August Thyssen wird am 17. Mai 1842 als drittes Kind und erster Sohn einer wohlhabenden katholischen Unternehmerfamilie in der Industrie- und Bergbaustadt Eschweiler nahe Aachen geboren. Sein Vater Friedrich (1804 - 1877) leitet 15 Jahre lang das erste Stahldrahtwalzwerk in der Rheinprovinz, bevor er eine Bank gründet. Fleiß, Anspruchslosigkeit und Sparsamkeit der Eltern prägen den Heranwachsenden stark. Nach der Rektoratsschule in Eschweiler besucht August die Höhere Bürgerschule in Aachen, bevor er 1859 für zwei Jahre an die Polytechnische Schule in Karlsruhe wechselt, um Maschinenbau und Bauwesen zu studieren. 1861 geht er für ein Jahr nach Antwerpen an die Handelshochschule "Institut Supérieur du Commerce de l'État", um anschließend im Bankgeschäft seines Vaters zu arbeiten.
Kolorierte Zeichnung des Bandeisenwalzwerks von Thyssen & Co. in [Mülheim-]Styrum aus dem Jubiläumsalbum von 1896.
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August Thyssen besitzt eine für seine Zeit gute technische und kaufmännische Ausbildung, als er sich 1867 zusammen mit seinem Schwager Bicheroux erstmals an einer Unternehmensgründung (Thyssen, Fossoul & Co.) in Duisburg beteiligt. Nach nur vier Jahren und einer Vervierfachung des eingesetzten Kapitals verlässt er das Unternehmen, um sich selbstständig zu machen. Zusammen mit seinem Vater als Teilhaber gründet er am 1. April 1871 in Styrum bei Mülheim an der Ruhr das Bandeisenwalzwerk Thyssen & Co.
Nach dem Tod des Vaters 1877 tritt Augusts jüngerer Bruder Joseph (1844 - 1915) als Mitinhaber in das Unternehmen ein. Dadurch gewinnt August Thyssen Zeit für weitere unternehmerische Aktivitäten, zunächst im Ruhrgebiet, später auch in Frankreich und Übersee. 1872 heiratet August Thyssen Hedwig Pelzer (1854 - 1940), die Tochter des Mülheimer Unternehmers Johann Heinrich Pelzer. In den folgenden Jahren werden vier Kinder geboren: Fritz (1873 - 1951), August (1874 - 1943), Heinrich (1875 - 1947) und Hedwig (1878 - 1960). Die Ehe wird 1885 geschieden; die Kinder wachsen beim Vater auf.
Seit 1878 engagiert sich August Thyssen zunächst in der Weiterverarbeitung seiner bei Thyssen & Co. gefertigten Produkte, u. a. indem er Röhren für Gasleitungen fertigt. 1882 lässt er in Styrum Bleche walzen, für die er zwei Jahre später eine Verzinkerei aufbaut. Den Grundstein für seine Maschinenfabrik Thyssen & Co. legt er 1883 mit dem Kauf einer benachbarten Maschinenbaufirma.
Erzverladeanlage der Gewerkschaft Deutscher Kaiser im Hafen Nikolajew, Russland, um 1914. Der Ausleger der Krananlage war so konzipiert, dass er Ladearbeiten an einem in zweiter Reihe am Kai liegenden Schiff gestattete.
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Den Schritt zum Vertikalkonzern macht August Thyssen 1891 bei der Steinkohlenzeche Gewerkschaft Deutscher Kaiser in [Duisburg-]Hamborn, die er zu einem integrierten Hüttenwerk am Rhein ausbaut. Unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg beginnt er mit der Internationalisierung seines Konzerns (Niederlande, Großbritannien, Frankreich, Russland, Mittelmeerraum, Argentinien).
Am 4. April 1926 verstarb August Thyssen auf Schloss Landsberg, das er 1903 erworben hatte. Farbpostkarte von 1906.
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Das Ende des Ersten Weltkriegs bedeutet für August Thyssen nicht nur den Verlust zahlreicher Auslandsbeteiligungen und der lothringischen Unternehmen, sondern auch das Ende seiner unternehmerischen Expansion. 1925, damals über 80 Jahre alt, besitzt er noch immer die alleinige Verfügungsgewalt über seine Unternehmungen und stimmt grundsätzlich der Einbringung seiner Firmen in einen neuen Konzern, die Vereinigte Stahlwerke AG, zu. Am 4. April 1926 stirbt August Thyssen auf Schloss Landsberg bei Essen, das er 1902 als seinen Wohnsitz erwarb. Im Gegensatz zu seinen Söhnen Heinrich und Fritz sammelt er - mit Ausnahme von sieben Rodin-Plastiken - keine nennenswerten Kunstwerke. Seine Söhne Heinrich und Fritz teilen sein industrielles Erbe auf. Der arbeitsbesessene und äußerst kreative Unternehmer August Thyssen perfektioniert den Gedanken des vertikalen Unternehmensverbundes. So errichtet er in Mülheim an der Ruhr ein Maschinenbauunternehmen, um die für seine Betriebe notwendigen Großgasmaschinen selbst herzustellen. Aus den gleichen Gründen beteiligt er sich an der Stahlweiterverarbeitung, an der Stahlveredelung und am Schiffbau. Ohne eigene technische Inventionen, aber an Innovationen durchaus immer interessiert, gelang es ihm, von einem mittelständischen Unternehmer zu einem der ganz großen deutschen Eigentümer-Unternehmer des ersten Viertels des 20. Jahrhunderts aufzusteigen. Die Unternehmensgewinne investiert er unmittelbar in den weiteren Ausbau seines Konzerns. Neben dieser Unternehmensmaxime hat August Thyssen mehrere Millionen Mark für die unterschiedlichsten sozialen Zwecke (u. a. August-Thyssen-Stiftung Waisen- und Altersheim Franziskushaus in Mülheim an der Ruhr) gestiftet. Sein soziales Engagement ist jedoch bis heute kaum bekannt. Ein Grund dafür mag sein, dass August Thyssen jede Art der öffentlichen Selbstdarstellung vermied. Seine politische Einstellung ist konservativ, deutsch-national. In Wirtschaftsfragen wendet er sich prinzipiell gegen Kartelle und Syndikate, beteiligt sich aber dennoch an ihnen, wenn es zu seinem Nutzen ist, ohne darin eine führende Rolle zu spielen.