprogramm veranlassen den Vorstand dazu, sein mittelfristiges Ziel bis 2010 anzuheben. Bei einem Umsatz von rund 60 Mrd € soll ein Ergebnis vor Steuern – vor wesentlichen Sondereffekten – von nachhaltig 4 Mrd € erreicht werden. Längerfristig, insbesondere nach Inbetriebnahme der Großinvestitionen in Nordamerika, wird bei einem Umsatz in der Größenordnung von 65 Mrd € ein Ergebnis vor Steuern – vor wesentlichen Sondereffekten – von 4,5 bis 5,0 Mrd € erwartet.