Finanz- und Vermögenslage
Der Unternehmenswert von ThyssenKrupp ist gewachsen. Dies zeichnet die Finanz- und Vermögenslage aus. Kapitalflussrechnung und Bilanzstruktur belegen den Erfolg des Unternehmens. Zu dem guten Abschneiden hat auch die zentrale Finanzierung beigetragen, die für den Konzern Kapitalbeschaffung und -anlage optimiert.
Zentrale Finanzierung und Liquiditätssicherung
Ziel unserer Finanzierungspolitik ist es, jederzeit über ausreichende Liquiditätsreserven zu verfügen, um die Zahlungsverpflichtungen des Konzerns erfüllen zu können.
Die Finanzierung des Konzerns erfolgt grundsätzlich zentral durch die ThyssenKrupp AG, die die Liquidität der Konzernunternehmen im Wesentlichen über die Mittelbereitstellung im Rahmen des Konzernfinanzverkehrs sowie über die Vermittlung und Verbürgung von Krediten oder über Finanzierungshilfen in Form von Patronatserklärungen sicherstellt. Die Liquiditätssicherung geschieht auf der Grundlage einer mehrjährigen Finanzplanung sowie einer monatlich rollierenden Liquiditätsplanung, die jeweils alle konsolidierten Konzernunternehmen einbezieht.
Die operative Geschäftstätigkeit unserer Konzernunternehmen und die daraus resultierenden Einzahlungen stellen die wichtigste Liquiditätsquelle des Konzerns dar. Im Rahmen unserer Cash-Management-Systeme werden die Liquiditätsüberschüsse einzelner Konzernunternehmen genutzt, um den Finanzbedarf anderer zu decken. Durch die Verrechnung von Lieferungen und Leistungen zwischen Konzernunternehmen über konzerninterne Finanzkonten werden kostenpflichtige Bankumsätze reduziert. Der zentrale konzerninterne Finanzausgleich verringert das benötigte Fremdfinanzierungsvolumen mit positivem Einfluss auf unser Zinsergebnis.
Erforderliches Fremdfinanzierungsvolumen wird durch die Inanspruchnahme bilateraler und von Bankenkonsortien fest zugesagter Kreditlinien gedeckt. Diese Inanspruchnahmen können in unterschiedlichen Währungen und mit unterschiedlichen Laufzeiten erfolgen. Darüber hinaus werden Geld- und Kapitalmarktinstrumente sowie selektiv außerbilanzielle Finanzierungsinstrumente wie z.B. Forderungsverkaufsprogramme oder Operating Leases genutzt. Informationen zu den freien verfügbaren Kreditlinien sind im Anhang unter Nr. 25 zu finden.
Durch die zentrale Finanzierung verbessert sich unsere Verhandlungsposition gegenüber Banken und anderen Marktteilnehmern. Dies erleichtert es uns, Kapital zu bestmöglichen Konditionen aufzunehmen oder anzulegen. Auch das Zins- und Devisenmanagement erfolgen zentral.
Emittenten-Rating seit 2001
Emittenten-Ratings erleichtern den Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten. ThyssenKrupp verfügt seit 2001 über Emittenten-Ratings der Rating-Agenturen Moody's und Standard & Poor's (S&P) sowie seit 2003 von Fitch. Derzeit wird ThyssenKrupp von den Rating-Agenturen wie folgt bewertet:
| Langfrist- Rating |
Kurzfrist- Rating |
Ausblick | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| Standard & Poor’s | BBB | A2 | stabil | |||
| Moody’s | Baa2 | Prime–2 | positiv | |||
| Fitch | BBB+ | F2 | stabil |
Analyse der Kapitalflussrechnung
Der in der Kapitalflussrechnung betrachtete Zahlungsmittelfonds entspricht der Bilanzposition "Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente".
Aus der operativen Geschäftstätigkeit ergibt sich im Geschäftsjahr 2006/2007 ein Mittelzufluss in Höhe von 2,2 Mrd € nach 3,5 Mrd € im Vorjahr. Der Rückgang des Operating Cash-Flow um 1,3 Mrd € ist im Wesentlichen auf den verstärkten Aufbau des Working Capital als Folge der Geschäftsausweitung zurückzuführen.
Der Mittelabfluss aus Investitionstätigkeit erhöhte sich im Berichtsjahr im Vergleich zum Vorjahr um 0,6 Mrd € auf 2,3 Mrd €. Ursache hierfür sind insbesondere die um 1,2 Mrd € gestiegenen Auszahlungen für Investitionen in Sachanlagen, die im Wesentlichen die Errichtung des Stahlwerks in Brasilien betreffen. Gegenläufig wirkten die gegenüber dem Vorjahr um 0,3 Mrd € verringerten Auszahlungen für den Erwerb von konsolidierten Gesellschaften und finanziellen Vermögenswerten sowie die um 0,3 Mrd € erhöhten Einzahlungen aus dem Verkauf von konsolidierten Gesellschaften und Sachanlagen.
Entsprechend dieser Entwicklung hat sich der Free Cash-Flow, d.h. die Summe aus Operating Cash-Flow und Cash-Flow aus Investitionstätigkeit, im Geschäftsjahr 2006/2007 um 1,9 Mrd € auf -0,1 Mrd € im Vergleich zum Vorjahr verringert.
Der Mittelabfluss aus Finanzierungstätigkeit verringerte sich im Berichtsjahr gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 1,3 Mrd € auf 0,7 Mrd €. Der höhere Mittelabfluss im Vorjahr resultiert hauptsächlich aus der Tilgung zweier Anleihen in Höhe von insgesamt 0,8 Mrd € und aus Auszahlungen für den Erwerb von eigenen Aktien der ThyssenKrupp AG in Höhe von 0,7 Mrd €, denen Einzahlungen von 0,3 Mrd € aus der Veräußerung eigener Aktien der ThyssenKupp AG an die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung gegenüberstanden. Darüber hinaus verringerten sich im Geschäftsjahr 2006/2007 die Auszahlungen für die Tilgung von Finanzverbindlichkeiten um 0,2 Mrd €.

Analyse der Bilanzstruktur
Die nachfolgende Darstellung der Bilanzstruktur schließt die im Vorjahr separat ausgewiesenen zur Veräußerung vorgesehenen Vermögenswerte und Schulden ein.
Insgesamt stieg die Bilanzsumme gegenüber dem Vorjahr um 1.612 Mio € auf 38.074 Mio €.
Wesentliche Bilanzposten, insbesondere Vorräte, Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, sowie Eigenkapital sind gegenüber dem 30. September 2006 gestiegen. Dies ist vor allem Folge der konjunkturell bedingten Geschäftsausweitung. Das Sachanlagevermögen und die Netto-Finanzverbindlichkeiten haben sich ebenfalls auf Grund der gestiegenen Investitionstätigkeit erhöht. Verschiebungen der Wechselkursrelationen, vor allem das Verhältnis des US-Dollar zum Euro, das sich von 1,27 €/US-Dollar zum 30. September 2006 auf 1,42 €/US-Dollar zum 30. September 2007 veränderte, bewirkten eine Verkürzung der Bilanzsumme um 468 Mio €.
Die Verminderung der immateriellen Vermögenswerte um 122 Mio € ist im Wesentlichen auf Verschiebungen der Währungskursrelationen sowie auf Wertminderungsaufwendungen im Zusammenhang mit Firmenwerten insbesondere im Segment Steel zurückzuführen. Gegenläufig wirkten die Aktivierungen von Entwicklungskosten und Software.
Der Anstieg der Sachanlagen um 917 Mio € resultierte im Wesentlichen aus dem Baufortschritt des Stahlwerks in Brasilien. Die Abnahme der als Finanzinvestitionen gehaltenen Immobilien um 112 Mio € steht im Zusammenhang mit der Veräußerung von nicht betriebsnotwendigen Immobilien im Rahmen der Konzentration von ThyssenKrupp Verwaltungsstandorten in Deutschland.
Die Erhöhung der Vorräte um 1.349 Mio € auf 9.480 Mio € resultierte hauptsächlich aus Erhöhungen der Rohstoffpreise und aus gestiegenen Mengenbeständen auf Grund von Umsatzausweitungen. Insbesondere die seit Anfang Juni wieder deutlich rückläufigen Nickelpreise führten zur Berücksichtigung von Wertminderungen in Höhe von 157 Mio €.
Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen lagen am 30. September 2007 um 313 Mio € über dem Vorjahresniveau. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass der Bestand an verkauften Forderungen zum 30. September 2007 um 60 Mio € unter dem Vergleichswert zum Vorjahresende lag. Die Erhöhung der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ist das Ergebnis sowohl von mengenmäßigen als auch preisbedingten Umsatzausweitungen in allen Segmenten.
Der Abfluss von Geldmitteln für Investitionen, Dividenden und die Rückzahlung von Finanzverbindlichkeiten überstieg den Mittelzufluss aus operativer Geschäftstätigkeit und führte somit zu einem Rückgang der Zahlungsmittel und Zahlungsmitteläquivalente um 789 Mio € auf 3.658 Mio €.
Die aktiven latenten Steuern verringerten sich vornehmlich durch Anpassungen der für Pensionsrückstellungen anzusetzenden steuerlichen Bemessungsgrundlagen an den entsprechenden IFRS-Ansatz um 322 Mio €; gleichzeitig stiegen die passiven latenten Steuern um 128 Mio €.
Die laufenden Ertragsteueransprüche erhöhten sich um 265 Mio €.
Das Eigenkapital stieg um 1.520 Mio € auf 10.447 Mio €. Wesentlicher Faktor war hier der Jahresüberschuss des Geschäftsjahres in Höhe von 2.190 Mio €. Eigenkapitalerhöhend wirkten sich zusätzlich die direkt im Eigenkapital erfassten versicherungsmathematischen Gewinne aus der Bewertung von Pensionen und ähnlichen Verpflichtungen aus; diese betrugen vor Steuern 462 Mio €. Eigenkapitalmindernd wirkten sich Dividendenzahlungen mit 521 Mio € sowie Währungskursdifferenzen mit 261 Mio € und unrealisierte Verluste aus derivativen Finanzinstrumenten mit 193 Mio € aus. Darüber hinaus verringerte sich das Eigenkapital um 111 Mio € auf Grund von Steuern auf direkt im Eigenkapital verrechnete Erträge und Aufwendungen.
Die Rückstellungen für Pensionen und pensionsähnliche Verpflichtungen nahmen im Berichtsjahr um 972 Mio € auf 7.139 Mio € ab. Dieser Rückgang resultierte im Wesentlichen aus einem weiteren Anstieg des Diskontierungszinssatzes in den meisten relevanten Währungsräumen, aus der Veräußerung des nordamerikanischen Karosserie- und Fahrwerksgeschäfts sowie aus Verschiebungen der Wechselkursrelationen, insbesondere des US-Dollar zum Euro.
Die sonstigen kurz- und langfristigen Rückstellungen lagen zum 30. September 2007 insgesamt auf Vorjahresniveau.
Die kurz- und langfristigen Finanzverbindlichkeiten verringerten sich insgesamt um 166 Mio €.
Die hauptsächlich zahlungswirksame Rückführung der Finanzverbindlichkeiten wurde durch eine wechselkursbedingte Abnahme verstärkt.
Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen erhöhten sich um 231 Mio € als Folge der Geschäftsausweitung.
Auch der Anstieg der übrigen kurzfristigen Verbindlichkeiten in Höhe von 745 Mio € resultierte im Wesentlichen aus der Geschäftsausweitung und betrifft insbesondere erhöhte Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit Fertigungsaufträgen (251 Mio €) in den Segmenten Technologies und Elevator, einen Anstieg der erhaltenen Anzahlungen (112 Mio €) sowie erhöhte Verbindlichkeiten aus dem Liefer- und Leistungsverkehr mit Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht (119 Mio €). Darüber hinaus erfolgte die Umgliederung einer bisher als langfristig klassifizierten Verbindlichkeit aus einer Put-Option in die kurzfristigen Verbindlichkeiten.
Grafik: Netto-Finanzforderungen
Nicht bilanziertes Vermögen und ausserbilanzielle Finanzierungsinstrumente
Neben dem in der Konzernbilanz ausgewiesenen Vermögen nutzt der Konzern auch nicht bilanzierungsfähige Vermögenswerte. Diese betreffen im Wesentlichen bestimmte geleaste, gepachtete oder gemietete Güter (Operating Lease). Einzelheiten hierzu sind unter Anhang-Nr. 16 dargestellt.
Im Rahmen außerbilanzieller Finanzierungsinstrumente nutzt der Konzern insbesondere Forderungsverkaufsprogramme.
Nähere Angaben dazu befinden sich im Anhang-Nr. 19.
Ein wichtiger immaterieller Vermögenswert ist die Marke ThyssenKrupp. Sie wird von uns kontinuierlich durch ein Maßnahmenbündel aus Imagefilm, tv-Spots, Anzeigen und Außenwerbung weiterentwickelt. Zum Markenwert trägt auch unser Firmenzeichen bei, das hohe Prägnanz, Wiedererkennbarkeit und Differenzierung im Wettbewerb gewährleistet.
Von besonderer Bedeutung sind auch unsere langjährigen und vertrauensvollen Lieferanten- und Kundenbeziehungen. Sie bringen Stabilität in den Geschäftsverlauf und machen uns von sehr kurzfristigen Marktschwankungen unabhängig. Außerdem ermöglichen sie eine intensive technische Zusammenarbeit mit unseren Partnern, in der sich Know-how und Entwicklungskapazitäten der beteiligten Unternehmen bündeln und zu neuen zukunftsweisenden Produkten führen. Diese eingespielten Kooperationen bedeuten einen Wettbewerbsvorsprung vor Newcomern auf unseren Märkten und sichern deshalb unsere Marktpositionen.
Ein Beispiel für unser Kompetenznetzwerk entlang der Prozesskette ist die Zusammenarbeit unseres Segments Steel mit der Fahrzeugindustrie. Wir können als Stahlproduzent die Entwicklungs- und Fertigungsstufen vom hochwertigen Werkstoff über das fertige Bauteil bis hin zum gesamten Karosseriekonzept für die Automobilkonstrukteure übernehmen. Solche schlüssigen und ausgereiften Lösungen auf Basis unseres Werkstoff-Know-hows bieten unseren Kunden einen echten Mehrwert, der sich im Wettbewerb auszahlt.