1939
Der Aufsichtsratsvorsitzende der Vereinigte Stahlwerke AG, Fritz Thyssen, lehnt den deutschen Angriff auf Polen ab und flieht in die Schweiz.

Fritz Thyssen, 6. August 1936.
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August Thyssens ältester Sohn Fritz strebte bei Gründung der Vereinigte Stahlwerke AG nicht den Vorsitz im Vorstand an. Als größter privater Einzelaktionär (26 % des Aktienkapitals) wird er zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats gewählt. Zum 1. Mai 1933 tritt er in die NSDAP ein mit großen Hoffnungen, die NS-Wirtschaftspolitik ständestaatlich organisieren zu können. Diese Ideen entsprechen jedoch schon bald nicht mehr den Vorstellungen der Partei. Nach den Staatsmorden des sogenannten Röhm-Putsches distanziert Fritz Thyssen sich mehr und mehr von der NSDAP und ihren Zielen, auch wenn die Vereinigte Stahlwerke AG weiterhin eine bedeutende Rolle in der NS-Autarkie- und Rüstungswirtschaft spielt. Er tritt nicht aus NSDAP und Reichstag aus, zeigt aber seine Ablehnung gegenüber dem Regime durch kleine Gesten (Kreditaufnahme bei dem "jüdischen" Bankier Simon Hirschland, Essen; finanzielle Unterstützung der Familie des KZ-Inhaftierten Martin Niemöller u. a. m.). Zum offenen Bruch mit dem Regime kommt es angesichts des deutschen Angriffs auf Polen. Fritz Thyssen lehnt es in einem offenen Telegramm an Hermann Göring ab, zur Reichstagssitzung am 1. September 1939 in Berlin zu erscheinen, um dem deutschen Einmarsch in Polen zuzustimmen. Auf Drängen der Familie flieht er mit dieser zunächst in die Schweiz, später nach Frankreich. Dort wird er von den Kriegsereignissen überrollt, sodass er nicht mehr - wie geplant - nach Argentinien auswandern kann. Das unbesetzte Vichy-Frankreich liefert ihn und seine Frau Amélie Ende 1940 an das Deutsche Reich aus. Sein Vermögen wird vom Staat beschlagnahmt, der damit Einfluss auf die Unternehmenspolitik der Vereinigte Stahlwerke AG erlangt.

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