Portfoliooptimierung
Die ThyssenKrupp AG hat am 13. Mai 2011 ein ganzheitliches Konzept zur strategischen Weiterentwicklung beschlossen. Seine wesentlichen Ziele sind: die Konzernverschuldung zu reduzieren, nachhaltiges Wachstum zu ermöglichen, die Ertragskraft zu steigern und Werte zu schaffen. Dazu fokussieren wir unser Portfolio und trennen uns von Geschäften, für die alternative strategische Optionen tragfähiger sind. Auf diese Weise stärken wir zugleich unsere finanzielle Basis und gewinnen neue Flexibilität, um strategisch vielversprechende Geschäfte auszubauen.
Die Strategie wird von einer Unternehmenskultur getragen, die auf Transparenz, Verantwortung und klarer Führung basiert. Transparenz bedeutet für uns, unser Handeln an nachvollziehbaren Indikatoren zu messen. Verantwortung heißt, die Zukunft des Konzerns nachhaltig zu gestalten. Unter Führung verstehen wir, die strategische Stoßrichtung und ihre Ziele klar zu definieren sowie einen Rahmen für die erfolgreiche Umsetzung zu schaffen. Unser Anspruch ist es, in jedem unserer Geschäfte langfristig zu den Besten im Markt zu gehören.
Erste Maßnahmen im Rahmen der strategischen Weiterentwicklung sind inzwischen eingeleitet oder bereits abgeschlossen:
- Im Zuge der Portfolio-Optimierung wird sich der Konzern unter anderem von den Aktivitäten der Business Area Stainless Global trennen. Die gesellschaftsrechtlichen, organisatorischen und vertraglichen Voraussetzungen für die Eigenständigkeit von Stainless Global wurden zum 30. September 2011 geschaffen: Die neue Einheit – sie trägt den Namen Inoxum – erhält eine Holdingstruktur; der funktionale Vorstand übernimmt strategische Aufgaben und führt die operativ tätigen Geschäftsbereiche.
In welcher Form in einem weiteren Schritt die eigentliche Verselbstständigung erfolgt, wird ergebnisoffen geprüft. In Frage kommen ein IPO, ein Spin-off oder ein Verkauf. Eigenständig kann Inoxum künftig seine Wettbewerbsposition mit größerer Flexibilität weiterentwickeln – auch mit Blick auf potenzielle strategische Partnerschaften.
- Die Verhandlungen mit der Abu Dhabi MAR-Gruppe über die komplette Übernahme der zivilen Schiffbauaktivitäten sowie ein Joint Venture im Marine-Überwasserschiffbau wurden einvernehmlich eingestellt. Der Umfang der Transaktion beschränkt sich nunmehr ausschließlich auf den zivilen Teil der ehemaligen HDW-Gaarden durch Übernahme von rund 180 Mitarbeitern und entsprechenden Vermögenswerten.
Über den Verkauf der zivilen Bereiche von Blohm + Voss – es handelt sich um den Yachtbau sowie das Reparatur- und Komponentengeschäft in Hamburg – werden derzeit Gespräche geführt; Marine Systems wird sich künftig auf den militärischen Schiffbau konzentrieren. Zu Beginn des Berichtsjahres wurde bereits die Umstrukturierung des Werftenstandorts in Emden mit dem Verkauf von ThyssenKrupp Fahrzeugtechnik final abgeschlossen.
- Für die Xervon-Gruppe haben wir mit REMONDIS, einem Dienstleistungsunternehmen in der Wasser- und Kreislaufwirtschaft, einen Best Owner gefunden. Xervon bietet weltweit technische Dienstleistungen für die Errichtung und Instandhaltung von Industrieanlagen und ergänzt damit hervorragend das Portfolio von REMONDIS. Der Kaufvertrag wurde im letzten Quartal des Berichtsjahres unterzeichnet; das Closing wird nach der Genehmigung der zuständigen Fusionsbehörden folgen. Die Genehmigung der EU-Kartellbehörde liegt bereits vor. Bereits im Oktober 2010 hat die französische Altrad S.A. die spanische Tochtergesellschaft von Xervon übernommen. Damit kam Materials Services einen wesentlichen Schritt voran, das Geschäft mit Industriedienstleistungen neu zu ordnen.
- Der Verkauf der Metal-Forming-Gruppe an den spanischen Automobilzulieferer Gestamp Automoción wurde im Juli 2011 nach der Genehmigung durch die EU-Kartellbehörde abgeschlossen. Die Gruppe, die hochwertige Fahrwerk- und Karosseriebauteile herstellt, zählte nicht mehr zum Kerngeschäft von Steel Europe. Außerdem ist geplant, ThyssenKrupp Tailored Blanks zu verkaufen.
- Zur strategischen Weiterentwicklung werden wir auch die Fahrwerkgeschäfte der Bilstein-Gruppe und von Presta Steering bündeln sowie das Federn- und Stabilisatoren- und das brasilianische Automotive-System-Geschäft im Rahmen eines Best-Owner-Konzepts veräußern. Die Führungsstruktur für die neue Einheit aus Bilstein und Presta Steering liegt bereits fest. Damit entsteht einer der größten Chassis-Full-Service-Provider mit globalem Auftritt. Mit seinem Dämpfungs- und Lenkungs-Know-how wird er den Kundenanforderungen an moderne Fahrwerksysteme besser nachkommen können. Wir planen ferner, die US-amerikanische Gießereigruppe Waupaca zu veräußern.
- Elevator Technology hat im September und Oktober 2011 sämtliche Geschäftsaktivitäten zweier US-amerikanischen Gesellschaften übernommen: General Elevator Sales and Services, Inc. in Florida und United Elevator Company, Inc. in Pennsylvania. Beide Gesellschaften sind auf Service, Wartung und Modernisierung von Aufzugsanlagen spezialisiert und seit Jahrzehnten erfolgreich auf dem amerikanischen Markt tätig. Damit festigen wir die bereits starke Position von ThyssenKrupp Elevator in Nordamerika und setzen auf weiteres Wachstum in dieser Region. Mit weiteren Akquisitionen in den Benelux-Ländern sowie in Spanien, Italien und Frankreich bauten wir unsere Marktstellung in Europa aus.
Quelle: Geschäftsbericht 2010/2011, S. 51-52
Aktives Portfolio Management bei ThyssenKrupp
| Wesentliche Portfolioveränderungen seit der Fusion (Umsatz in Mio €) |
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