Ausführungen von Dr. A. Stefan Kirsten
Mitglied des Vorstands der ThyssenKrupp AG anlässlich der Bilanzpressekonferenz am 1. Dezember 2004
Es gilt das gesprochene Wort.
- Einleitung
- Überblick - Highlights
- Gewinn- und Verlustrechnung
- Umsatz/Auftragseingang
- Vorsteuer-Ergebnisse
- Nachsteuer-Ergebnisse
- Konzernbilanz
- Anlagevermögen / Investitionen
- Cash-Flow-Statement
- Bilanz- und Finanzdaten
- Pensionen und ähnliche Verpflichtungen
- ROCE (return on capital employed) / Wertbeitrag
- Mitarbeiter
- Eckdaten im Vergleich
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
auch ich möchte Sie heute morgen hier in Essen ganz herzlich begrüßen.
Die Ausführungen von Herrn Prof. Schulz haben deutlich gemacht: Das Jahr 2003/2004 war in jeder Hinsicht ein sehr erfolgreiches Jahr. Dies spiegelt sich auch in den Zahlen des Konzernabschlusses wider. Aus meiner Sicht lässt sich festhalten:
- ThyssenKrupp hat eine Rendite deutlich über den Kapitalkosten erzielt, also Wert für die Aktionäre geschaffen. Hierzu haben alle industriellen Segmente beigetragen.
- ThyssenKrupp erzielte mit knapp 1,6 Mrd € (Ergebnis aus fortgeführten Aktivitäten vor Steuern) das beste Ergebnis seit der Fusion im Jahr 1999.
- ThyssenKrupp hat dieses Ergebnis erzielt, obwohl die Restrukturierungsanstrengungen auch 2003/2004 mit rund 125 Mio € fortgesetzt wurden und teilweise für uns widrige wirtschaftliche Rahmenbedingungen, insbesondere beim Einkauf von Rohstoffen und auf der Währungsseite zu verkraften waren. Das Ergebnis ist daher ein Sprung, nicht nur wegen seiner absoluten Höhe, sondern auch auf Grund der Ergebnisqualität.
- Dem Ergebnis entspricht auch ein gleichermaßen hoher operativer Cash Flow von 2,6 Mrd €, der den entscheidenden Beitrag zur Reduzierung der Finanzschulden auf jetzt nur noch 2,8 Mrd € leistete. Zur Erinnerung: Am Ende des vorangegangenen Jahres betrugen die Netto-Finanzschulden noch 4,2 Mrd €, im Geschäftsjahr 2000 hatten die Netto-Finanzschulden mit knapp 7,7 Mrd € ihren Höchststand.
- Das Desinvestitionsprogramm hat gegen Ende des Geschäftsjahres 2003/2004 deutlich an Fahrt aufgenommen. Dies brachte nicht nur einen Zufluss an finanziellen Mitteln. Da auch im abgelaufenen Jahr deutliche Verlustbringer verkauft wurden, hat sich dadurch auch das Ergebnispotenzial des Konzerns verbessert.
Lassen Sie mich die finanziellen Daten anhand der Ihnen vorliegenden Unterlage erläutern. Voranschicken möchte ich dabei einen Hinweis: Nach den Vorschriften von US GAAP und den internationalen Berichterstattungsgepflogenheiten ist es üblich, im Falle der Veräußerung wesentlicher Unternehmensteile nur die Zahlen für die fortgeführten Aktivitäten zu präsentieren. D.h., das Unternehmen wird ohne den Einfluss von Aktivitäten dargestellt, die schon verkauft sind oder deren Verkauf eingeleitet ist und unmittelbar bevorsteht. Da wir im letzten Jahr in erheblichem Umfang Unternehmensteile verkauft haben, beziehen sich meine folgenden Aussagen in der Regel nur auf die fortgeführten Aktivitäten; die laufenden Ergebnisse und die Verkaufsgewinne oder Verluste der verkauften Gesellschaften sind also nicht mehr enthalten. Sie sehen den Konzern also so, wie er sich auf Grund der künftigen Unternehmensstruktur darstellt. Auf die verkauften Aktivitäten gehe ich dann gesondert ein.
Überblick - Highlights
Auf der Seite 3 habe ich Ihnen die wesentlichen Eckdaten des Konzernabschlusses zum 30.09.2004 einschließlich der entsprechenden Vorjahresdaten zusammengestellt; beide Jahre sind, wie erläutert, um die veräußerten Aktivitäten bereinigt. Bei einem Umsatz von 39,3 Mrd € erzielten wir ein Ergebnis vor Steuern in Höhe von 1.580 Mio € , eine Steigerung um 806 Mio € gegenüber der vergleichbaren Vorjahreszahl.
Bezieht man das gesamte Nachsteuer-Ergebnis aus fortgeführten und nicht fortgeführten Aktivitäten in Höhe von 904 Mio € auf die im Umlauf befindlichen Aktien, so errechnet sich ein Ergebnis je Aktie von 1,81 €. Betrachtet man nur die fortgeführten Aktivitäten beträgt das Ergebnis pro Aktie 1,77 € pro Aktie.
Auf die erfreuliche Entwicklung bei den Netto-Finanzverbindlichkeiten mit 2,8 Mrd € hatte ich bereits hingewiesen. Ergänzen möchte ich hierbei, dass es keine Erweiterung der Off-Balance-Sheet-Finanzierung gab; die Verpflichtungen aus Operating-Lease-Verträgen und Forderungs-verkäufen blieben insgesamt unverändert.
Gewinn- und Verlustrechnung
Auf Seite 4 ist die Gewinn- und Verlustrechnung dargestellt. Umsatz und Umsatzkosten wuchsen in annähernd gleichem Umfang. Verwaltungs- und Vertriebskosten sowie sonstige betriebliche Aufwendungen und Erträge blieben insgesamt praktisch konstant. Es gab also einen deutlichen Kostendegressionseffekt. Auch die fortgesetzten Anstrengungen zur Effizienzsteigerung trugen hierzu signifikant bei.
Der Ertragsteueraufwand stieg von 161 Mio € auf 636 Mio €; das ist unter anderem auch Folge der verbesserten Gewinnsituation der Konzerngesellschaften gerade in Hochsteuerländern wie Deutschland, Italien und den USA.
Der Ergebnisbeitrag der wesentlichen veräußerten Aktivitäten ist hier nach Steuern dargestellt und betrug 2003/2004 insgesamt 20 Mio € nach einem Verlust von 10 Mio € im Vorjahr. Hierauf gehe ich später noch im Detail ein.
Umsatz/Auftragseingang
Auf der Seite 5 haben wir Ihnen im linken Teil den Auftragseingang und den Umsatz nach Segmenten im Detail zusammengestellt. Für den Umsatz sind rechts ferner die Verteilung auf die Kundengruppen und Regionen enthalten. Es ist auch wieder in diesem Jahr eine breite und stabile Verteilung der Umsatzquellen erkennbar. Trotz eines deutlich verschlechterten Verhältnisses des US-Dollars zum € blieben die geografische Verteilung der Umsätze ebenso wie die Umsätze nach Kundengruppen fast unverändert. Der Effekt der veränderten Relation des US-Dollars zum € machte beim Umsatz und Auftragseingang einen reinen Umrechnungseffekt von jeweils etwa 1 Mrd € aus. D.h., zu den Kursverhältnissen des Vorjahres hätte ThyssenKrupp etwa 1 Mrd € mehr sowohl beim Umsatz als auch beim Auftragseingang erzielt.
Vorsteuer-Ergebnisse
Auf Seite 6 sind die Vorsteuer-Ergebnisse angegeben. Das linke obere Bild zeigt den Aufriss nach Segmenten und die Veränderung zum Vorjahr.
Die stärksten Steigerungen erzielten Steel und Services.
Steel erzielte die Gewinnsteigerung aus den umgesetzten Programmen zur Effizienzsteigerung und erheblichen Mengenzuwächsen, insbesondere bei Carbon. Preissteigerungen glichen im Wesentlichen maximal erhöhte Rohstoffkosten aus.
Automotive steigerte das Ergebnis durch Restrukturierungs- und Kostensenkungsmaßnahmen. Gegenläufig wirkten die verschlechterte Relation vom Dollar zum € sowie wiederum gestiegene Personalaufwendungen in Nordamerika.
Elevator steigerte sich nochmals auf hohem Niveau. Postiv war insbesondere die Entwicklung in Europa und Asien, während Nordamerika unter verschärftem Wettbewerb und einem ungünstigeren Dollar-Kurs litt.
Bei Technologies erzielten Plant Technology und Mechanical Engineering deutliche Gewinnzuwächse. Das Segmentergebnis war durch einen Forderungsausfall aus dem Verkauf von zwei Kreuzfahrtschiffen belastet.
Services realisierte die erhebliche Gewinnsteigerung durch die gute weltweite Konjunktur für Werk- und Rohstoffe und die erfolgreiche Restrukturierung des Werkstoffgeschäftes in Europa und Nordamerika.
Real Estate konnte nach den Ergebnisbelastungen des Vorjahres wieder an das Niveau der Vergangenheit anschließen.
Im linken unteren Bild sind die Restrukturierungsaufwendungen und außerplanmäßigen Abschreibungen im abgelaufenen Geschäftsjahr und im Vorjahr dargestellt. Beide Aufwandsarten stehen im Zusammenhang mit unverminderten Restrukturierungsanstrengungen bei den fortgeführten Aktivitäten. Hierzu folgende Anmerkungen: Nicht eingerechnet sind die Verluste aus dem Verkauf bzw. anstehenden Verkauf der nicht fortgeführten Aktivitäten, hierauf gehe ich noch ein. Der Ertrag bei Automotive resultiert daraus, dass das Werksgelände unseres vor zwei Jahren stillgelegten Presswerkes in Philadelphia besser verwertet werden konnte als ursprünglich gedacht. Die Abschreibungen bei Real Estate entfallen im Wesentlichen auf nicht betriebsnotwendiges, zur Verwertung vorgesehenes Immobilienvermögen in der Sparte Immobilien Management, nicht auf Wohnimmobilien.
Im rechten oberen Bild sind das Ergebnis und die Außenumsätze getrennt nach Inland und Ausland dargestellt. Dabei fällt auf, dass bei konstanter Umsatzverteilung die Ergebnisse in Deutschland überproportional gestiegen sind. Dieses ist im Wesentlichen auf die Verbesserung der Ergebnisqualität im Segment Steel zurückzuführen.
Im rechten unteren Bild ist zu Ihrer Information die Ergebnisgröße EBIT dargestellt. Das EBIT zeigt die operative Leistungsfähigkeit ohne Berücksichtigung der Finanzierungsaufwendungen. Das EBIT ist mit 840 Mio € noch etwas mehr gestiegen als das EBT. Das bedeutet, die Ergebniszuwächse stammten nicht aus dem Finanzergebnis oder Beteiligungsergebnis, sondern resultieren ausschließlich aus dem betrieblichen Bereich.
Nachsteuer-Ergebnisse
Ich möchte nun zu den Nachsteuer-Ergebnissen auf Seite 7 übergehen. Sie erkennen hier als neuen Ergebnisbestandteil das Ergebnis aus den nicht fortgeführten Aktivitäten. Hierzu folgende Erläuterungen: Wir haben 2003/2004 insgesamt 11 Einheiten verkauft. Davon sind vier Einheiten so wesentlich, dass sie einzeln betrachtet und in der Summe einen wesentlichen Einfluss auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Konzerns hatten und daher als "nicht fortgeführte Aktivitäten" behandelt werden. Es handelte sich im Segment Steel um die Berkenhoff GmbH und die Krupp Edelstahlprofile GmbH, beides Langproduktehersteller in der Business Unit "Special Materials"; ferner wurden im Segment Services die Triaton, unser IT-Dienstleister, und der Bereich Facilities Services, oder auf Deutsch "Gebäudedienstleistungen", verkauft. Der Verkauf der Triaton erfolgte bereits im 2. Quartal an Hewlett Packard, die für uns weiter mit IT-Dienstleistungen tätig sein werden. Hierüber wurde bereits ausführlich berichtet. Während der Verkauf der erfolgreichen Triaton mit ihrem umfangreichen Fremdgeschäft zu einem erheblichen Gewinn führte, waren wir mit unseren Gebäudedienstleistungen wenig erfolgreich. Der im letzten Quartal eingeleitete und zwischenzeitlich vollzogene Verkauf führte zu einem deutlichen Verlust, der im Jahresüberschuss 2003/2004 bereits vollständig verkraftet ist.
In der Tabelle auf S. 7 unten links, sehen sie den Einzelaufriss des Ergebnisses der nicht fortgeführten Aktivitäten, und zwar sowohl vor wie auch nach Steuern und differenziert nach dem laufenden Ergebnis und dem durch den Verkauf bedingten Ergebnisbeitrag. Es sei nochmals darauf hingewiesen, dass die Vergleichszahlen des Vorjahres angepasst wurden und insoweit nicht mehr mit den im letzten Jahr veröffentlichten Zahlen übereinstimmen.
Die Aufwendungen für Ertragsteuern haben im Berichtsjahr – wie im Bild oben rechts erkennbar – stark zugenommen. Für 2003/2004 errechnet sich eine Steuerquote von 40 % nach nur 21 % im Vorjahr. Hierfür gibt es mehrere Erklärungen: Zunächst haben wir im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr verdient und das führt immer zu höherem Steueraufwand. Dabei ist zu beachten, dass wesentliche Gewinnzuwächse gerade in den Ländern mit hoher Steuerquote wie Deutschland, Italien und USA anfielen. Ferner müssen beim Vorjahresvergleich zwei Sondereffekte berücksichtigt werden, die den Steueraufwand des Vorjahres minderten: die steuerliche Abzugsfähigkeit des Rückkaufs eigener Aktien und die Auflösung einer Steuerrückstellung auf Grund des positiven Ausgangs eines steuerlichen Musterprozesses vor dem BFH.
Nach Berücksichtigung der Anteile anderer Gesellschafter am Ergebnis sowie der Bewertungsänderungen ergibt sich im Berichtsjahr der im oberen linken Bild dargestellte Konzern-Jahresüberschuss in Höhe von 904 Mio € nach 552 Mio € im Vorjahr; dies sind 352 Mio € mehr als im Vorjahr. Bezieht man diesen Wert nun auf die Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien, so ergibt sich – wie schon erwähnt – ein Ergebnis je Aktie von 1,81 €. Bezogen auf die fortgeführten Aktivitäten ergibt sich ein Ergebnis je Aktie im unteren rechten Bild in Höhe von 1,77 €. Dies hat auch Auswirkungen auf den Vorschlag für die Dividendenzahlung, die im Berichtsjahr von 50 Cent auf 60 Cent erhöht werden soll. Die Ausschüttungsquote beträgt damit bezogen auf die fortgeführten Aktivitäten 33,1 % nach 45,1 % im Vorjahr und 95,7 % in 2001/2002.
Auf die Dividendenpolitik ist Herr Prof. Schulz bereits eingegangen. Ich möchte an dieser Stelle daher nur nochmals betonen, dass die Dividendenpolitik der ThyssenKrupp AG darauf ausgerichtet ist, jährlich eine am nachhaltig erzielten Ergebnis des Konzerns orientierte, angemessene Dividende auszuschütten.
Konzernbilanz
Auf Seite 8 ist die Bilanz dargestellt. Vermögensgegenstände und Schulden, die zur Veräußerung vorgesehen sind, werden hier zum 30.09.2004 in Höhe von 219 Mio € bzw. 191 Mio € gesondert dargestellt; es handelt sich hierbei um die zwischenzeitlich verkauften Krupp Edelstahlprofile GmbH und den Bereich Facilities Services. Bei diesen Aktivitäten war der Verkauf zum 30.9.2004 bereits eingeleitet, zwischenzeitlich ist er in beiden Fällen auch vollzogen, aber zum 30.9. waren die Vermögensgegenstände und Schulden dieser Einheiten noch in unserer Bilanz enthalten.
Die Bilanzsumme sowie wesentliche Bilanzposten, insbesondere Vorräte, Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie das Eigenkapital haben sich gegenüber dem 30.09.2003 deutlich erhöht. Dies ist vor allem eine Folge der Stahlkonjunktur und des Preisanstiegs für Rohstoffe, insbesondere bei NE-Metallen. Veränderte Wechselkursrelationen, vor allem des USD zum € bewirkten eine Verkürzung der Bilanzsumme um 0,2 Mrd €. Das Anlagevermögen hat sich um 0,3 Mrd € auf 15,1 Mrd € verringert. Dieser Rückgang ergibt sich im Wesentlichen aus einer moderaten Investitionspolitik, Desinvestitionen und Währungskursänderungen.
Das Eigenkapital stieg um 0,7 Mrd € auf 8,3 Mrd €. Wesentlicher Faktor war hier das positive Ergebnis des Geschäftsjahres. Die Zahlung der Vorjahresdividende sowie Wechselkursdifferenzen führten zu einer Eigenkapitalminderung von insgesamt 0,3 Mrd €.
Anlagevermögen / Investitionen
Im linken Teil der Seite 9 habe ich Ihnen noch einmal die Sachanlagen und die Firmenwerte nach Segmenten zusammengestellt. Auf der rechten Seite sind die Investitionen nach Segmenten dargestellt. Im unteren Bild haben wir Ihnen noch einmal für die Sachanlageinvestitionen die regionale Verteilung angegeben. Die Entwicklung spiegelt moderate Handhabung von Investitionen wider. Investitionsschwerpunkt ist nach wie vor Deutschland mit 62,4 %.
Cash-Flow-Statement
Ich komme nun zum Cash Flow-Statement auf Seite 10. Der Cash Flow aus laufender Geschäftstätigkeit hat sich im Vergleich zum Vorjahr von 2.027 Mio € auf 2.559 Mio € erhöht. Die Steigerung ist Ergebnis der verbesserten betrieblichen Leistung.
Bilanz- und Finanzdaten
Im linken oberen Bild auf Seite 11 haben wir Ihnen angegeben, welche freien Mittel die Segmente generiert haben. Dies lässt sich durch die Kennzahl Free Cash Flow ausdrücken, die sich als Saldo aus dem Cash-Flow aus laufender Geschäftstätigkeit und dem Cash Flow aus Investitionstätigkeit errechnet. Insbesondere Steel konnte auf Grund der Geschäftsausweitung den Free Cash Flow um 567 Mio € steigern. Im Bereich Corporate entfiel der Effekt aus dem Rückkauf der eigenen Anteile, der den Vorjahres Free Cash Flow mit 406 Mio € belastet hatte.
Unsere Netto-Finanzverbindlichkeiten, das sind die Brutto-Finanzverbindlichkeiten abzüglich der Liquiden Mittel, konnten wir deutlich um 1,4 Mrd € auf 2,8 Mrd € reduzieren. Die Minderung resultiert aus der bereits erläuterten Reduktion der Brutto-Finanzverbindlichkeiten um 0,7 Mrd € und einer gleichzeitigen Erhöhung der Liquiden Mittel um 0,7 Mrd €. Die Entwicklung können Sie auf dem rechten oberen Bild erkennen.
Das rechte untere Bild auf Seite 11 verdeutlicht noch einmal die wesentlichen Faktoren, die den Abbau der Finanzverbindlichkeiten beeinflusst haben. Der Free Cash Flow ist deutlich von 858 Mio € im Vorjahr auf 1.580 Mio € im abgelaufenen Berichtsjahr gestiegen, wobei der wesentliche Zuwachs aus dem operativen Cash Flow stammte. Der Cash Flow aus Investitionen/Desinvestitionen verbesserte sich um 190 Mio € im Wesentlichen als Folge verstärkter Desinvestitionen. Aus dem Free Cash Flow in Höhe von 1.580 Mio € wurde die Vorjahresdividende von 249 Mio € finanziert. Der Kurseffekt, d.h. die kursbedingt niedrigere Bewertung der USD-Schulden, hat mit einer Reduktion in Höhe von nur 38 Mio € geholfen.
Erfreulich ist auch die Entwicklung unserer Gearing-Kennzahl. Auf Grund eines um 0,7 Mrd € gestiegenen Eigenkapitals und der um 1,4 Mrd € gesunkenen Netto-Finanzverbindlichkeiten konnte das Gearing von 55,2 % auf 34,0 % verbessert werden.
Auf Grund des Anstiegs des Eigenkapitals haben sich die Eigenkapitalkennzahlen gegenüber dem Vorjahr verbessert. Wir haben dies im linken unteren Bild dargestellt.
Pensionen und ähnliche Verpflichtungen
Eine besondere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit hatte in der Vergangenheit die Bilanzierung der Pensionen gefunden. Wir haben Ihnen daher auf Seite 12 einige wesentliche Daten zur Bilanzierung der Pensionsverpflichtungen zusammengestellt. Wie Sie aus den beiden oberen Bildern erkennen können, sind die Verpflichtungen aus den Pensionsleistungen unterschiedlich finanziert. Der wesentliche Teil entfällt auf rückstellungsfinanzierte Pensionsverpflichtungen für Arbeitnehmer in Deutschland und einigen weiteren kontinental-europäischen Ländern. Im Fall der Rückstellungsfinanzierung werden die in der Bilanz ausgewiesenen Pensionsverpflichtungen durch die bilanzierten operativen Vermögensgegenstände des Unternehmens finanziert, also z.B. unsere Anlagen in der Stahlerzeugung oder die Beteiligungen bei Elevator. Wir sprechen dann von einer internen Finanzierung. Die Anwartschaftsbarwerte aus den rückstellungsfinanzierten Pensionsverpflichtungen (Projected Benefit Obligation) betragen praktisch unverändert 6 Mrd €. Dabei wurde aber die erwartete Anpassung an die Längerlebigkeit der Rentenbezieher bereits berücksichtigt.
Bei den fondsfinanzierten Pensionsverpflichtungen erfolgt die Finanzierung mit Wertpapieren in Fonds außerhalb des Unternehmens. Diese Form der Alterssicherung haben wir traditionell in den USA und Großbritannien gewählt. Die Anwartschaftsbarwerte solcher Verpflichtungen sind mit 2 ,1 Mrd € (PBO) nach 1,9 Mrd € im Vorjahr etwas angestiegen. Das Fondsvermögen nahm aber im gleichen Zeitraum von 1,3 Mrd € auf 1,5 Mrd € zu.
Unten links sehen Sie die Darstellung der bereits angesprochenen Anpassungen zur Berücksichtigung der Längerlebigkeit der Rentenbezieher. Diese Anpassung betrifft nur unsere deutschen Verpflichtungen. In Deutschland werden Rentenverpflichtungen mit standardisierten Annahmen über die Lebenserwartung der Rentenbezieher berechnet. Das Phänomen der zunehmenden Lebenserwartung ist hinlänglich bekannt. Neu ist allenfalls, dass es nun vor allem die Männer sind, deren Lebenserwartung statistisch zunimmt. Obwohl die neuen Sterbetafeln noch nicht offiziell vorliegen, haben wir im Konzernabschluss 2003/2004 die erwarteten Auswirkungen als eines der ersten Unternehmen bereits berücksichtigt.
Lassen Sie mich kurz zusammenfassen: Unsere Pensionen sind wie schon im letzten Jahr vollständig und konservativ bilanziert. Eine Zunahme der Pensionslasten sehen wir insgesamt nicht. Die Cash-Abflüsse von gut 400 Mio € können wir problemlos aus dem operativen Cash Flow abdecken. Das gilt früher wie heute.
ROCE (return on capital employed) / Wertbeitrag
Meine Damen und Herren, ich komme nun zu unseren wertorientierten Führungskennzahlen auf Seite 13. Dies ist zunächst der ROCE oder return on capital employed. Wir erreichten im Berichtsjahr eine Kapitalverzinsung von 12,0 %. Da nach unserer unveränderten Definition die Kapitalkosten des Konzerns 9 % betragen, errechnet sich ein positiver Abstand oder Spread von 3,0 %-Punkten. Die ROCE-Werte und die Kapitalkosten je Segment sind ebenfalls auf dem Bild dargestellt.
Multipliziert man nun diesen Spread mit dem eingesetzten verzinslichen Kapital, das hier undeutsch als Capital Employed bezeichnet wird, so errechnet sich der Wertbeitrag, der ebenfalls auf dieser Seite dargestellt ist. Dieser Wert war unter Berücksichtigung der angesetzten Kapitalkosten im Berichtsjahr mit 572 Mio € positiv. Somit lag er um 924 Mio € über dem negativen Vorjahreswert von - 352 Mio €. Dieses ist ein klarer Erfolg und ein wesentlicher Indikator für die Einschätzung der Zahlen. In den Segmenten ergibt sich das Folgende:
Im Segment Steel ist das Ergebnis vor Zinsen inklusive nicht fortgeführter Aktivitäten um 449 Mio € auf 1.076 Mio € gestiegen. Bei einem geringfügig gesunkenen Capital Employed steigt der ROCE in 2003/2004 von 7,1 % auf 12,5 %. Auf Grund dieser Verbesserung werden die Kapitalkosten in Höhe von 10 % überschritten. Der Wertbeitrag beläuft sich auf 212 Mio €, das ist eine Verbesserung um 467 Mio € gegenüber dem Vorjahr. Dies ist ein deutlicher Beitrag zur Wertsteigerung.
Auch bei Automotive steigt das Ergebnis vor Zinsen. Es liegt in 2003/2004 bei 397 Mio €, das sind 115 Mio € mehr als im Vorjahr. Bei leicht gestiegenem Capital Employed erhöht sich der ROCE von 9,6 % auf 13,1 % und liegt damit deutlich über den Kapitalkosten von 9,5 %. Nach einem geringfügigen Wertbeitrag im Vorjahr wird in 2003/2004 ein positiver Betrag von 108 Mio € erzielt. Dies ist eine deutliche Verbesserung um 105 Mio €.
Im Segment Elevator bleibt der ROCE mit 23,7 % im Vergleich zu 23,6 % im Vorjahr nahezu unverändert auf hohem Niveau. Hierbei überwiegt der leichte Ergebnisanstieg die Erhöhung des Capital Employed. Der Wertbeitrag steigt bei Kapitalkosten von 9 % um 9 Mio € auf 250 Mio €. Auch Elevator hat damit wieder seine Kapitalkosten verdient und die Zielrendite übertroffen.
Das Ergebnis vor Zinsen von Technologies ist in 2003/2004 um 41 Mio € auf 90 Mio € gestiegen. Diese Verbesserung der Rentabilität wird durch einen deutlichen Abbau des Capital Employed um 479 Mio € noch verstärkt. Somit steigt der ROCE von 4,2 % auf 13,0 % und liegt damit über den Kapitalkosten in Höhe von 10 %. Der Wertbeitrag erhöht sich daher von -68 Mio € im Vorjahr auf +21 Mio € in 2003/2004.
Im Segment Services erhöht sich das Ergebnis vor Zinsen auf Grund der guten Stahlkonjunktur um 249 Mio €, das Capital Employed sinkt auf Grund von Programmen zur Senkung der Mittelbindung um 422 Mio €. Der ROCE steigt so in 2003/2004 beachtlich von 3,8 % auf 13,3 % und liegt damit oberhalb der Kapitalkosten in Höhe von 9 %. Dementsprechend errechnet sich für 2003/2004 ein positiver Wertbeitrag von 120 Mio €, gegenüber dem Vorjahr ist das eine Verbesserung um 286 Mio €.
Im Bereich Real Estate steigt das Ergebnis vor Zinsen von 70 Mio € auf 86 Mio €. Der damit einhergehende Anstieg der Kapitalrendite kann durch eine leichte Verringerung des Capital Employed verstärkt werden. Der ROCE steigt in 2003/2004 von 4,0 % auf 4,9 %. Somit ergibt sich nur bei Real Estate ein negativer Wertbeitrag, der sich jedoch im Vergleich zum Vorjahr um 17 Mio € auf -46 Mio € verbessert hat.
Mitarbeiter
Auf Seite 14 haben wir Ihnen die Entwicklung der Mitarbeiterzahlen und die Verteilung auf die Segmente und Regionen angegeben.
Eckdaten im Vergleich
Auf Seite 15 haben wir Ihnen die wichtigsten Eckdaten im Zeitvergleich nochmals dargestellt.
Meine Damen und Herren,
soweit eine Darstellung des Jahres 2003/2004 des ThyssenKrupp Konzerns in Zahlen,
ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.



