FINANZ- UND VERMÖGENSLAGE

Die Finanz- und Vermögenslage hat sich im Berichtsjahr weiter verbessert. Kapitalflussrechnung und Bilanzstruktur spiegeln den Zuwachs des Unternehmenswertes wider. Durch die zentrale Finanzierung werden Kapitalbeschaffung und -anlage optimiert. Von den drei großen Rating- Agenturen wird ThyssenKrupp als Investment Grade bewertet.

Die Finanzierung unseres Konzerns erfolgt grundsätzlich zentral. Damit übernimmt die ThyssenKrupp AG die Verpflichtung, die Liquidität der Konzerngesellschaften aufrecht zu erhalten. Dies geschieht insbesondere über Mittelbereitstellungen im Rahmen des Konzernfinanzverkehrs, über die Vermittlung und Verbürgung von Krediten oder über Finanzierungshilfen in Form von Patronatserklärungen.

Um den Finanzbedarf der Konzerngesellschaften zu decken, werden selektiv auch lokale Kredit- und Kapitalmärkte durch die ThyssenKrupp AG und deren Finanzierungsgesellschaften genutzt.

Dadurch, dass wir die Finanzierung zentralisiert haben, wird die Verhandlungsposition gegenüber Kreditinstituten und anderen Marktteilnehmern gestärkt. Zentralisierung ist somit die Basis für die Realisierung optimaler Kapitalbeschaffungs- bzw. Kapitalanlagemöglichkeiten. Ebenfalls zentral erfolgen das Zinsrisikomanagement sowie das Devisenmanagement. Nähere Angaben finden Sie unter Anhang-Nr. 30.

Unser konzerninterner Finanzausgleich reduziert das Fremdfinanzierungsvolumen und optimiert die Geld- und Kapitalanlagen des Konzerns. Grundlage dieses Ausgleichs sind die im Rahmen von Cash-Management-Systemen eingesetzten Liquiditätsüberschüsse einzelner Konzerngesellschaften, die zur internen Finanzierung des Geldbedarfs anderer Konzerngesellschaften genutzt werden können. Weil die Lieferungen und Leistungen zwischen den Konzerngesellschaften über konzerninterne Finanzkonten verrechnet werden, reduzieren wir die Umsätze auf den Bankkonten erheblich.

Neben der Finanzplanung mit einem mehrjährigen Planungshorizont verfügt der Konzern über eine Liquiditätsplanung, die monatlich rollierend für einen Planungszeitraum von fünf Monaten erfolgt. In den Planungssystemen ist jeweils der gesamte Konsolidierungskreis abgebildet.

Durch die Finanz- und Liquiditätsplanung in Verbindung mit freien, zugesagten Kreditlinien wird sichergestellt, dass die ThyssenKrupp AG stets über eine ausreichende Liquiditätsreserve verfügt.

Zur Finanzierung werden neben bilateralen Bankkrediten und syndizierten Kreditfazilitäten auch Geld- und Kapitalmarktinstrumente eingesetzt sowie selektiv weitere außerbilanzielle Finanzierungsinstrumente wie z.B. Forderungsverkaufsprogramme oder Operating Leases genutzt. Informationen zu den freien verfügbaren Kreditlinien sind unter Anhang-Nr. 25 zu finden.

Rating

Emittenten-Ratings erleichtern den Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten. ThyssenKrupp verfügt seit 2001 über Emittenten-Ratings der beiden Rating-Agenturen Moody's und Standard & Poor's (S&P) sowie seit 2003 von Fitch. Derzeit wird ThyssenKrupp von den Rating-Agenturen wie folgt bewertet:


 

 

 

Langfrist-Rating

 

Kurzfrist-Rating

 

Ausblick

Standard & Poor's

 

 

BBB-

 

A3

 

stabil

Moody's

 

 

Baa2

 

Prime-2

 

stabil

Fitch

 

 

BBB+

 

F2

 

"watch negative"

ANALYSE DER KAPITALFLUSSRECHNUNG

Der in der Kapitalflussrechnung betrachtete Zahlungsmittelfonds entspricht der Bilanzposition "Flüssige Mittel".

Aus der operativen Geschäftstätigkeit ergibt sich im Geschäftsjahr 2005/2006 ein Mittelzufluss in Höhe von 3,5 Mrd € nach 2,4 Mrd € im Vorjahr. Der Anstieg des Operating Cash-Flow um 1,1 Mrd € ist im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass sich der Konzern-Jahresüberschuss vor Abschreibungen, vor latenten Steueraufwendungen und vor Ergebnissen aus dem Abgang von Vermögenswerten deutlich verbessert hat.

Im Vorjahr erzielten die nicht fortgeführten Aktivitäten einen Operating Cash-Flow von -1 Mio €.

Der Cash-Flow aus Investitionstätigkeit verringerte sich im Berichtsjahr im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Mrd € auf einen negativen Wert von 1,7 Mrd €. Ursache hierfür sind die um 2,1 Mrd € auf 0,4 Mrd € verringerten Einnahmen aus Desinvestitionen auf Grund des Verkaufs der Wohnimmobilien- Gruppe im Geschäftsjahr 2004/2005. Die Investitionsausgaben haben sich im Berichtsjahr insbesondere auf Grund eines Anstiegs der Investitionen in at equity bewertete Beteiligungen und andere finanzielle Vermögenswerte insgesamt um 0,2 Mrd € erhöht. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass durch den Erwerb von Howaldtswerke-Deutsche Werft (HDW) im Geschäftsjahr 2004/2005 gegenüber dem Vorjahr insgesamt 0,3 Mrd € weniger Flüssige Mittel aus dem Erwerb von konsolidierten Gesellschaften übernommen wurden.

Im Vorjahr erzielten die nicht fortgeführten Aktivitäten einen Cash-Flow aus Investitionstätigkeit von 31 Mio €.

Der Free Cash-Flow, d.h. die Summe aus Operating Cash-Flow und Cash-Flow aus Investitionstätigkeit, hat sich 2005/2006 mit 1,8 Mrd € im Vergleich zum Vorjahr um 1,5 Mrd € verringert; das liegt vor allem an den um 2,1 Mrd € verminderten Einnahmen aus dem Verkauf von Gesellschaften. Der im Geschäftsjahr 2005/2006 erzielte Free Cash-Flow wurde verwendet zur Zahlung von Dividenden (0,4 Mrd €), für die weitere Rückführung der Netto-Finanzverbindlichkeiten (0,9 Mrd €) sowie in Höhe von 0,4 Mrd € für den Erwerb (-0,7 Mrd €) abzüglich Erlöse aus dem Verkauf (0,3 Mrd €) eigener Aktien.

Veränderung der flüssigen Mittel in Mio €

Veränderung der flüssigen Mittel

Die nicht fortgeführten Aktivitäten erzielten 2004/2005 einen Cash-Flow aus Finanzierungstätigkeit in Höhe von -11 Mio €.

ANALYSE DER BILANZSTRUKTUR

Die nachfolgende Darstellung der Bilanzstruktur schließt die zur Veräußerung vorgesehenen Vermögenswerte und Schulden ein, die in der Konzernbilanz separat ausgewiesen werden.

Insgesamt stieg die Bilanzsumme gegenüber dem Vorjahr um 429 Mio € auf 35.730 Mio €.

Wesentliche Bilanzposten, insbesondere Vorräte, Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie Eigenkapital, sind gegenüber dem 30. September 2005 gestiegen. Dies ist vor allem Folge des weiteren Preisanstiegs für Rohstoffe, insbesondere bei NE-Metallen, und der konjunkturell bedingten Geschäftsausweitung. Das Sachanlagevermögen und die Finanzverbindlichkeiten sind hingegen auf Grund von Maßnahmen zur Senkung der Mittelbindung und Desinvestitionen deutlich zurückgegangen. Verschiebungen der Wechselkursrelationen, vor allem das Verhältnis des US-Dollar zum Euro, das sich von 1,205 €/US-Dollar zum 30. September 2005 auf 1,267 €/US-Dollar zum 30. September 2006 veränderte, bewirkten eine Verkürzung der Bilanzsumme um 219 Mio €. Die aktiven latenten Steuern verringerten sich, während sich die laufenden Ertragsteuerverbindlichkeiten leicht und die passiven latenten Steuern deutlich erhöhten.

Die Erhöhung der immateriellen Vermögenswerte um 110 Mio € ist im Wesentlichen auf die Erfassung von Goodwill aus verschiedenen Unternehmenserwerben insbesondere im Segment Services und die Aktivierung von Entwicklungskosten zurückzuführen.

Die eingeleitete Veräußerung des nordamerikanischen Karosserie- und Fahrwerksgeschäfts sowie die schlechte wirtschaftliche Situation in Teilen der Business Unit Body im Segment Automotive führten zu Wertminderungen im Sachanlagevermögen: Ferner führte auch der Brandschaden bei Stainless zu einem Rückgang des Sachanlagevermögens.

Die Erhöhung der at equity bewerteten Beteiligungen ist im Wesentlichen auf den Erwerb der Anteile an Atlas Elektronik in Höhe von 93 Mio € zurückzuführen.

Die Erhöhung der Vorräte um 401 Mio € auf 7.410 Mio € resultierte hauptsächlich aus der weiteren Erhöhung der Rohstoffpreise, insbesondere der Nickelpreise, und aus den auf Grund von Umsatzausweitungen gestiegenen Mengenbeständen im Segment Services.

Die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen lagen am 30. September 2006 um 334 Mio € über dem Vorjahresniveau. Dabei lag der Bestand an verkauften Forderungen zum 30. September 2006 nur geringfügig (44 Mio €) über dem Vergleichswert zum Vorjahresende. Die Erhöhung der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen ist das Ergebnis sowohl von mengenmäßigen als auch preisbedingten Umsatzausweitungen in allen Segmenten, bis auf Automotive und Technologies. Im Segment Technologies führten Desinvestitionen zu einem Rückgang der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen in Höhe von 207 Mio €.

Der Abfluss von Geldmitteln für Investitionen, Aktienrückkauf sowie Dividenden und die Rückzahlung von Finanzverbindlichkeiten überstiegen den Mittel-Zufluss aus operativer Geschäftstätigkeit und führten zu einem Rückgang der Flüssigen Mittel um 268 Mio € auf 4.447 Mio €.

Die aktiven latenten Steuern verringerten sich durch die Nutzung steuerlicher Verlustvorträge im Inland um 82 Mio €. Die Erhöhung der passiven latenten Steuern um 410 Mio € resultierte im Wesentlichen aus Unterschieden in der Vorratsbewertung nach IFRS und für steuerliche Zwecke.

Das Eigenkapital stieg um 983 Mio € auf 8.927 Mio €. Wesentlicher Faktor war hier das positive Ergebnis des Geschäftsjahres. Eigenkapitalerhöhend wirkten sich zusätzlich die direkt im Eigenkapital erfassten versicherungsmathematischen Gewinne aus der Pensionsbewertung aus; diese betrugen vor Steuern 385 Mio €. Eigenkapitalmindernd wirkten sich der Rückkauf der eigenen Aktien mit 697 Mio €, die Dividendenzahlungen für das Vorjahr mit 439 Mio € sowie Währungskursdifferenzen mit 90 Mio € aus.

Die Rückstellungen für Pensionen und pensionsähnliche Verpflichtungen nahmen im Berichtsjahr um 883 Mio € auf 8.111 Mio € ab. Dieser Rückgang resultierte im Wesentlichen aus einem Anstieg des Diskontierungszinssatzes in den meisten relevanten Währungsräumen. Der Wertanstieg des Pensionsvermögens bei den fondsgedeckten Altersversorgungsverpflichtungen verstärkte diesen Effekt um 130 Mio €.

Die Sonstigen kurz- und langfristigen Rückstellungen lagen leicht über Vorjahresniveau.

Die kurz- und langfristigen Brutto-Finanzverbindlichkeiten verringerten sich insgesamt um 1.196 Mio €. Wesentliche Ursache hierfür war die Tilgung zweier Anleihen in Höhe von 806 Mio € im Bereich Corporate.

Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen erhöhten sich um 681 Mio €. Auch hier wirkten sich die bereits beschriebene Geschäftsausweitung und der Preisanstieg aus. Bei Technologies bewirkten die Desinvestitionen eine Reduzierung der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen.

Auch die übrigen Verbindlichkeiten erhöhten sich infolge der Geschäftsausweitung, insbesondere bei Technologies und Elevator.

Netto-Finanzverbindlichkeiten in Mio €

Netto-Finanzverbindlichkeiten

NICHT BILANZIERTES VERMÖGEN UND AUSSERBILANZIELLE FINANZIERUNGSINSTRUMENTE

Neben dem in der Konzernbilanz ausgewiesenen Vermögen nutzt der Konzern auch nicht bilanzierungsfähige Vermögenswerte. Diese betreffen hauptsächlich bestimmte geleaste, gepachtete oder gemietete Güter (Operating Lease). Einzelheiten hierzu sind unter der Anhang-Nr. 16 nachzulesen.

Zu den nicht bilanzierten Vermögenswerten zählt auch die Marke ThyssenKrupp als wichtiger immaterieller Vermögenswert. Sie wurde im Berichtsjahr weiterentwickelt. Durch die im Februar 2006 angelaufene neue Imagekampagne mit Imagefilm, tv-Spots, Anzeigen und Außenwerbung haben wir unsere Konzernmarke erneut kommunikativ gestärkt. Die Aufwendungen dafür stellen für uns Investitionen in die Zukunft dar, da sie der Marke international Profil verleihen, eine Präsenz in den Märkten erzeugen und Transparenz im Hinblick auf unser Leistungsspektrum vermitteln. Marktbeobachtungen bestätigen der Marke ThyssenKrupp ausgesprochen hohe Wiedererkennungs- und Sympathiewerte.

Im Rahmen außerbilanzieller Finanzierungsinstrumente nutzt der Konzern insbesondere Forderungsverkaufsprogramme. Nähere Angaben dazu befinden sich unter Anhang-Nr. 19.