Konjunturelles Umfeld

Der konjunkturelle Aufschwung der Weltwirtschaft hat sich auch im 1. Halbjahr 2006 fortgesetzt. Die Lage auf den internationalen Energie- und Rohstoffmärkten blieb angespannt und es kam zu weiteren, zum Teil erheblichen Preissteigerungen. Dennoch zeigte sich die globale Wachstumsdynamik weitgehend robust.

Die USA wiesen im 1. Quartal 2006 ein sehr starkes Wachstum aus. Steigende Zinsen, Schwächesignale vom Immobilienmarkt sowie der merkliche Anstieg der Benzinpreise dürften den privaten Verbrauch in den Folgemonaten belastet und zu einem geringeren Anstieg der Wirtschaftsleistung geführt haben. In den meisten Ländern Lateinamerikas setzte sich die konjunkturelle Aufwärtsentwicklung dank einer kräftigen Binnennachfrage fort.

Im Euroraum wird der positive Konjunkturtrend insbesondere von einer zunehmenden Dynamik der Inlandsnachfrage gestützt. In Deutschland startete das 1. Halbjahr ebenfalls mit einem höheren Bruttoinlandsprodukt. Dazu haben ein wieder stärkerer privater Konsum als auch anziehende Investitionen beigetragen. Die Länder Mittel- und Osteuropas konnten ihren konjunkturellen Aufschwung auf Grund einer soliden heimischen Nachfrage und höherer Exporte festigen.

In Japan hat sich die wirtschaftliche Lage im Zuge der gestiegenen inländischen Nachfrage weiter verbessert. In den übrigen asiatischen Ländern blieb die hohe Wachstumsdynamik ungebrochen. In China trägt neben den hohen Exporten und Investitionen mittlerweile auch der private Konsum zum Wirtschaftswachstum bei.

In den für ThyssenKrupp wichtigen Branchen ergaben sich folgende Entwicklungen:

  • Die internationalen Stahlmärkte zeigten sich weiterhin in einer stabilen Verfassung. Die globale Stahlerzeugung nahm im 1. Halbjahr 2006 um 8 % zu. Während insbesondere China und Indien mit erneut kräftigen Produktionsausweitungen dazu beitrugen, nahm die Erzeugung in den meisten übrigen Regionen eher moderat zu. In der Europäischen Union wurde 4 % mehr Rohstahl erzeugt als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Vor allem die osteuropäischen Länder, die im vergangenen Jahr ihre Produktion stärker zurückgefahren hatten, verzeichneten wieder einen höheren Ausstoß. Die Nachfrage nach Qualitätsflachstahlerzeugnissen in Westeuropa, aber auch in den USA hält sich auf einem hohen Niveau. Die westeuropäischen Anbieter verbuchten im bisherigen Jahresverlauf deutliche Absatzsteigerungen. Noch stärker nahm die Einfuhr aus Drittländern zu, so dass sich der Anteil der Importe an der Marktversorgung beträchtlich erhöhte. Wegen des konjunkturell gestiegenen Verbrauchs der Stahlverarbeiter und aus lagerzyklischen Gründen wurde das hohe Angebot vom Markt absorbiert. Stahlpreiserhöhungen, die infolge weiter gestiegener Rohstoff- und Energiekosten nötig wurden, konnten im Berichtsquartal auf breiter Front durchgesetzt werden.
  • Der Markt für rost-, säure- und hitzebeständige Edelstahlflachprodukte hat sich auch im 2. Kalenderquartal 2006 erfreulich entwickelt. Die europäischen Produzenten konnten gegenüber dem sehr schwachen Vorjahresquartal den mengenmäßigen Auftragseingang erheblich ausweiten und die Basispreise mehrfach erhöhen. Auch die Lieferungen an die Kunden sind deutlich gestiegen. Allerdings hat sich der Druck auf die Margen insbesondere wegen der zum Teil extrem gestiegenen Rohstoffkosten verschärft. So erreichte der Nickelpreis im Berichtsquartal neue Allzeit-Hochs. In Nordamerika entwickelte sich die Nachfrage ebenfalls positiv. Das Basispreisniveau konnte auch hier mehrfach angehoben werden. In Asien lag die Marktversorgung bei ansteigender Tendenz auf Vorjahresniveau. Die Edelstahlpreise haben sich weiter erholt. Allerdings konnten die stark angestiegenen Rohstoffkosten wegen des fehlenden Legierungszuschlags im Gegensatz zu Europa und Nordamerika nicht zeitgerecht in den Erlösen weitergegeben werden. Auf Grund der positiven Entwicklung in wichtigen Kundenmärkten hielt auch im 2. Kalenderquartal 2006 die gute Nachfrage nach Nickellegierungen an.
  • Auf dem internationalen Automobilmarkt kamen die größten Wachstumsimpulse aus Asien. In China stieg die Fahrzeugproduktion im 1. Halbjahr 2006 voraussichtlich um mehr als ein Drittel. In Nordamerika schwächte sich dagegen die Automobilkonjunktur ab. Auf Grund der höheren Benzinpreise musste das Marktsegment der leichten Nutzfahrzeuge wie Minivans und Sport Utility Vehicles Rückgänge hinnehmen. In den USA wurden im 1. Halbjahr 2006 weniger Neufahrzeuge verkauft, wobei die asiatischen und europäischen Hersteller ihre Marktanteile ausbauen konnten. In Brasilien hat die Wachstumsdynamik wegen geringerer Exporte nachgelassen. Eine leicht höhere Nachfrage nach Personenkraftwagen verzeichneten die europäischen Fahrzeugmärkte. Der deutsche Fahrzeugbau profitierte insbesondere von hohen Exporten. Erfreuliche Zuwächse wies auch weiterhin das deutsche Nutzfahrzeuggeschäft aus.
  • Dank der anhaltend robusten Weltkonjunktur und gestiegener Investitionen blieb die Lage für den Maschinenbau günstig. In wichtigen Herstellerländern hat sich die konjunkturelle Lage der Investitionsgüterindustrie verbessert. Der deutsche Maschinenbau hat seinen Wachstumskurs ungebrochen fortgesetzt. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2006 verbesserte sich der Auftragseingang des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus um 15 %. Stärker als die Auslandsnachfrage entwickelte sich das Inlandsgeschäft. Hohe Zuwächse verzeichnete insbesondere der Großanlagenbau. Auf Grund der guten Auftragslage hat auch die Maschinenbauproduktion in Deutschland spürbar zugenommen.
  • Der Bausektor wächst in diesem Jahr vor allem außerhalb der Industrieländer. In Europa verzeichneten im bisherigen Jahresverlauf nur einige osteuropäische Länder höhere Zuwachsraten. In Deutschland hat sich die Lage der Bauwirtschaft von einem niedrigen Niveau ausgehend erholt. Die Auftragseingänge nahmen in der ersten Jahreshälfte 2006 spürbar zu. Auch in den neuen Bundesländern stieg wieder die Nachfrage nach Bauleistungen. Die deutsche Bauproduktion lag in den vergangenen Monaten leicht über dem Vorjahresniveau.