KONJUNKTURELLES UMFELD
Die weltwirtschaftliche Expansion hat sich auch im 2. Halbjahr 2005 fortgesetzt. Die Preisentwicklung auf den Ölmärkten hatte sich vorübergehend leicht entspannt und die konjunkturellen Risiken aus hohen Energiepreisen etwas abgeschwächt. Preislich angespannt blieb weiterhin die Lage bei den Industrierohstoffen.
Nach wie vor gingen von den USA und den asiatischen Ländern die größten Wachstumsimpulse aus. In den USA wurde der anhaltende Aufschwung von der Binnennachfrage getragen. Zu der dynamischen Entwicklung der asiatischen Länder trug ganz wesentlich das ungebrochen hohe Wachstum in China bei. In Japan setzte sich in der zweiten Jahreshälfte 2005 die wirtschaftliche Erholung im Zuge steigender Konsum- und Investitionsausgaben fort. Das hohe Wirtschaftswachstum Lateinamerikas hat sich im abgelaufenen Jahr etwas verlangsamt. In den Ländern Mittel- und Osteuropas war der wirtschaftliche Aufschwung weitgehend stabil.
Das Wirtschaftswachstum Westeuropas blieb hinter dem der übrigen Regionen, allerdings hat sich die konjunkturelle Lage im 2. Halbjahr 2005 leicht aufgehellt. Die Abwertung des Euro hat die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der Exportwirtschaft gestärkt. In Deutschland zeigte der private Verbrauch weiterhin Schwächen, während sich die Lage der deutschen Industrie spürbar verbesserte.
In den für ThyssenKrupp wichtigen Branchen ergaben sich folgende Entwicklungen:
- Die globale Stahlerzeugung nahm im 4. Quartal 2005 weiter zu. Die Zuwächse gingen weiterhin überwiegend auf die höhere Produktion in China und Indien zurück. In der Europäischen Union und Nordamerika prägten dagegen Produktionskürzungen gegenüber den hohen Vorjahresmengen das Bild. Die bereits in den vorangegangenen Monaten verstärkten Bemühungen der dortigen Stahlproduzenten um eine Marktstabilisierung zeigten im Schlussquartal 2005 Wirkung. Die zuvor stark überhöhten Lagerbestände bei Händlern und Verarbeitern von Stahl erreichten auch in Europa wieder überwiegend Normalniveau. Dazu trugen ebenfalls die verminderten Importe aus Drittländern bei. In der Folge konnten die westeuropäischen Produzenten von Qualitätsflachstahl zu Beginn des 4. Quartals moderate Preisanhebungen am Markt durchsetzen. In Nordamerika zogen die Preise in erheblich stärkerem Maße an. Auch dadurch bedingt dürfte der Importdruck in Westeuropa im Berichtsquartal relativ gering geblieben sein. Der Versand der westeuropäischen Hersteller von Qualitätsflachstahl in den EU-Markt lag nach bislang verfügbaren Daten unter dem hohen Vorjahresniveau, bei den Auftragseingängen zeigte sich nach den schwachen Sommermonaten jedoch eine Belebung, wenngleich die entsprechenden Vorjahresmengen nicht ganz erreicht wurden. Äußerst kräftig waren hingegen die Zuwächse im Drittlandsgeschäft. Die allgemeine Beschäftigungslage der Stahlproduzenten dürfte sich weitgehend normalisiert haben.
- Der Markt für rost-, säure- und hitzebeständige Edelstahlflachprodukte hat sich insgesamt schwach entwickelt. In Westeuropa war die Nachfrage verhalten und veranlasste die meisten Produzenten auch im 4. Quartal 2005 wieder zu Produktions- und Lieferkürzungen. Der anhaltend starke Druck auf die Basispreise, die sich im Berichtsquartal auf einem Allzeit-Tief befanden, verringerte sich nur minimal. Gegen Ende des Berichtszeitraums war eine leichte Entspannung der Marktsituation erkennbar; dazu trug auch eine Normalisierung der Lagerbestände bei. In den USA setzt sich der Trend der rückläufigen Nachfrage fort. In Asien und hier insbesondere in China hat sich die Nachfrage dagegen weiter erhöht. Noch stärker stiegen in China jedoch die Kapazitäten, was zu einem zunehmenden Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage führte. Infolgedessen hielt der deutliche Preisabwärtstrend auch im Berichtsquartal weitgehend an. Bei Nickelbasiswerkstoffen hat sich die bisherige gute Marktentwicklung auch im 4. Quartal 2005 fortgesetzt.
- Die internationale Automobilindustrie entwickelte sich regional unterschiedlich. In Nordamerika hat sich die Automobilkonjunktur in den letzten Monaten abgeschwächt. In den USA lagen im letzten Quartal des Jahres 2005 die Verkaufszahlen deutlich unter dem Vorjahresniveau. Während der Absatz von Personenkraftwagen nur leicht nachgab, gab es bei leichten Nutzfahrzeugen wie Minivans und Sport Utility Vehicles auf Grund der gestiegenen Benzinpreise größere Einbußen. Die US-Fahrzeugproduktion war im gleichen Zeitraum ebenfalls rückläufig. In Kanada und Mexiko wurden dagegen mehr Fahrzeuge hergestellt. Die brasilianische Automobilwirtschaft hat den Produktionsaufschwung fortsetzen können. China konnte zuletzt wieder hohe Zuwachsraten aufweisen. In der Europäischen Union war die Nachfrage nach Neufahrzeugen rückläufig. Der deutsche Fahrzeugbau konnte im 4. Quartal 2005 die verhaltene inländische Nachfrage nach Personenkraftwagen durch die kräftig gestiegenen Exporte mehr als kompensieren. Auch die Entwicklung im Markt der Nutzfahrzeuge war weiterhin sehr positiv.
- Das robuste weltwirtschaftliche Wachstum hat die Investitionsgüterkonjunktur belebt. Vor allem in den USA und China entwickelte sich der Maschinenbau positiv. Die deutschen Maschinenbauer verzeichneten hohe Bestellungen aus dem Ausland, aber auch die inländische Nachfrage hat in den letzten Monaten des Jahres 2005 wieder deutlich angezogen. Besonders erfreulich war die Lage im deutschen Großanlagenbau.
- Günstig blieb die Baukonjunktur insbesondere in Asien und in Mittel- und Osteuropa. Die Lage der deutschen Bauwirtschaft hat sich in der zweiten Jahreshälfte 2005 nach Jahren der Rezession stabilisiert. Sowohl die Auftragseingänge als auch die Bauproduktion waren zuletzt leicht aufwärts gerichtet.
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