ThyssenKrupp Hilfsprojekte für Tsunami-Opfer
Wiederaufbau und Dorfentwicklung in der Region Kanyakumari
Die Menschen an der Südspitze Indiens leben überwiegend vom Fischfang. Durch die Flut wurden sie daher nicht nur ihrer Unterkünfte und Habseligkeiten beraubt, sondern auch ihre Lebensgrundlage - die Fischerboote - wurde fast vollständig zerstört.
In einem Wiederaufbau- und Entwicklungsprojekt, das insgesamt 15 Dörfer umfasst, leistet ThyssenKrupp Hilfe zur Selbsthilfe. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und hat die langfristige Verbesserung der Lebensverhältnisse im Sinne einer nachhaltigen Armutsbekämpfung zum Ziel.
Konkret sollen 900 der ärmsten Familien wieder in die Lage versetzt werden, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, indem sie sukzessive über Umlaufkredite 180 Boote und Fischernetze sowie weitere Ausrüstungsgegenstände erhalten (fünf Familien teilen sich ein Boote).
Eine Frauenselbsthilfegruppe: Schulung und Beratung der Frauen durch qualifizierte Sozialarbeiter
Durch die Einrichtung von Frauenselbsthilfegruppen soll zudem die Dorfentwicklung vorangetrieben werden. Um die Frauen auf ihre wichtige Arbeit vorzubereiten, ist in der Anfangsphase des Projekts eine intensive, regelmäßige Schulung und Beratung durch qualifizierte Sozialarbeiter notwendig. Die Projektmitarbeiter sensibilisieren die Gruppen zudem für die besonderen Bedürfnisse der traumatisierten Kinder und zeigen den Frauen, wie sie die Betreuung der Waisen und Halbwaisen in den eigenen Alltag integrieren können. Außerdem soll den Frauen Mut gemacht werden, durch Eigeninitiativen zusätzliches Geld zu verdienen und ihr Einkommen zu verbessern.
Darüber hinaus werden in allen Dörfern sog. Day Care Center für die Kinder errichtet.
In den Day Care Centern werden Kinder auch psychologisch betreut
Projektentwicklung
- Einrichtung von 10 Day Care Centern (ca. 340 betreute Kinder unter 5 Jahren) und 31 Betreuungsstätten für Schulkinder (ca. 1.370 betreute Kinder). Die Kinder werden mit Nahrung versorgt, medizinisch und psychologisch betreut und erhalten neben Nachhilfeunterricht ein pädagogisches Freizeitprogramm.
- 12 Lehrer wurden eingestellt und zur psychologischen Betreuung der Kinder speziell geschult.
- Alle Kinder in den 15 Dörfern (nicht nur jene, die tagsüber in den Einrichtungen betreut werden) wurden mit Schuluniformen und -materialien ausgestattet. Zudem wurde den Kindern Kleidung zur Verfügung gestellt.
- Rund 70 Selbsthilfegruppen mit ca. 1.050 Mitgliedern wurden etabliert und haben ihre Arbeit aufgenommen. Die Gruppen wurden mit den finanziellen Mitteln zum Wiederaufbau (meist auf Kleinkreditbasis) ausgestattet.
Day Care Center – ein wesentlicher Beitrag zur Unterstützung der Kinder
Die Day Care Center werden zu allen Tageszeiten genutzt: Vormittags dienen sie der Betreuung von Kleinkindern, nachmittags der von Schulkindern und abends treffen sich dort die verschiedenen Dorfkomitees zu ihren Sitzungen.
Vormittags erhalten die mangelernährten und oftmals traumatisierten Kleinkinder zusätzliche Nahrung und psycho-soziale Betreuung. Speziell ausgebildete Betreuerinnen kümmern sich intensiv um die Kinder. In einer Spielecke können die Kleinen auf spielerische Weise das Erlebte aufarbeiten. Es finden zudem regelmäßig Gesundheitsuntersuchungen für Kinder, schwangere Frauen und stillende Mütter statt.
Auch die Kinder haben in den Fluten alles verloren
Nachmittags werden die Day Care Center als "tuition centres" genutzt, um Schulkindern Nachhilfe- und pädagogische Freizeitangebote zu bieten. Da auch die Kinder ihr Hab und Gut verloren haben, müssen sie zudem mit Schuluniformen und Schulmaterialien versorgt werden, ohne die ein Schulbesuch in Indien nicht möglich ist.
Insgesamt 1.200 Kinder werden durch die Day Care Center erreicht. Die Center sind zugleich eine wichtige Präventivmaßnahmen gegen die momentan verstärkt bestehende Gefahr von Kinderhandel und Kinderarbeit.
Informationen zum indischen Projektpartner St. Joseph's Development Trust
Seit über 40 Jahren ist Kindernothilfe in den von der Flutkatastrophe betroffenen Gebieten Südindiens aktiv. Für die Wiederaufbaumaßnahmen und nachhaltige Entwicklungsarbeit kann Kindernothilfe deshalb auf die bestehenden sehr gut organisierten Partnerstrukturen vor Ort zurückgreifen. Die Partnerorganisation SJDT (St. Joseph’s Development Trust) ist eine der größten überkonfessionell und unabhängig arbeitenden Nichtregierungsorganisationen (NGO) in Südindien. Die fachlichen Erfahrungen in der Kinder- und Jugendhilfe und die lokalen Kenntnisse dieses Partners sind sehr hoch. Kindernothilfe hat bereits in zahlreichen Projekten erfolgreich mit SJDT zusammengearbeitet. Ohne das profunde Erfahrungswissen hätte das vorliegende Projekt nicht in solcher Kurzfristigkeit konzipiert werden können.
