Auszug aus einem Interview mit Dr. Gerhard Cromme, Vorsitzender des Aufsichtsrats der ThyssenKrupp

Redaktion ThyssenKrupp Magazin: Heutzutage suchen viele Aktionäre nicht das langfristige Prosperieren, sondern den kurzfristigen Gewinn. Wie sehen Sie in diesem Spannungsverhältnis die Corporate Governance?

Dr. Gerhard Cromme: Das ist generell nicht richtig, auch wenn es in Teilen so sein mag. Natürlich sehen sich insbesondere Fondsmanager gezwungen, kurzfristig zu agieren, um den Wert ihrer Fonds möglichst schnell zu steigern, weil auch ihre individuelle Bezahlung davon abhängt. Fragen der langfristigen Entwicklung eines Unternehmens kommen da oft zu kurz. Aber gerade in den kontinentaleuropäischen Ländern ist die Übereinstimmung groß, dass Unternehmen nicht nur aus Aktionären bestehen. Dem langfristigen Aktionärsinteresse wird am besten gedient, wenn die Unternehmen auch zufriedene Kunden, Lieferanten, Mitarbeiter und andere Partner in Wirtschaft und Gesellschaft haben.

Redaktion ThyssenKrupp Magazin: Zum Kern des Kodex gehört die Forderung nach Transparenz, quer durch alle Unternehmensbereiche. Trägt auch dies dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen langfristig zu sichern?

Dr. Gerhard Cromme: Gute und transparente Unternehmensleitung und -kontrolle stärkt die Unternehmen und macht sie attraktiv für die Anleger. Empirische Studien haben gezeigt, dass Unternehmen einen Abschlag auf die Marktkapitalisierung ihrer Aktionen hinnehmen müssen, wenn ihre Corporate Governance unterentwickelt und für den Außenstehenden wenig transparent ist. Der Deutsche Corporate Governance Kodex will diese Mängel beseitigen, vor allem durch mehr Transparenz bei unternehmerischen Entscheidungen, bei möglichen Interessenkonflikten von Organmitgliedern oder auch Wirtschaftsprüfern, schließlich auch bei Vergütungsfragen. Jeder Manager muss sich bei seinen Entscheidungen am Transparenzgebot messen lassen: Wenn er eine Entscheidung der Öffentlichkeit nicht mit guten Gründen klar machen kann, sollte er sie erst gar nicht treffen. Wenn er freilich gute Gründe hat, muss er so und nur so entscheiden, auch wenn er sich dadurch nicht unbedingt beliebt macht.

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