Konjunkturelles Umfeld
Die Weltwirtschaft zeigte sich in den ersten Monaten des Jahres 2006 in einer robusten Verfassung. Die internationalen Frühindikatoren deuten auf ein weiterhin kräftiges Wachstum hin, obwohl die hohen Energie- und Rohstoffpreise die konjunkturelle Entwicklung erneut erheblich belastet haben.
Alle großen Wirtschaftsregionen setzten zu Jahresbeginn ihre wirtschaftliche Expansion fort. Nach der Wachstumsdelle im 4. Quartal 2005 hat sich in den USA das Expansionstempo wieder deutlich beschleunigt, gestützt durch den privaten Konsum und hohe Unternehmensinvestitionen. Auch dank der weiterhin hohen Rohstoffpreise hielt der konjunkturelle Aufschwung in den Ländern Lateinamerikas an.
Im Euroraum hat sich die wirtschaftliche Stimmung zuletzt spürbar verbessert. Nach einem etwas schwächeren Schlussquartal 2005 ist das Wirtschaftswachstum im 1. Quartal 2006 nach vorläufigen Einschätzungen kräftiger gestiegen. Dazu hat eine rege Investitionstätigkeit der Unternehmen beigetragen. Ähnlich war die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland. Nach einer Stagnation in den letzten Monaten des Jahres 2005 hat sich das Wirtschaftswachstum im 1. Quartal 2006 auf Grund des wieder höheren privaten Verbrauchs und der anhaltenden Investitionstätigkeit beschleunigt. Die Länder Mittel- und Osteuropas befanden sich zu Jahresbeginn weiterhin in einem konjunkturellen Aufschwung.
In Japan hat sich die konjunkturelle Lage im 1. Quartal 2006 weiter erholt, wobei sowohl von der Binnen- als auch von der Auslandsnachfrage Impulse ausgingen. Unverändert kräftig blieb das Wirtschaftswachstum in den meisten übrigen asiatischen Ländern. Insbesondere China, aber auch Indien verzeichnen weiterhin hohe Zuwachsraten.
In den für ThyssenKrupp wichtigen Branchen ergaben sich folgende Entwicklungen:
- Die weltweite Rohstahlerzeugung nahm im Berichtsquartal um 5,9 % zu. Dies ist im Wesentlichen auf die Entwicklung in China und Indien zurückzuführen; beide Länder erhöhten ihre Produktion um 18 bzw. 20 %. In Summe blieb in den übrigen Regionen die Erzeugung unverändert. In der Europäischen Union erreichte die Rohstahlerzeugung nicht ganz den Vorjahreswert. Die Nachfrage nach Qualitätsflachstahlerzeugnissen hatte sich nach der Schwächeperiode im Sommer 2005 bereits zum Ende des vergangenen Jahres stabilisiert, und dieser positive Trend setzte sich im 1. Quartal 2006 fort. Die westeuropäischen Werke berichten durchweg von vollen Auftragsbüchern mit einer Reichweite bis mindestens zur Jahresmitte. Ursächlich für die Nachfragebelebung sind sowohl der konjunkturell gestiegene Verbrauch der Stahlverarbeiter als auch Lagerergänzungen beim Handel und den Verarbeitern. Dabei ist noch von einem niedrigen bis normalen Bestandsniveau bei den Abnehmern von Stahl auszugehen, wenngleich erwartete Preiserhöhungen zumindest teilweise spekulative Käufe ausgelöst haben dürften. Stark nachgefragt waren besonders feuerveredelte Erzeugnisse, teilweise auch Warmband. Nicht zuletzt aus diesem Grund waren wieder deutlich steigende Qualitätsflachstahlimporte aus dritten Ländern zu verzeichnen. Die Marktsituation erlaubte es, zum 01. April 2006 Preiserhöhungen auf breiter Front vorzunehmen.
- Der Markt für rost-, säure- und hitzebeständige Edelstahlflachprodukte hat sich zu Jahresbeginn erholt. Von einem sehr niedrigen Niveau ausgehend nahmen in den ersten Monaten des Jahres 2006 in Westeuropa die mengenmäßigen Auftragseingänge deutlich zu. Die Basispreise konnten im Zuge dieser verbesserten Marktsituation erhöht werden. In Nordamerika lag die Nachfrage im 1. Quartal 2006 geringfügig unter dem Vorjahreswert, sie hat im Vergleich zum Vorquartal aber deutlich angezogen und Preisanhebungen ermöglicht. Ähnlich entwickelte sich die Nachfrage in Asien. Dem durch den starken Kapazitätsausbau in China verursachten Angebotsüberhang konnte durch Produktionskürzungen der meisten Produzenten in der Region entgegengewirkt und damit das äußerst niedrige Preisniveau angehoben werden. Die gute Nachfrage nach Nickelwerkstoffen hielt auch im 1. Quartal 2006 an. Ursächlich hierfür waren das Wachstum in der Luftfahrt-, der Öl- und Gasindustrie sowie im Anlagenbau.
- Die internationale Automobilkonjunktur zeigt regionale Unterschiede auf. In Nordamerika lag die Fahrzeugproduktion in den ersten Monaten des Jahres 2006 über dem Vorjahresniveau. Die gestiegenen Kraftstoffpreise haben den Markt für Fahrzeuge mit hohem Benzinverbrauch – leichte Nutzfahrzeuge wie Minivans und Sport Utility Vehicles – belastet. Zugenommen hat dagegen die Produktion der verbrauchsgünstigeren Personenkraftwagen. In den USA haben sich die Neuwagenverkäufe zu Jahresbeginn leicht belebt. Davon profitierten insbesondere die asiatischen und europäischen Hersteller. Die brasilianische Automobilwirtschaft setzte den Expansionskurs auch zu Beginn des Jahres 2006 fort. China weist gegenüber dem schwächeren Vorjahreszeitraum hohe Zuwächse auf. In der Europäischen Union hat sich die Pkw-Nachfrage in den ersten Monaten des Jahres 2006 erholt. Die erfreuliche Entwicklung des deutschen Fahrzeugbaus ist vor allem auf die hohe Auslandsnachfrage zurückzuführen, aber auch bei den Verkaufszahlen im Inland gab es Zuwächse.
- Das anhaltend hohe weltwirtschaftliche Wachstum begünstigt die Investitionsgüterindustrie. In den USA und in China hat sich die Maschinenbauproduktion weiter erhöht. Die deutschen Maschinenbauer wiesen in den ersten Monaten des Jahres 2006 hohe Bestellungen aus dem Ausland auf, aber auch die inländische Nachfrage hat wieder deutlich angezogen. Positiv war auch die Projektlage im deutschen Großanlagenbau.
- Die Lage der deutschen Bauwirtschaft hat sich nach einer langen Rezessionsphase stabilisiert. Zu Beginn des Jahres 2006 lagen die Auftragseingänge über den entsprechenden Vorjahreswerten. Auch in Asien und in Mittel- und Osteuropa war die Baukonjunktur insgesamt erfreulich.
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