Überblick über den Geschäftsverlauf im Konzern

ThyssenKrupp hat im 1. Quartal 2006/2007 nahtlos an das sehr gute Geschäftsjahr 2005/2006 angeknüpft. In einem insgesamt günstigen konjunkturellen Umfeld haben wir unseren Kurs des nachhaltigen, profitablen Wachstums erfolgreich fortgesetzt. Der Konzernumsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 13 % auf 12,3 Mrd €. Das Konzernergebnis vor Steuern konnte auf 1.062 Mio € nach 425 Mio € im Vorjahreszeitraum ausgebaut werden.

Die wesentlichen Kennzahlen für das 1. Quartal 2006/2007 lauten:

  • Der Auftragseingang erreichte 13,3 Mrd €; das sind 15 % mehr als im entsprechenden Vorjahresquartal.
  • Der Umsatz nahm um 13 % auf 12,3 Mrd € zu.
  • Das EBITDA betrug 1.507 Mio € nach 898 Mio € im 1. Quartal des Vorjahres.
  • Das Ergebnis vor Steuern verbesserte sich von 425 Mio € im Vorjahresquartal auf 1.062 Mio €.
  • Das Ergebnis je Aktie stieg auf 1,31 € nach 0,49 € im Vorjahresquartal.
  • Die Netto-Finanzverbindlichkeiten beliefen sich zum 31. Dezember 2006 auf 391 Mio €, eine Zunahme um 1.138 Mio € gegenüber dem 30. September 2006, als Netto-Finanzforderungen in Höhe von 747 Mio € bestanden. Am 31. Dezember 2005 hatten die Netto-Finanzverbindlichkeiten 315 Mio € betragen.

Im 1. Quartal 2006/2007 lag der Schwerpunkt der Mergers & Acquisitions-Aktivitäten in den Segmenten Technologies, Services und Elevator. So konnte der Verkauf des Karosserie- und Fahrwerkgeschäfts Nordamerika von ThyssenKrupp Budd mit einem Umsatzvolumen von rund 1 Mrd € mit dem Closing am 30. November 2006 im Wesentlichen abgeschlossen werden.

Das Segment Technologies veräußerte die ThyssenKrupp Fundições Ltda, Brasilien. Services hat den Geschäftsbereich Aerospace Service Business von Alcoa und die Schöbel Technik & Service GmbH, Oldenburg, übernommen. Vom Segment Elevator wurden eine Reihe von kleineren Akquisitionen durchgeführt.

Seit der Fusion hat ThyssenKrupp Desinvestitionen, die einem Umsatzvolumen von 9 Mrd € entsprechen, und Akquisitionen, die für einen Umsatz von 8 Mrd € stehen, getätigt.

Im weiteren Jahresverlauf rechnen wir mit einer Fortsetzung der insgesamt positiven Geschäftsentwicklung. Für das Geschäftsjahr 2006/2007 erwarten wir einen Umsatz in der Größenordnung von 48 Mrd € bis 49 Mrd €. Beim Ergebnis vor Steuern liegt unser nachhaltiges Ziel bei 2,5 Mrd €. Wir sind zuversichtlich, diese Größenordnung nach 2005/2006 auch im laufenden Geschäftsjahr deutlich zu übertreffen. Für 2007/2008 wird eine vergleichbare Größenordnung angestrebt. Dies setzt voraus, dass sich die Weltkonjunktur weiterhin stabil entwickelt und sich die Energiepreise in einem überschaubaren Rahmen bewegen.

Konjunkturelles Umfeld

Die Weltwirtschaft ist in der zweiten Jahreshälfte 2006 weiter kräftig gewachsen, auch wenn in einigen Regionen das Expansionstempo zurückging. Die Lage auf dem internationalen Ölmarkt hat sich leicht entspannt, wodurch das Risiko einer energiepreisbedingten Verlangsamung der Weltkonjunktur etwas abgenommen hat.

Positiv blieb die Lage in den Industrieländern. In Japan setzte sich die moderate Konjunkturentwicklung dank gestiegener Exporte fort. In den USA hat sich das robuste Wachstum auf Grund der geringeren Konsum- und Investitionsdynamik zuletzt etwas abgeschwächt. Stärker als erwartet fiel der wirtschaftliche Aufschwung im Euroraum und in Deutschland aus. In Deutschland sorgten vor allem eine hohe Investitionsneigung, aber auch ein gestiegener Export und ein anziehender privater Konsum für Wachstumsimpulse.

Zu den dynamischsten Wirtschaftsregionen zählten auch im 2. Halbjahr 2006 die sich entwickelnden Länder in Asien, Lateinamerika sowie Mittel- und Osteuropa. Vor allem Indien und China erzielten weiterhin hohe Wachstumsraten.

In den für ThyssenKrupp wichtigen Branchen ergaben sich folgende Entwicklungen:

  • Die internationalen Stahlmärkte zeigten sich insgesamt weiterhin in einer robusten Verfassung. Die Weltrohstahlproduktion übertraf auch im Schlussquartal 2006 deutlich die vergleichbare Vorjahreszahl, wobei es aber regional unterschiedliche Entwicklungen gab. Eine fast ungebremste Expansion verzeichneten die asiatischen Länder, die durch forcierte Exporte in die westlichen Märkte einen Mengen- und Preisdruck in Gang setzten. Am stärksten betroffen war zunächst Nordamerika. Vor dem Hintergrund gestiegener Angebotsmengen, hoher Lagerbestände und eines gleichzeitig abgeschwächten Nachfragewachstums hat die US-Stahlindustrie die Produktion zurückgefahren. Auch in Europa nahm die Marktversorgung unter dem Druck steigender Drittlandsimporte kräftig zu und führte besonders im unteren Gütespektrum des Qualitätsflachstahlmarkts zu einem Überangebot. Dies löste im südeuropäischen Raum seit dem Herbst 2006 eine Abwärtsbewegung der Stahlpreise für Commodities aus, allerdings weniger ausgeprägt als in den USA. In Nordeuropa blieb der Markt weitgehend stabil. Bei höher- und hochwertigem Qualitätsstahl konnten die Anbieter angemessene Preiserhöhungen durchsetzen. Dadurch konnten Kostensteigerungen bei Rohstoffen, Energie und Sachgütern aufgefangen werden.
  • Der Markt für rost-, säure- und hitzbeständige Edelstahlflachprodukte hat sich auch im 4. Kalenderquartal 2006 erfreulich entwickelt. Die Produzenten in Europa weiteten die Lieferungen trotz temporärer Produktionsausfälle bei einigen Produzenten im Vergleich zum Vorjahresquartal erheblich aus, während sich die Auftragseingänge nach den überdurchschnittlich hohen Bestellungen in den Vorquartalen gegen Ende des Jahres wieder normalisierten. In diesem positiven Marktumfeld konnten auch im 4. Kalenderquartal 2006 die Basispreise erhöht werden. Infolge der anhaltend starken Nachfrage, verbunden mit einem relativ hohen Preisniveau in Europa und steigenden Überkapazitäten in Asien, nahmen allerdings auch die Importe vor allem nach Südeuropa weiter zu. Diese Entwicklung führte bereits zu einem deutlichen Anstieg der Bestände bei Händlern und Service- Centern. Die Preissituation bei wichtigen Rohstoffen hat sich nicht entspannt; insbesondere die Preise für Nickel erreichten im 1. Quartal des Geschäftsjahres einen neuen Rekordstand. In Nordamerika entwickelte sich die Nachfrage ebenfalls positiv. Die Preise stabilisierten sich auf einem hohen Niveau. Trotz der gestiegenen Nachfrage in Asien sind die dortigen Preise nicht befriedigend. Im Gegensatz zu Europa und den USA konnte die Rohstoffverteuerung auf Grund des fehlenden Legierungszuschlags nicht zeitnah an den Markt weitergegeben werden. Die starke Nachfrage nach Nickelwerkstoffen und Titan hielt auch im Berichtsquartal an.
  • Die internationale Automobilkonjunktur hat sich regional unterschiedlich entwickelt. Durch hohe Produktionszuwächse ist China 2006 zum drittgrößten Fahrzeugproduzenten nach den USA und Japan aufgestiegen. Auch in Brasilien hat die Fahrzeugproduktion im 4. Kalenderquartal 2006 deutlich zugenommen. Schwächer verlief die Automobilkonjunktur in Nordamerika. In den USA blieb die Fahrzeugproduktion im letzten Quartal des Jahres 2006 spürbar unter dem Vorjahresniveau. Die US-Hersteller haben Marktanteile zugunsten der asiatischen und europäischen Produzenten verloren. Positiv verlief die Automobilkonjunktur in Europa. In der Europäischen Union stiegen die Neuwagenverkäufe im 4. Kalenderquartal 2006 über das Vorjahresniveau. Der deutsche Fahrzeugbau profitierte von einem positiven Marktumfeld und weiter gestiegenen Exporten.
  • Der Maschinenbau hat sich vor dem Hintergrund des anhaltend hohen Wachstums der Weltwirtschaft und anziehender Investitionen günstig entwickelt. In den USA, Japan und China hat die Maschinenbauproduktion weiter zugenommen. Auf Grund der guten Auftragslage aus dem In- und Ausland ist auch die Produktion in Deutschland kräftig gewachsen. Hohe Steigerungen erzielte ebenfalls der Großanlagenbau.
  • Der Bausektor verzeichnete 2006 vor allem in den sich entwickelnden Ländern Asiens sowie in Mittel- und Osteuropa Zuwächse. In den USA schwächte sich zum Jahresende die Baukonjunktur ab. Die Lage der deutschen Bauwirtschaft hat sich weiter stabilisiert. Die größten Wachstumsimpulse kommen vom Wirtschaftsbau, der von der günstigen Konjunkturlage profitiert.
ThyssenKrupp in Zahlen
* vor Steuern

 

   

1. Quartal
2005/2006

 

1. Quartal
2006/2007

Auftragseingang

Mio €

 

11.555

 

13.301

Umsatz

Mio €

 

10.942

 

12.332

EBITDA

Mio €

 

898

 

1.507

Ergebnis*

Mio €

 

425

 

1.062

Mitarbeiter

31.12.

 

184.980

 

184.240

Auftragseingang und Umsatz

In einem insgesamt erfreulichen konjunkturellen Umfeld ist im 1. Quartal 2006/2007 die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen von ThyssenKrupp gestiegen. Der Auftragseingang nahm gegenüber dem Vorjahresquartal um 15 % auf 13,3 Mrd € zu.

Der Konzernumsatz stieg um 13 % auf 12,3 Mrd €. Die Segmente Steel und Stainless profitierten von einer hohen Nachfrage und dem gestiegenen Preisniveau für unsere Qualitätsflachstahl- und Edelstahlprodukte. Technologies erreichte nicht ganz das Vorjahresniveau auf Grund des schwachen US-Dollarkurses, der Unternehmensabgänge und der geringeren Umsätze im Automotive-Systemgeschäft. Elevator hat in allen Bereichen das Geschäft erfolgreich ausgebaut. Auch Services expandierte weiter und erzielte einen Rekordumsatz.

Umsatz in Mrd €

Ergebnis

ThyssenKrupp erreichte im 1. Quartal des laufenden Geschäftsjahres mit einem Gewinn vor Steuern von 1.062 Mio € erneut einen Spitzenwert und das bisher höchste je in einem Quartal erzielte Ergebnis. Im Vergleich zum 1. Quartal 2005/2006 stieg der Gewinn damit um 637 Mio €.

Die Steigerung gegenüber dem 1. Quartal des Vorjahres beruht im Wesentlichen auf dem hohen Ergebnisbeitrag des Segments Stainless, der trotz der nachwirkenden Folgen des Brandschadens im Werk Krefeld auf Grund des hohen Erlösniveaus und starker Nachfrage bei Edelstahlprodukten erzielt wurde. Auch die Segmente Steel und Services erreichten erhebliche Gewinnsteigerungen infolge der hohen Nachfrage und der günstigen Erlössituation bei Stahl und industriellen Werkstoffen. Technologies und Elevator steigerten ihre Ergebnisbeiträge auf hohem Niveau.

Die Umsatzerlöse stiegen stärker als die Umsatzkosten, so dass sich die Brutto-Umsatzmarge von 16 % auf 19 % wesentlich verbesserte. Auch die Verwaltungs- und Vertriebskosten stiegen im Verhältnis zum Umsatz nur unterproportional. In den sonstigen betrieblichen Erträgen ist ein Ertrag aus der Vereinnahmung der Versicherungsentschädigung für die Betriebsunterbrechung aus dem Brandschaden in Krefeld enthalten. Diesem Ertrag stehen Ergebnisminderungen infolge geringerer Umsatzerlöse sowie erhöhter Aufwendungen für die Erhaltung der Lieferbereitschaft und Maßnahmen zur Schadensminderung gegenüber.

Der Periodenüberschuss betrug 661 Mio € nach 255 Mio € im 1. Quartal 2005/2006. Zieht man hiervon den auf die Anteile anderer Gesellschafter entfallenden Gewinn von 20 Mio € ab, ergibt sich ein Ergebnis je Aktie von 1,31 €. Im Vergleichsquartal des Vorjahres waren es 0,49 €.

Ergebnis* in Mio €

* vor Steuern

Auch im Vergleich zum Vorquartal, also dem 4. Quartal 2005/2006, stieg der Gewinn noch einmal markant um 443 Mio €. Zwar war das letzte Quartal des Geschäftsjahres 2005/2006 durch hohe Einmalaufwendungen im Zusammenhang mit dem Verkauf und der Restrukturierung von Automotive- Aktivitäten geprägt, aber auch unter Berücksichtigung dieser besonderen Belastungen beträgt der Gewinnzuwachs noch über 200 Mio €. Die Ergebnisentwicklung im Berichtsquartal und dem vorangehenden Quartal war durch eine kontinuierliche, Steigerung in den Segmenten Steel, Stainless und Services gekennzeichnet.

Netto-Finanzverbindlichkeiten/-forderungen und Investitionen

Zum 31. Dezember 2006 beliefen sich die Netto-Finanzverbindlichkeiten des Konzerns auf 391 Mio €, ein Anstieg um 1.138 Mio €. Am 30. September 2006 waren noch Netto-Finanzforderungen in Höhe von 747 Mio € zu verzeichnen gewesen. Die Veränderung ist maßgeblich durch das im Zuge der Geschäftsausweitung angestiegene Working Capital verursacht, aber auch durch erhöhte Investitionsausgaben beispielsweise für das neue Stahlwerk in Brasilien.

Im 1. Quartal 2006/2007 wurden insgesamt 832 Mio € investiert, 74 % mehr als im Vorjahresquartal. Die Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte erreichten 769 Mio €; die übrigen 63 Mio € entfielen auf den Erwerb von Unternehmen und Beteiligungen sowie auf andere finanzielle Vermögenswerte.

Netto-Finanzverbindlichkeiten (+)/-forderungen (-) in Mio €

Veränderung im Vorstand

Dr. A. Stefan Kirsten ist nach Feststellung des Jahresabschlusses zum 30. November 2006 aus dem Vorstand der ThyssenKrupp AG ausgeschieden. Im Sommer des vergangenen Jahres hatte er den Aufsichtsrat informiert, dass er keine Verlängerung seines Vertrags als Finanzvorstand anstrebe. Er wird dem Unternehmen aber weiterhin für verschiedene Aufsichtsratsmandate zur Verfügung stehen. Die bisher von ihm verantworteten Ressorts haben zusätzlich der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dr. Ulrich Middelmann bzw. das Ressort Information Management Ralph Labonte übernommen.